Tierheime kämpfen mit Kapazitätsengpässen

+
Nur wenig Platz: Die meisten Tierheim in Niedersachsen sind überfüllt

Hannover - Ausgesetzte Tiere, wenige freie Plätze und sorglose Tierbesitzer - das sind die Probleme, mit denen viele niedersächsische Tierheime momentan zu kämpfen haben. Tierschutzbund und Heime warnen vor Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Tiere.

Zahlreiche Tierheime in Niedersachsen und Bremen sind an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Sie haben oftmals nur noch wenige oder gar keine freie Plätze für neue Tiere, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Vor allem bei den Katzen haben viele Heime große Probleme, alle Tiere unterzubringen. „Die Tierheime sind aus verschiedenen Gründen an ihren Grenzen angelangt“, sagte Vera Steder vom Tierschutzbund Niedersachsen. Zudem hätten die meisten Heime durch steigende Kosten und mehr Tiere auch finanzielle Probleme.

Die Kapazitätsprobleme haben oft schon extreme Ausmaße angenommen. „Wir sind total voll und das wird auch nicht besser. Es geht schon sehr schleppend mit der Vermittlung“, sagte Julia Heims vom Tierheim Osnabrück. Während es in Uelzen, Nienburg und einigen anderen Heimen vor allem Schwierigkeiten damit gibt, alle Katzen unterzubringen, berichtet LeiterinDoris Peterek aus Hannover von Engpässen bei Hunden. Ähnlich sieht es in Hildesheim aus, hier mussten im vergangenen Jahr 200 Tiere mehr aufgenommen werden als in einem durchschnittlichen Jahr. „Das ist wirklich eine ganz heftige Situation momentan“, sagte Tierärztin Anja Beschorner.

Einen großen Rücklauf von Tieren, die zu Weihnachten verschenkt wurden, verzeichnen die meisten Heime jedoch noch nicht. In der Regel gäbe es vor den nächsten Ferien große Rückgabewellen, berichten die Sprecher. „Dann steht meistens der Urlaub vor der Tür und die Leute merken: Der Hund wird größer, der Hund wird komplizierter, wohin damit?“, erklärte die Osnabrücker Pflegerin Julia Heims. Auch Sonja Nagler, die Leiterin des Tierheims Salzgitter, beobachtet dieses Verhalten bei vielen Tierbesitzern. „Irgendwann lässt eben das Interesse nach und das Tier wird lästig und dann wird es abgegeben“, sagte sie.

Neben den Kapazitätsengpässen haben viele Tierheime in der Region auch mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Sprecherin Gaby Schwab vom Bremer Tierschutzverein berichtet von „mörderischen Kosten“, die vor allem durch kranke Tiere entstünden, die nicht vermittelt werden könnten. Fast alle Tierheime im Land haben finanzielle Schwierigkeiten, auch wenn es nirgendwo so schlimm ist, dass der Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Die Vermittlung der aufgenommen Tiere läuft in den Heimen ganz unterschiedlich. Sprecherin Karin Rothe aus Uelzen berichtet, dass die Tiere dort im Durchschnitt zwei bis vier Wochen bleiben, bis sie weitervermittelt werden. Fast alle Heime beobachten, dass junge Tiere und Kleintiere oder kleinere Hunde schneller vermittelt werden können. Ältere oder kranke Tiere blieben hingegen häufig für einige Monate im Heim. „Die meisten Leute wollen Welpen haben, obwohl alte Hunde ja auch Vorteile haben“, sagte Gaby Schwab.

Wer ein Tier bei sich aufnehme, müsse aber wissen, dass ein Tier ein Lebewesen sei, um das man sich kümmern müsse und für das man Zeit haben müsse, meint Julia Heims vom Tierheim Osnabrück. Und Gaby Schwab hat wenig Verständnis für Menschen, die ihre Tiere einfach wieder zurückgeben oder aussetzen. „Ich bin zu 100 Prozent überzeugt davon, dass die Leute das falsch einschätzen. Ein Tier ist nun mal kein Spielzeug,“ sagt sie.

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare