Feuerwehr-Einsätze: AZ besucht 84-Jährigen im Krankenhaus

Nach Gift-Unfall mit 30 Gramm Cyanid in Oldenstadt: „Es tut mir vom Herzen leid“

Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst stehen hintereinander entlang einer Straße: In Oldenstadt ist es wegen eines Gift-Unfalls zu mehreren Einsätzen gekommen.
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Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst stehen hintereinander entlang einer Straße: In Oldenstadt ist es wegen eines Gift-Unfalls zu mehreren Einsätzen gekommen.

Uelzen-Oldenstadt – Die Dämpfe haben ihm gesundheitlich zugesetzt. Die Aufregung der letzten Tage tat ihr Übriges. Aufgewühlt und mit zittrigen Händen sitzt der 84-Jährige aus Oldenstadt im Kreis Uelzen auf der Kante des Krankenhausbettes.

Reden will der Senior dennoch, weil er auch was loswerden will: „Es tut mir vom Herzen leid, was geschehen ist. Ich wünschte, ich könnte es rückgängig machen.“

Der 84-Jährige ist für drei Einsätze eines Gefahrgutzuges der Feuerwehr in den vergangenen Tagen im Uelzener Ortsteil Oldenstadt (AZ berichtete) verantwortlich. Im Gespräch mit der AZ schildert der Senior, wie es dazu kam.

Er ist Chemiker, hat als solcher auch gearbeitet. Um Ideen für die Arbeit schon mal vorab prüfen zu können, nutzte er ein „kleines Labor im Keller“ seines Hauses. Eingeschlossen in einem Schrank habe er bereits „seit 1988“ eine Flasche mit Cyanid besessen. Das habe ihm jemand gegeben, sagt er. „Es waren 30 Gramm“, so der Senior.

Cyanid in „kleinem Labor“ unschädlich machen

Jetzt, im Alter, wollte er das Labor auflösen und wissend, wie giftig das Cyanid ist, dieses restlos beseitigen. Er schildert, dass er mithilfe eines chemischen Prozesses aus dem Cyanid einen ungefährlichen Stoff machen wollte, das sogenannte gelbe Blutlaugensalz. Doch was womöglich gut gemeint war, ging gewaltig schief.

Das flüssige Cyanid lief neben die Schale und verdunstete. Der 84-Jährige atmete die giftigen Dämpfe ein. „Mir wurde schwindelig. Ich geriet in Panik.“ Er habe dann die Schale in den Garten gebracht, dort vergraben und die Erde fest angedrückt. Damit nichts mit Wasser in Berührung kommt. „Ich wollte, dass kein anderer noch Schaden nimmt“, schildert der Senior.

Er selbst kam ins Krankenhaus. Die Kräfte des Gefahrgutzuges versuchten, unmittelbar noch bei Nacht durch Schilderungen des Seniors im Garten das Gefäß zu finden. Das gelang erst am darauffolgenden Tag im Hellen. Noch einmal rückten sie an, als der Senior zwischenzeitlich aus dem Krankenhaus entlassen worden war, aber wieder über Vergiftungserscheinungen klagte. Das war vergangenen Sonnabend. Er selbst wurde abermals im Krankenhaus aufgenommen. Die Kräfte des Gefahrgutzuges konnten indes Entwarnung geben, was Gefahren betrifft.

Labor prüft sichergestellte Substanzen

Das sichergestellte Gefäß und auch Erde werden vom Landkreis Uelzen in einem eigens dafür zugelassenen Bereich auf dem Gelände des Abfallwirtschaftsbetriebs in Oldenstadt verwahrt, wie die Behörde mitteilt. Proben davon werden zurzeit im Auftrag des Landkreises von einem Labor untersucht. „Die Ergebnisse liegen noch nicht vor“, sagt Kreissprecher Martin Theine. Abhängig vom Ausgang der Untersuchung wollen der Landkreis und die Umweltbehörde entscheiden, wie weiter vorgegangen werden soll. VON NORMAN REUTER

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