14 Städte wollen alte Kfz-Kennzeichen zurück / Kreise bremsen Vorhaben

Ein Stück Heimat auf dem Nummernschild

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Noch in diesem Jahr könnte es eine Reihe neuer, alter Kennzeichen geben. ·

Hannover - Von Michael Krüger - Kennzeichen-Raten könnte auf deutschen Autobahnen bald noch schwieriger werden: Das Bundesverkehrsministerium will den Weg freimachen für die Rückkehr alter Nummernschilder.

383 verschiedene Kürzel gibt es derzeit, mehr als 300 könnten noch in diesem Jahr hinzukommen. Auch in Niedersachsen wollen ehemalige Kreisstädte ihre alten Buchstaben zurück.

Der Niedersächsische Städtetag warb gestern in Hannover gemeinsam mit betroffenen Kommunen für das Vorhaben. „Das wäre eine wunderbare Möglichkeit, Heimatverbundenheit zu demonstrieren“, sagte Jürgen Tiemann, Beigeordneter des Städtetags. Ein eigenes Kennzeichen sei für das Stadtmarketing ein kostengünstiges und überregional wirksames Instrument, betonten die Bürgermeister aus Norden und Einbeck. Darüber hinaus empfänden viele Bürger ihre alten Nummernschilder als Teil der heimatlichen Identität.

Die alten Kreisstädte und Kommunen, die mit ihren Abkürzungen wieder auf die Nummernschilder zurückkehren könnten, stehen dem Projekt weitgehend positiv gegenüber. Der Heilbronner Professor Ralf Bochert unterstrich, in einer Untersuchung seiner Universität in zwölf niedersächsischen Städten, die von der Wiedereinführung profitieren könnten, hätten 76,4 Prozent der Bürger für eine Rückkehr zum Altkennzeichen votiert.

Das Wirtschaftsministerium steht dem Lokalpatriotismus der Kommunen wohlwollend gegenüber. Bis Ende des Monats sollen die Kreise ein Meinungsbild in Hannover abgeben, im April meldet die Landesregierung die Wünsche an das Bundesverkehrsministerium. Dort könnten dann die alten Kennzeichen in der Fahrzeugzulassungsverordnung wieder freigeschaltet werden. „Wer es haben will, soll es auch bekommen“, sagte gestern ein Sprecher von Verkehrsminister Jörg Bode (FDP). Es gebe allerdings drei Bedingungen, damit das Ministerium zustimmt: Es dürfen keine Kosten entstehen, die Kreise müssen Einvernehmen mit den Kommunen herstellen und die Bürger müssen stets frei wählen können, ob sie altes oder neues Kennzeichen haben wollen.

Das Einvernehmen stellt sich derzeit noch als größtes Problem dar: Einige Landkreise wiegeln nämlich bereits ab. Im Kreis Rotenburg („ROW“) ist die Wiedereinführung des Kennzeichens „BRV“ für Bremervörde möglich, die Stadt selbst hat sich im Juni dafür ausgesprochen. Doch Landrat Herrmann Luttmann empfiehlt dem zuständigen Verkehrsausschuss eine Ablehnung des Vorhabens. Unübersichtlichkeit und ein hoher Verwaltungsaufwand rechtfertigten die Wiedereinführung nicht, sagt Luttmann – übrigens ein Rotenburger. Ein ähnliches Problem stellt sich im Kreis Diepholz („DH“) dar, wo die Stadt Syke mit ihrem Wunsch ausgebremst wurde. Ein „SY“ dürfte es nach zwei Entscheidungen in Kreisgremien nicht wieder geben.

Zweite Chance für „SY“?

„Wir hoffen aber noch auf eine weitere Chance, der Kreistag kann den Beschluss wieder kippen“, sagt Horst Meyer, Fachbereichsleiter der Stadt Syke. Dass das „SY“ auch in den Kreisen Nienburg, Oldenburg und Verden, wo es vor den Gebietsreformen in den 70er Jahren ortsweise üblich war, wieder zu sehen sein wird, ist laut Städtetag übrigens ausgeschlossen: Eine Rückkehr alter Kürzel ist nur in den Kreisen möglich, in denen die Stadt heute liegt. Im Harz darf sich also niemand aus Verbundenheit mit der alten Heimat ein „NOR“ für Norden ans Auto haften lassen.

Insgesamt geht es in Niedersachsen um 25 mögliche Kennzeichen in 14 Landkreisen. 14 Städte haben bereits gesteigertes Interesse angemeldet. Eine Besonderheit ist dabei der Heidekreis: Erst im vergangenen Jahr umbenannt, fährt man dort seit August mit dem Kennzeichen „HK“ statt „SFA“. Die Stadt Soltau will nun aber „SOL“ zurück. Und aus Fallingbostel könnte Interesse am alten „FAL“ angemeldet werden. Dem Kreisausschuss geht dieses Durcheinander zu weit: Der Heidekreis spricht sich auch gegen die Wiedereinführung aus. Mit der Umbenennung in Heidekreis solle die „immer noch spürbare Zweiteilung des Kreises überwunden werden“, da liefe eine erneute Unterscheidung den Bemühungen zuwider, so Kreissprecher Andreas Pütz.

Anders als der Städtetag befürchtet der Landkreistag hohe Kosten für die Kreise, die allein durch Gebühren nicht aufgefangen werden könnten. „Wer keine Probleme hat, der schafft sich welche“, sagt Geschäftsführer Hubert Meyer. Er spricht von einem „Schilda-Beschluss“ der Verkehrsminister. Neutral positioniert sich der dritte kommunale Spitzenverband. Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes: „Wer es will, soll es machen. Das kostet dann aber Geld.“

Quelle: kreiszeitung.de

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