Studie zur Weser-Ems-Region:

Hier geht die Post ab

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Die ländliche Idylle trügt: Die Weser-Ems-Region boomt, bestätigen Wirtschaftsforscher. Das Bild ist in Uenzen im Landkreis Diep-holz entstanden.

Oldenburg - Von Burkhard Peters. Wo geht die Post ab? In Schanghai, Istanbul, München, Hamburg oder Berlin? Nicht nur. Meppen, Aurich, Diepholz und Cloppenburg müssen sich mit Blick auf wichtige Wirtschaftsdaten und Standortfaktoren keinesfalls hinter nationalen und internationalen Boomregionen verstecken, ergibt eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).

Das Problem: Die wirtschaftliche Dynamik der Weser-Ems-Region hat sich noch nicht herumgesprochen.

„Kleiner Raum, große Stärke“: So bringt Achim Kassow, Vorstandsvorsitzender der Oldenburgischen Landesbank (OLB), das Ergebnis der Studie auf den Punkt. Die OLB gab die Untersuchung bei der Bremer Niederlassung des HWWI in Auftrag.

Stellen die OLB-Studie vor: Dr. Achim Kassow (li.) und Prof Dr. Thomas Straubhaar.

Die Forscher haben den früheren Regierungsbezirk Weser-Ems, das Bundesland Bremen und den Landkreis Diepholz unter die Lupe genommen. Ein wichtiges Resultat: Während die Bevölkerungszahl im Bundesschnitt in den vergangenen zwölf Jahren stagniert, legt sie zwischen Küste und Teutoburger Wald, zwischen Ems und Weser zu; der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Bevölkerung liegt ebenfalls über dem Bundesschnitt, sagte der HWWI-Direktor Thomas Straubhaar.

Der prominente Wirtschaftswissenschaftler lobt den Lerneifer der Jugendlichen in der Weser-Ems-Region: Der Anteil der Schulabbrecher ist unterdurchschnittlich, dafür bringen die Schulen besonders viele Abgänger mit Realschulabschluss und Abitur hervor. Die Bildungslandschaft im Nordwesten mit ihren Fachhochschulen und Universitäten ist attraktiv, bescheinigt der Ökonom.

Nur: Die Hochqualifizierten zieht es nach dem Studium in die Ferne, Akademiker aus anderen Region meiden die Region, benennt Straubhaar eine Schwäche des Weser-Ems-Raums. Der Anteil der Arbeitnehmer mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss sei geringer als in anderen Regionen. „Wir müssen Akademiker, die bei uns ihre Wurzeln haben, wieder in die Region locken“, sagt OLB-Chef Kassow und wirbt für die „hohe Lebensqualität“.

Die Wirtschaft wächst im Großraum Bremen-Oldenburg-Osnabrück stärker als im Bundesschnitt, vor allem der Mittelstand entwickelt sich dynamisch. Die Wertschöpfung verteilt sich auf viele Betriebe und Branchen, erläutert Straubhaar. Das bedeutet wirtschaftliche Stabilität. Hustet ein Großunternehmen oder ein Wirtschaftszweig, krankt nicht gleich die ganze

Region.

Globale Veränderungen erreichen früher oder später auch das letzte Dorf, macht der Ökonom klar. Die Weser-Ems-Region braucht die Herausforderungen der Zukunft keineswegs zu fürchten, im Gegenteil. Die Weltbevölkerung wachse und braucht Nahrung – die liefert der agrarstarke Nordwesten. Wobei Straubhaar nicht nur an den Export von Nahrungsmitteln denkt, sondern auch daran, Knowhow etwa bei der Tierzucht oder bei der Wasseraufbereitung weltweit zu vermarkten. In diesen Bereichen sind Mittelständler aus dem Nordwesten bereits Weltmarktführer, unterstreicht OLB-Chef Kassow.

Als weitere Trumpfkarte gilt die Erfahrung mit erneuerbaren Energien. Trotz manch aktueller Probleme und Turbulenzen entwickele sich die technische Kompetenz in Sachen Windkraft oder Solartechnik zu einem weltweiten Exportschlager, glaubt Kassow.

Die Region dürfe sich nicht auf den Erfolgen ausruhen, sondern müsse sich weiterentwickeln, mahnt der Banker. Einen Schlüssel sieht er in der Kommunikationstechnologie. Derzeit seien nur 17 Prozent des Weser-Ems-Gebietes mit schnellem Internet versorgt – ein echter Nachteil im globalen Wettbewerb.

Bleibt die Frage, wie das Weser-Ems-Gebiet all seine Stärken und Potenziale dem Rest der Welt bekannt machen und griffig vermarkten soll. Schnelle Antworten fallen weder OLB-Chef Kassow noch Wirtschaftsforscher Straubhaar ein.

Quelle: kreiszeitung.de

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