Fund gibt Aufschluss über steinzeitliches Klima

Eierschalen aus der Steinzeit im Landkreis Helmstedt gefunden

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Fragmente einer etwa 300000 Jahre alten Eierschale vom Singschwan (Cygnus cygnus)

Helmstedt -  Auf rund 300.000 Jahre alte Schalenteile sind Archäologen in der Fundstätte Schöningen im Landkreis Helmstedt gestoßen. Die Schalen können Forscher auf die Spur des Klimas der Altsteinzeit bringen.

Vor Hunderttausenden von Jahren brüteten Enten, Singschwäne und Kraniche an einem Seeufer in Niedersachsen. Übriggeblieben sind steinalte Eierschalen. Die sollen Aufschluss über das damalige Klima geben - und über das Essverhalten der Menschen. 

Wie das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege am Dienstag mitteilte, konnten die teils wenige Zentimeter, teils nur Millimeter großen Schalenteile mit Eierschalen heute lebender Vögel verglichen werden. Dabei fanden sie Übereinstimmungen mit den Eiern von Kranichen, Enten und Singschwänen. Die Archäologen ziehen daraus Schlüsse über das damalige Klima. Bisher habe man sich bei der Bestimmung der klimatischen Verhältnisse auf andere Funde konzentriert, etwa Überreste von Nagetieren. „Die Eierschalen hatten wir als Quelle unterschätzt“, sagte Thomas Terberger, der wissenschaftliche Koordinator des Landesamtes.

Gemeinsam mit der Universität Tübingen seien etwa eine Handvoll Schalenteile gesammelt werden, die groß genug seien, um genauer bestimmt zu werden. Vorsicht ist bei der Suche wichtig: „Schon ein Wasserstrahl könnte die Schale zerstören“, sagte Terberger. Für die Forscher besonders interessant sind die Eierschalen der Singschwäne. Die Wasservögel brüten heutzutage in kälteren Regionen wie Island, Skandinavien oder Sibirien. Als die Singschwäne am See in Schöningen ihre Eier legten, war es auch dort um einige Grad kühler als heute. „Ganz grob kann man sagen, dass es zwischen zwei bis drei Grad kälter war“, sagte Terberger. Damit sei ein Übergang zu einer sogenannten Kaltzeit erkennbar.

Die Vogeleier geben auch Aufschluss über die Ernährung der damaligen Menschen. „Ob diese Eier aufgeschlagen und gegessen wurden, wissen wir nicht“, sagte Terberger. „Es liegt aber nahe, dass auch Eier als Nahrungsquelle genutzt wurden.“ An dem ehemaligen Seeufer hatten die Wissenschaftler Überreste von 25 erlegten Pferden gefunden. Zwischen 1994 und 1998 wurden in der Grabungsstätte die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen eines Menschen entdeckt. Der Fund der „Schöninger Speere“ sorgte damals für internationales Aufsehen. Die Eierschalen aus der Altsteinzeit sind vom 3. bis zum 19. April im Forschungs- und Erlebniszentrum „paläon“ in Schöningen ausgestellt. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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