Tierschutz

Kuh-Tourismus: Rindertransport via Niedersachsen nach Afrika gestoppt

Bis zu 300 Zuchtrinder sollten vom ostfriesischen Aurich nach Marokko transportiert werden. Rund 30 davon kamen aus Bayern. Nach heftiger Kritik wurden die Pläne geändert.

Update vom 6. Mai um 16:30 Uhr:  Ein in die Kritik geratener Tiertransport von Bayern über Niedersachsen nach Afrika soll nun doch nicht wie geplant stattfinden. Statt nach Marokko sollen 32 trächtige Rinder aus Bayern nun nach Belgien gebracht werden, wie ein Sprecher des Landkreises Aurich am Donnerstag mitteilte. Ein Termin war zunächst nicht bekannt.

Der Tiertransport hatte Kritik bei Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (beide CDU) ausgelöst. Insgesamt sollten 250 bis 300 Zuchtrinder vom ostfriesischen Aurich nach Marokko transportiert werden. 32 dieser Rinder kamen demnach aber aus Bayern und machten wegen dort verfügter Transporthemmnisse in etliche Staaten außerhalb der EU einen über 1000 Kilometer langen Umweg über Norddeutschland. (dpa)

Ursprungsmeldung vom 4. Mai: Nach Kritik von Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) an zweifelhaften Tiertransporten von Bayern über Niedersachsen nach Afrika hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner das Bundesland zu genauem Hinschauen aufgefordert.

Die Bundesländer seien selber zuständig für das Genehmigen und Abfertigen von Tiertransporten, sagte die CDU-Politikerin. „Und deshalb fordere ich auch Niedersachsen auf, und da bin ich auch froh, dass Frau Otte-Kinast da genauer hinschauen will, dass man eben nicht Schlupfloch ist und dann behilflich ist für einen solchen Transport.“

Niedersachsen galt lange als Spitzenreiter beim Export lebender Tiere in Länder außerhalb Europas.

Otte-Kinast hatte am Donnerstag im Landtag ein Einschreiten der Behörden gegen einen Tiertransport nach Marokko angedroht, bei dem auch Rinder aus Bayern über Ostfriesland nach Afrika gebracht werden sollen. Der Lkw mit den bayerischen Zuchttieren hätte direkt in Bayern abgefertigt werden müssen.

„Ich habe mein Haus bereits angewiesen zu prüfen, ob wir die Abfertigung der bayerischen Tiere in Niedersachsen verweigern können. Das Ziel ist klar: Bayerische Tiere werden zukünftig auch wieder in Bayern abgefertigt. Und nicht in Niedersachsen.“

Schluss mit dem Kuh-Tourismus!

Barbara Otte-Kinast (CDU), Niedersachsens Agrarministerin

Otte-Kinast holte auch in Richtung des bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber (Freie Wähler) aus. „Wer sich aufgrund eines angeblichen Erlasses zur Untersagung von Tiertransporten, den es de facto gar nicht gibt, als großer Tierschützer feiern lässt, aber die Tiere sehenden Auges auf einen riesigen Umweg über Aurich schickt, der ist unehrlich gegenüber den Menschen und versündigt sich an den Tieren. Damit, Herr Kollege, muss Schluss sein.“

Gegen den Erlass war allerdings geklagt worden, er hatte keinen Bestand. Seit Jahresbeginn sieht ein neuer Erlass erhöhte Tierschutzauflagen für solche Transporte vor, die neuerdings vom Landwirtschaftsministerium selber detailliert überwacht werden.

Sie verwahre sich dagegen, dass bayerische Behörden Niedersachsen als Schlupfloch bezeichnen und unterstellten, Niedersachsen genehmige Transporte, bei denen keine rechtskonforme Durchführung sichergestellt werden kann.

Niedersachsen gehört bei Tier-Exporten zu den Spitzenreitern

Niedersachsen und Brandenburg sind Spitzenreiter beim Export lebender Tiere in Länder außerhalb Europas. Rund 22 000 Kälber werden jährlich aus Niedersachsen exportiert, aus Brandenburg sind es rund 40 000. Andere Bundesländer untersagen solche Exporte teils bereits oder erlassen besondere Auflagen.

Exportzahlen 2019

Land:Niedersachsen
Rinderbestand: 2.489.126
aus Niedersachsen exportierte weibliche Rinder:48.643
aus Niedersachsen exportierte Bullen:308

Quelle: Tierproduktion in Niedersachsen (Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)

Deshalb hat die Albert Schweitzer Stiftung die beiden Länder mittels einer Petition dazu aufgefordert, die Transporte in Tierschutz-Hochrisikoländer zu beenden.

Beide Bundesländer haben auf den breiten öffentlichen Druck hin ein vorläufiges Transportverbot in Drittländer erlassen. „Damit sich langfristig etwas ändert, braucht es bundeseinheitliche Regeln und ein EU-weites Verbot der grausamen Tiertransporte. Deutschland hat eine Vorbildrolle in der EU und muss diese auch nutzen“, heißt es seitens der Stiftung. (Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Ulrich Perrey/ dpa

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