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Tödlicher Polizeieinsatz bei Stade: Anzeigen gegen Polizei, Landkreis und Kommune

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Von: Johannes Nuß

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Nachdem dem Tod eines Flüchtlings im Landkreis Stade im Oktober 2021, wurden nun Anzeigen gegen Polizei, Samtgemeinde Harsefeld sowie Landkreis Stade erstattet.

Harsefeld – Es ist der Abend des 3. Oktobers 2021, die Feierlichkeiten zum 31. Tag der Deutschen Einheit sind noch nicht überall vorbei, als es in der Samtgemeinde Harsefeld (Landkreis Stade) zu einem tödlichen Polizeieinsatz in einer Flüchtlingsunterkunft kommt. Es ist bereits das dritte Mal an diesem Tag, dass die Beamten die Flüchtlingsunterkunft in der Kommune aufsuchen müssen, da eine Person andere Bewohner der Einrichtung mit einem Messer bedroht haben soll. Am Ende des Tages ist der sudanesische Flüchtling Kamal Ibrahim tot, getroffen von mehreren Kugeln aus der Pistole eines Polizisten.

Tödlicher Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft: Polizist erschießt Flüchtling Kamal Ibrahim in Harsefeld

Was genau passiert ist, wird demnächst wohl bald die Gerichte in Niedersachsen interessieren. Denn, Mitglieder einer Bürgerinitiative, die sich im Landkreis Stade für Menschenrechte einsetzt, haben nun Strafanzeigen gegen die Polizei, die Kommune Harsefeld sowie den Landkreis Stade erstattet, wie der Flüchtlingsrat Niedersachsen am Samstag, 29. Januar 2022, in einer Pressemitteilung berichtet.

Sie verlangen von der Staatsanwaltschaft Stade, gegen die eingesetzten Polizistinnen und Polizisten sowie gegen ihre Vorgesetzten wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung mit Todesfolge und unterlassener Hilfeleistung zu ermitteln. Den Verantwortlichen der Kommune Harsefeld wird vorgeworfen, nicht auf die Hilfebedürftigkeit von Kamal Ibrahim reagiert zu haben.

Tödlicher Polizeieinsatz in Harsefeld: Anzeigen gegen Polizei, Landkreis Stade und Gemeinde Harsefeld

Die Anzeigen wurden auch deshalb erstattet, weil die Polizei mehrfach von Mitbewohnern des Toten auf diese hingewiesen worden sein sollen. Auch das Verhalten beziehungsweise Unterlassen der Mitarbeiter des Landkreises Stade, die ebenfalls von der schlechten psychischen Verfassung Kamal Ibrahims gewusst haben sollen, soll auf eine Strafbarkeit untersucht werden.

Ein Polizeiauto steht hinter einer Absperrung vor einem Studentenwohnheim.
Gegen den Polizisten, der am 3. Oktober 2022 einen Flüchtling in einer Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Stade erschossen haben soll, wurden jetzt Anzeigen erstattet. (Symbolbild) © Sebastian Kahnert/dpa

Die Mitglieder der Bürgerinitiative, die seit längerem Geflüchtete im Landkreis unterstützen und daher auch Kontakt zu Bewohnern der Unterkunft in Harsefeld haben, wollen mit den Anzeigen eine umfängliche Aufklärung des tödlichen Einsatzes und aller weiteren Umstände, die zu dem Tod von Kamal Ibrahim geführt haben, anstoßen.

Tödlicher Polizeieinsatz in Flüchtlingsunterkunft: Flüchtlingsrat Niedersachsen will lückenlose Aufklärung

„Wir begrüßen, dass die engagierten Bürger aus dem Landkreis Stade alle rechtlichen Mittel nutzen, um eine lückenlose Aufklärung des tödlichen Polizeieinsatzes gegen Kamal Ibrahim herbeizuführen“, sagte Sigmar Walbrecht, Referent beim Flüchtlingsrat Niedersachsen.

Im Zusammenhang damit kritisierte Walbrecht das Verhalten der Behörden in einem anderen Fall, bei dem der 19-jährige afghanische Flüchtling Aman Alizada im August 2019 in Stade zu Tode kam. Walbrecht wirft der Staatsanwaltschaft Stade vor, dass bei diesem Fall keinerlei Interesse zur Aufklärung bestünde.

„Das muss im Fall von Kamal Ibrahim anders laufen“, so Walbrecht. Nach Ansicht des Flüchtlingsrates ist für eine lückenlose Aufklärung solcher Polizeieinsätze die Einrichtung einer unabhängigen Stelle, die staatsanwaltliche Ermittlungsbefugnisse hat, notwendig. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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