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Tennet nimmt Teil einer neuen 380-kV-Stromleitung in Betrieb

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Von: Andree Wächter

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Netzbetreiber Tennet setzt 105 Kilometer lange Leitung unter Strom. Bis 2024 soll sie 230 Kilometer lang sein und bis Hessen reichen.

Arbeiter verlegen Erdkabel für die neue Stromtrasse Südlink.
So sieht die Verlegung einer Erdkabeltrasse für Gleichstrom aus. Teile der Tennet-Strecke von Wahle bei Braunschweig nach Bad Hersfeld (Hessen) sollen so verlegt werden. © Tennet

Lamspringe – Wie kommt der Windstrom von Nord- nach Süddeutschland? Gerade in der durch den Ukraine-Krieg hervorgerufenen Energiekrise ploppt die Frage immer häufiger auf. Erst kürzlich forderten die Nordländer wie Niedersachsen, dass der Strom in Norden günstiger sein soll als im Süden. Unabhängig davon, die einzige Möglichkeit den Strom von Nord nach Süd zu transportieren sind Stromleitungen. Am Donnerstag (29. September) nahm der Netzbetreiber Tennet ein Teilstück in Betrieb. Tennet plant und baut ein weiteres Großprojekt: der Suedlink.

Mitarbeiter Tennet2097 (2020)
Gründung2009
Umsatz (2020)21,2 Milliarden Euro
BrancheÜbertragungsnetzbetreiber

Stromleitung in Südniedersachsen: Versorgungssicherheit für die Region

Konkret handelt es sich um die erste Hälfte einer neuen Stromleitung in Südniedersachsen. Künftig fließt auf einer 105 Kilometer langen Strecke zwischen Wahle bei Braunschweig und Hardegsen bei Göttingen Strom unter Höchstspannung. Das trage maßgeblich zur Versorgungssicherheit der Region bei, teilte der Netzbetreiber Tennet mit. Neben Südniedersachsen soll auch Nordhessen von der Verbindung profitieren.

Nach vollständiger Fertigstellung soll die größtenteils oberirdisch verlaufende 380-Kilovolt-Leitung (kV) bis nach Mecklar in der Nähe von Bad Hersfeld (Hessen) reichen. Sie soll auf 230 Kilometern Länge Windstrom von Nord- nach Süddeutschland transportieren. Bisher wurden 237 Strommasten in Niedersachsen aufgebaut.

Netzbetreiber Tennet plant das Bauprojekt bereits seit mehreren Jahren. Anfang 2020 wurden die letzten Genehmigungen erteilt. Die Arbeiten sollen bis Ende 2024 abgeschlossen sein. Es zählt laut Tennet zu den wichtigsten Projekten des Unternehmens.

Die Trasse ist den Angaben zufolge eines von vier Pilotprojekten, bei denen Wechselstromkabel unter der Erde verlegt werden. Für den Bau der wenigen unterirdischen Abschnitte setzt Tennet ein neues System ein: Testweise werden Rohre mit einer Art Pflug im Boden verlegt, durch die später die Stromkabel gezogen werden. Bisher werden Erdkabel vorrangig in sogenannter offener Grabenbauweise verlegt, bei der ein breiter Graben ausgehoben wird.

Stromleitung von Tennet führt durch vermutete ehemalige Steinzeitsiedlungen

Das Bauprojekt hat auch eine archäologische Bedeutung. An einigen Stellen führt die Trasse durch dort vermutete ehemalige Steinzeitsiedlungen. Allein in Landkreis und Stadt Göttingen gebe es sieben mögliche Orte, hieß es. Bei archäologischen Grabungen in diesem Zusammenhang fanden Forscher im Mai in der Nähe von Göttingen Überreste einer Siedlung aus der Jungsteinzeit.

Laut der Tennet-Homepage ist der Suedlink das „größte Infrastrukturvorhaben der Energiewende in Deutschland“. Es hat eine Länge von rund 700 Kilometern und vier Gigawatt Übertragungskapazität. Start ist in Brunsbüttel und das Ziel ist Bergrheinfeld in Baden-Württemberg.

Doch gegen das Vorhaben gibt es viele Bedenken. Ein Blick auf Kreiszeitung.de mit dem Suchbegriff „suedlink hoya“ listet Artikel auf, die 2015 online gestellt wurden. Dort heißt es dann „Angst vor Krebs und Wertverlust der Häuser“ oder „Bücker kämpfen gegen Suedlink-Trasse“. Neben dem Landkreis Nienburg sind noch der Heidekreis und Landkreis Rotenburg betroffen. Auch dort gab es viele Widerstände.

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