Volksverhetzung?

Teenager baut KZ-Lager aus Lego: Verfassungsschutz ermittelt wegen Volksverhetzung

Ein Teenager aus Hamburg soll ein Konzentrationslager aus Lego nachgebaut haben. Nun wurde die elterlich Wohnung in Bergedorf durchsucht.

Hamburg – Der Staatsschutz der Hamburger Polizei durchsuchte am Dienstag, dem 13. Juli, die elterliche Wohnung eines 15-Jährigen aus Hamburg-Bergedorf. Medienberichten zufolge soll der Teenager Bilder und Kommentare mit rechtsextremistischen Inhalten in den sozialen Netzwerken verbreitet haben. Aus Legosteinen soll der Jugendliche das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau nachgebaut und anschließend veröffentlicht haben. Nun ermittelt das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) wegen Volksverhetzung.

Stadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Jugendlicher baut Konzentrationslager von Auschwitz aus Lego nach

In dem Vernichtungslager fielen zwischen 1940 und 1945 über eine Million Menschen der Brutalität der Nazis zum Opfer. Wie die vor zwei Jahren gegründete Einheit des Landesamtes für Verfassungsschutz vermeldete, soll ein 15-Jähriger aus virtuellen Legosteinen Teile des Auschwitz-Konzentrationslagers, das am 27. Februar 1945 befreit wurde*, am Computer nachgebaut und veröffentlicht haben.

„Die Person und ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken ist unserer Spezial-Interneteinheit Rechtsextremismus ins Netz gegangen“, sagte Verfassungsschutz-Sprecher Marco Haase. Die elterliche Wohnungsdurchsuchung sollte den Verdacht der besorgniserregenden Aktivitäten des Jugendlichen bestärken. So fanden die Ermittler Beweismaterial und sicherten unter anderem Datenträger.

Aufgrund von „Persönlichkeitsschutzrechten“ äußerte sich die Hamburger Staatsanwaltschaft aktuell noch nicht zu dem Fall. So wird der Hamburger erst seit seinem 14. Lebensjahr rechtlich als bedingt strafmündig eingestuft.

Ein Jugendlicher aus Hamburg soll das Konzentrationslager von Auschwitz aus Lego nachgebaut und anschließend in den sozialen Medien verbreitet haben.

KZ-Lager aus Lego: Verfassungsschutz hegt Verdacht auf schwere Straftat

Dass die Behörden des Verfassungsschutzes und der Polizei in einem Fall derart kooperieren, ist ungewöhnlich. Offiziell unterliegen die Einheiten dem sogenannten „Trennungsgebot“. Nur wenn der Verfassungsschutz, der in Berlin Corona-Protestbewegung als neue Form des Extremismus ins Visier nahm, Hinweise auf eine schwere Straftat findet, darf die Behörde die Informationen an die Polizei weiterleiten.

Den Verdacht, dass der Fall des 15-jährigen Bergedorfers als eben solche zu bewerten ist, hegte das Landesamt für Verfassungsschutz direkt unmittelbar nach Sichtung des Social-Media-Beitrags. In Form eines „Behördenzeugnisses“ übermittelten sie die Informationen der Polizei.

Soziale Medien als Rückzugsort: Radikalisierung schreitet im Internet besorgniserregend voran

Inwiefern das Internet die Radikalisierung beschleunigen kann, zeigten in den letzten zwei Jahren erst die Anschläge in Hanau und Halle. Im Zuge der erschütternden Ereignisse realisierte der Hamburger Senat* einen Ausbau des Verfassungsschutzes zur konsequenteren Aufdeckung von rechtsextremistischen Inhalten.

Alleine in der Hansestadt Hamburg* spürte die Behörde 2020 rund 80 Fälle auf, die sie als Verdachtsfälle der Volksverhetzung einstuften. Laut des Landesamtes für Volksverhetzung sind im vergangenen Jahr insgesamt 380 Anhänger der rechtsextremistischen Szene in Hamburg zuzuordnen. Die Statistik skizziert einen besorgniserregenden Trend. Die Quote der Verdachtsfälle nahm im Vergleich zu 2019 um fast 20 Prozent zu und auch die Zahl der rechtsextremistischen Anhänger stieg um etwa 50 Personen. *24hamburg.de, kreiszeitung.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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