Nordwest-Award: Rotary-dominierte Jury vergibt Förderpreis an Rotary-Projekt

Unter Freunden

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Erhard Mielenhausen und Angelika Gerdesmeyer (4. und 5. v.l.) vertreten bei der Preisverleihung in Bramsche den Rotary Distrikt 1850. An ihrer Seite die Juroren (v.l.) Jörg Bensberg, Jens Böhrnsen, Moderatorin Annika de Buhr und Stephan Weil (r.). Stephan-Andreas Kaulvers (2.v.r.) ist Vorstandsvorsitzender der Bremer Landesbank.

Niedersachsen - Von Felix GutschmidtBRAMSCHE · „Wir suchen die Besten im Nordwesten.“ Mit diesem Slogan wirbt die Metropolregion Nordwest für ihren Förderpreis. Nun ist sie fündig geworden. Ein Stipendiaten-Programm des Rotary-Distrikts 1850 hat zusammen mit zwei weiteren Initiativen den Nordwest-Award gewonnen. Pikant: Unter den neun Juroren sind vier Rotarier. Neutralität sieht anders aus.

Nach Informationen dieser Zeitung sind der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, Guido Brune, Mitglied im Vorstand der Bremer Landesbank, Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Bremer Handelskammer, und Karin Luckey, Rektorin der Hochschule Bremen, rotarische „Freunde“, wie sich die Clubmitglieder untereinander nennen. Die drei Letztgenannten gehören Clubs im Distrikt 1850 an.

Es ist nicht die einzige Verbindung zwischen dem prämierten Programm und der Jury. Fonger und Luckey treten als Vertreter der Hochschule und der Handelskammer in Bremen auch als Kooperationspartner des Stipendiums „Die Besten für den Nordwesten“ auf, das besonders begabte Studenten finanziell und ideell fördern soll.

Haben da etwa Rotarier ihrem Club einen mit 10 000 Euro dotierten Preis zugeschoben? Und haben Juroren zugunsten eines Projekts entschieden, von dem ihre Arbeitgeber profitieren? Anna Meincke, Geschäftsführerin der Metropolregion, hält diese Vorwürfe für abwegig. Die Rotary-Mitgliedschaft von vier Juroren habe „ziemlich sicher keinerlei Auswirkungen“ auf die Entscheidung gehabt. Die doppelt involvierte Luckey habe an den Jurysitzungen gar nicht teilgenommen – aus terminlichen Gründen.

Auch Jurymitglied Jörg Bensberg, Erster Vorsitzender der Metropolregion, wiegelt ab. „Wir sind alle in der Lage, differenziert zu denken.“ Mit Blick auf die rotarischen Juroren sagt er: „Das sind alles Profis.“

Nach Angaben von Meincke fielen alle Entscheidungen der Jury einstimmig. Theoretisch hätte auch eine einfache Mehrheit genügt.

Dass Rotary-Mitglieder befangen sein könnten, wenn sie einem Projekt ihrer Organisation einen gut dotierten Förderpreis zusprechen, hat sich bei der Metropolregion offenbar niemand klar gemacht. Die Verbindungen waren offenbar nicht bekannt. Meincke wusste jedenfalls nicht, dass die Jury derart stark mit Rotariernbesetzt ist.

Doch die Geschäftsführerin erkennt auch kein Geschmäckle, als sie mit dem Fall konfrontiert wird. „Das Problem werden sie immer haben.“ Bei einer derart hochkarätig besetzten Jury werde es immer einzelne Mitglieder geben, die mit dem ein oder anderen Projekt verbunden seien. Dem Vorwurf, dass dann die Jury zwar prominent aber nicht mehr unabhängig ist, widerspricht sie nicht.

Quelle: kreiszeitung.de

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