Oldenburg will testweise Sperrstunde einführen / Ausfälle eines Studenten als Anlass

Trinkpause gegen Gewalt

Zapfhahn dicht: In Oldenburg wird die Sperrstunde geprobt.

Niedersachsen - Von Stephanie LettgenOLDENBURG (dpa) · Vandalismus, Pöbeleien, lautstarkes Gegröle: Mit einer freiwilligen Sperrstunde für die Gastronomie will die Stadt Oldenburg für eine Ruhepause in den frühen Morgenstunden sorgen. Von Montag an bis zum 31. Oktober sollen Gaststätten und Discos testweise zwischen 5 und 7 Uhr schließen.

„Vor allem am Wochenende gibt es viele unschöne Auseinandersetzungen. Wir hoffen, dass diese Delikte abnehmen“, sagt der Leiter des Bürger- und Ordnungsamtes, Ralph Wilken. Erst 2006 hatte Niedersachsen eine landesweite Regelung zur Sperrstunde abgeschafft. Die Städte und Gemeinden können selbst lokale Zeiten festlegen. „Meines Wissens nach ist Oldenburg die erste Kommune, die das macht“, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover.

„Manche Gäste in der Innenstadt finden einfach kein Ende“, betont der Leiter der Polizeiinspektion, Johann Kühme. Mit Bier, Schnaps oder den spirituosenhaltigen Mixgetränken Alkopops steigt der Pegel bei den Kneipenbesuchern immer weiter. „Manch einer glaubt, drei Promille müssen es schon sein.“ Nach Polizeiangaben steigt die Zahl der Taten unter Alkoholeinfluss. Am Verkehrsknotenpunkt „Lappan“ sind zur Überwachung zwei Videokameras geplant. An dieser Stelle war die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen von 16 im Jahr 2008 auf 29 im vergangenen Jahr gestiegen.

Für den Sperrzeit-Test wurden nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga 300 Betriebe angeschrieben. Doch nur ein sehr geringer Prozentsatz schenke bislang wirklich rund um die Uhr aus.

Einige Wirte fürchteten nun um ihren Umsatz, sagt die Geschäftsführerin des Bezirks Weser-Ems, Hildegard Kuhlen. Doch bislang habe sich noch niemand gemeldet, der nicht mitmachen werde. „Wir wollen sehen, ob es positive Auswirkungen gibt.“ Nach Überzeugung Kuhlens wird die Sperrstunde allein aber nicht ausreichen. „Wir brauchen noch zusätzliche Maßnahmen – so müsste die Polizeipräsenz in der Innenstadt erhöht werden.“

Den Ausschlag für die Idee einer freiwilligen Sperrstunde gab ein Vorfall Anfang September 2009: Angefeuert von johlenden Zuschauern versuchte ein Betrunkener vor einem Schnellrestaurant in Oldenburg den Spiegel eines Polizeiwagens abzutreten – und plumpste dabei mehrmals auf den Hosenboden. Frustriert trat der 23-Jährige weiter gegen den Wagen, bis schließlich einer der Spiegel abbrach. Zudem bepinkelte und bespuckte der Student den Wagen. „In dem Moment wusste er nicht mehr, was er tat. Zwei Tage später war ihm das sehr peinlich“, sagt Kühme.

Die freiwillige Sperrstunde sei ein Experiment, schreibt Oldenburgs Oberbürgermeister Gerd Schwandner (parteilos) in seiner Kolumne auf der Internetseite der Stadt. „Aber Reden allein hilft eben nicht.“ Zweimal trafen sich Vertreter von Stadt, Polizei und Gastronomie schon zu einem Runden Tisch. Im Herbst soll Bilanz gezogen und über eine Fortsetzung des Projektes entschieden werden.

Kritik an den Sperrzeiten habe es von vielen Jugendlichen gegeben, berichtet Kühme. „Sie wollen weiter alle Freiheiten haben.“

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