Umweltministerin bittet Niederlande um Rücksicht auf Schweinswale

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Orientierungslos und vermutlich verletzt wird dieser junge Schweinswal am 20.07.2010 immer wieder an das Ufer der Sielrinne zum Hafen von Harle (Kreis Friesland, Niedersachsen) getrieben.

Borkum/Berlin - In der niederländischen Nordsee wird trotz deutscher Bedenken mit Schallkanonen nach Erdgas gesucht. Darunter könnten die empfindlichen Schweinswale in einem deutschen Schutzgebiet leiden, befürchten Naturschützer und Bundesumweltministerin Hendricks.

Die Niederlande sollen aus Rücksicht auf empfindliche Schweinswale in der Nordsee die Erdgassuche in der Nähe eines Schutzgebietes unterbrechen. Darum hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in einem Schreiben an die niederländische Regierung gebeten. Anlass der ungewöhnlichen Bitte seien laufende seismische Untersuchungen mit Schallkanonen in der Nähe zum deutschen marinen Natura-2000-Schutzgebiet Borkum-Riffgrund, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte Hendricks zum Eingreifen auf und startete einen Appell zum Verbot von Schallkanonen in sensiblen Meeresgebieten.

Schallkanonen stoßen für Untersuchungen der tiefen geologischen Schichten im Meeresboden explosionsartige Geräusche aus. Die 6000 Meter langen Schläuche der Knallapparate werden in einer Breite von 700 Metern hinter dem Spezialschiff hergezogen. Der vom Nordseegrund reflektierte Schall soll Hinweise auf Öl- und Gasvorräte geben.

Die deutschen Behörden seien am Genehmigungsverfahren für die Untersuchungen der Firma Hansa Hydrocarbon nicht beteiligt worden, beklagte Hendricks in dem Schreiben. Aktuelle Informationen über das Meeresschutzgebiet hätten daher nicht vorgelegt werden können. Somit sei auch eine Verträglichkeitsprüfung niederländischer Behörden nicht ausreichend. Die laufenden Untersuchungen müssten kurzfristig gestoppt werden, um Konsultationen zwischen beiden Ministerien zu ermöglichen. Anderenfalls könnten Meeressäuger in dem angrenzenden Schutzgebiet erheblich beeinträchtigt werden.

Gefahren für Schweinswale und Kegelrobben in dem Gebiet befürchtet auch der BUND, der mit seiner Petition die lautstarken Untersuchungen stoppen will. Die Wale hätten gerade Junge bekommen und ständen kurz vor der nächsten Paarungszeit. Die Kälber fänden ihre Mütter nicht mehr, da die Tiere bei ohrenbetäubendem Unterwasserlärm nicht mehr kommunizieren könnten. Auch die Jagd und Orientierung seien nicht mehr möglich.

Ostfriesische Naturschützer im Wattenrat begrüßten die Online-Petition, kritisierten jedoch die Untätigkeit deutscher Naturschutzverbände beim Bau von Offshore-Windparks. Anders als bei seismischen Untersuchungen würde dort Dauerlärm während der Rammarbeiten für Fundamente die Meeressäuger schädigen.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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