Ein Toter bei S-Bahn-Unfall

„Als wenn etwas explodiert ist“

+
Die Trümmer des Lastwagens liegen verstreut über den Gleisen: Beim Zusammenstoß einer S-Bahn mit einem Rübentransporter auf einem unbeschrankten Bahnübergang in der Region Hannover ist am Freitagmorgen der Lkw-Fahrer getötet worden.

Weetzen. - Die Trümmer des Lastwagens liegen verstreut über den Gleisen: Beim Zusammenstoß einer S-Bahn mit einem Rübentransporter auf einem unbeschrankten Bahnübergang in der Region Hannover ist am Freitagmorgen der Lkw-Fahrer getötet worden.

3 der 67 Reisenden in dem Zug wurden leicht verletzt, teilte die Feuerwehr mit. Bei einem Wendemannöver hatte sich der Lastwagen an dem Bahnübergang bei Weetzen -Vörie verkantet und war von dem Zug erfasst worden. Der Fahrer eines zweiten Rübenlasters hatte seinem verunglückten Kollegen offenbar zuvor gesagt, dass dieser sich verfahren habe.

Es ist kurz vor 8.00 Uhr. Der Nebel hat sich gelichtet. Der Lkw-Fahrer ist unterwegs zu einem Feld, um Rüben von dort zu einer nahegelegenen Zuckerfabrik zu bringen. Allerdings verfährt er sich auf dem Wirtschaftsweg und will an dem Bahnübergang zurücksetzen. Christa Dombrowe sitzt zur selben Zeit in ihrer Küche - ihr Haus liegt nur wenige Meter von dem Übergang entfernt. Durch das offene Fenster hört sie plötzlich das Warnsignal eines Zuges.„Es gab dann einen fürchterlichen Knall, als wenn etwas explodiert ist“, sagt die Anwohnerin. Sie rennt hinaus und sieht das Ausmaß des Aufpralls: Das Fahrerhaus ist in zwei Teile zerrissen, das Dach ist noch weiter weggeschleudert worden. 20 Meter weiter liegen die Überbleibsel neben dem Wrack wie ein zusammengedrücktes Papierknäuel.

Drum herum sind die Gleise bedeckt mit Wrackteilen, die graue Strickjacke des Fahrers und ein Stück seines Butterbrotes. „Es ist ein grausamer Anblick. Wir sind betroffen“, sagt Thomas Hüper. Der Landwirt, wartete auf dem knapp 800 Meter entfernten Feld auf den Rübenwagen.

Die Strecke ist an dieser Stelle gut einsehbar. „S-Bahnen fahren dort mit etwa 100 Stundenkilometern“, sagt der Pressesprecher der Feuerwehr Ronnenberg, Andreas Matuschke. „Beim Zurücksetzen hatte sich der Fahrer an einer Leitplanke verhakt. Wie lange er da zugange war, weiß keiner.“ Der Lokführer habe noch versucht zu bremsen - vergeblich. Der Rübenfahrer stirbt sofort am Unfallort.

Makaber am Geschehen: Die erste der beiden Zugeinheiten, die den Rübenlastwagen erfasste und dann aus dem Gleis sprang, trägt den Namen „Neustadt am Rübenberge“.

Glimpflicher kamen die 67 Zuginsassen davon. Drei zogen sich leichte Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen zu, konnten ihre Reise aber wie die übrigen Fahrgäste mit Bussen fortsetzen. Das Gleis wird voraussichtlich kommenden Mittwoch wieder für die S-Bahn befahrbar sein. „Bis dahin müssen die Fahrgäste mit Einschränkungen rechnen“, teilte Thomas Weitemeyer von der Deutschen Bahn mit.

Die durch die Wucht des Aufpralls verbogenen Schienen und ein umgerissener Oberleitungsmast müssen erneuert werden. Den Schaden konnte die Bahn am Freitag noch nicht beziffern.Techniker der Bahn untersuchen unterdessen, ob die Blinkanlagen an dem Übergang technisch einwandfrei funktioniert haben, sagte Bundespolizeisprecher Detlef Lenger. Nach dem Unfall waren die Blinklichter weiter eingeschaltet.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare