Fehlende Zivilcourage

Toter fährt sechs Stunden lang in Straßenbahn durch Stadt – Sohn fassungslos

Leise sackt ein Mann in einer Schweizer Tram zusammen und stirbt – unbemerkt. Der Sohn des Toten wendet sich nun mit eindringlichen Worten an die Öffentlichkeit.

Zürich – Ein tragischer Todesfall in der Schweiz geht derzeit viral. Am Montagmorgen stieg ein 64-jähriger Mann um 6:21 Uhr an einer Haltestelle in Zürich im Stadtteil Altstetten in die Tram der Linie 2, um zur Arbeit zu fahren. Dort sollte er niemals ankommen. Denn während der Fahrt erlitt er plötzlich einen Herzinfarkt und starb – unbemerkt. Videoaufnahmen zeigen, wie der Mann nach ein paar Haltestellen in sich zusammensackte und „regungslos sitzen blieb“.

Stadt in der Schweiz:Zürich
Höhe:408 Meter
Fläche:87,88 km²
Bevölkerung:402.762 (2017)

Herzinfarkt in Schweizer Tram: Toter fährt sechs Stunden lang unbemerkt durch die Stadt

Sechs Stunden lang fährt die Tram mit dem Toten quer durch Zürich, bis jemandem etwas auffällt. Erst gegen Mittag sei einer Frau aufgefallen, dass etwas nicht stimme. „Sie informierte den Tramchauffeur und er schließlich den Notruf“, so der Sohn des Verstorbenen. Leider vergebens. Als die Rettungskräfte eintrafen, konnten sie nur noch den Tod des 64-jährigen Mannes feststellen. Hinweise auf ein Fremdverschulden am Tod des Mannes gebe es nach Angaben der Polizei Zürich derzeit nicht.

In Zürich ist eine Tram mit einem toten Fahrgast stundenlang durch die Stadt gefahren. (24hamburg.de-Montage)

Leider ist der unbemerkte Tote in der Züricher Tram kein Einzelfall. Auch in Travemünde lag ein Mann monatelang tot in seinem Wohnhaus und auch in Greenwich, einem Vorort von Sydney, wurde ein Einbrecher 15 Jahren nach seinem Ableben entdeckt.

Fehlende Zivilcourage: Kinder des Verstorbenen empört über Verhalten der Tram-Passagiere

Mit seiner Enttäuschung darüber, dass keiner der Passagiere etwas tat, um das Leben seines Vaters zu retten, will der Sohn des Verstorbenen nicht mehr länger hinterm Berg halten und wendet sich daher nun an die Öffentlichkeit. „Die Leute sind heutzutage zu sehr auf sich konzentriert und nehmen ihre Umwelt gar nicht mehr wahr. Die Ignoranz der Leute macht mich fassungslos und traurig“, so der Sohn. Gemeinsam mit seiner Schwester wolle er auf die fehlende Zivilcourage in der Gesellschaft aufmerksam machen, die augenscheinlich „nicht mehr alltäglich“ sei.

Auch Melanie Wegel, Dozentin am Institut für Delinquenz und Kriminalprävention der Züricher Hochschule, hofft, dass dieser tragische Todesfall in der Schweiz Signalwirkung hat: „Vielen Menschen fehlt es heutzutage an Zivilcourage. Die Leute glauben, sie müssten nicht helfen und ein anderer wird sich schon drum kümmern.“

„Jeder Einzelne ist aufgefordert, zu helfen. Hier gilt es, Hilfe zu organisieren. Entweder man spricht Personen um sich herum direkt an und fordert sie zum Handeln auf. Oder man alarmiert die Polizei“, appelliert sie an die Achtsamkeit der Bürger. Und auch die deutsche Bundespolizei rät: „Es geht nicht darum, den Helden zu spielen – schon eine umsichtige Reaktion kann helfen! Schauen Sie nicht weg, seien Sie aufmerksam.“ * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa & Pius Koller/IMAGO

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