Studie weist Mikroplastik im Auslauf von Kläranlagen nach

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Zwei Mitarbeiter der Kläranlage des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV) in Oldenburg (Niedersachsen) bauen in einem der Klärbecken neue Absaugpumpen ein. Auf der Filtertrommel sind insgesamt 72 textile Filterelemente zur Absorption mit Mikroplastik aus dem Abwasser montiert.

Brake - Plastik ist überall: Flaschen, Tüten, Becher, jede Menge Alltagsgegenstände. Winzige Plastikteilchen werden zum Problem, wenn sie ins Abwasser geraten. Kläranlagen können nur einen Teil herausfiltern.

Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Nur eine teure Schlussfiltration kann die Belastung deutlich reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergab. Mikroplastik besteht aus Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe. Die Partikel stammen aus Kosmetik oder Zahnpasta, Bruchstücke und Fasern entstehen durch Abrieb und Zersetzung von Plastikgegenständen oder Fleecepullovern. Mikroplastik ist ein ökologische Problem, weil es Schadstoffe an sich bindet und in die Nahrungskette gelangt.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass alleine in Kosmetikprodukten jährlich 500 Tonnen Mikroplastik aus Polyethylen in Deutschland verwendet werden.

Für die am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung im Auftrag des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden Proben aus dem Ablauf von zwölf Kläranlagen entnommen. Die Belastung bei Partikeln reichte von 86 pro Kubikmeter bis zu 714 je Kubikmeter und bei Fasern von 98 bis 1479 pro Kubikmeter.

Einzig die Kläranlage Oldenburg verfügt über eine Schlussfiltration, genauer gesagt: Tuchfilter. Diese reduzierten die Gesamtfracht von Mikroplastikpartikeln und -fasern um 97 Prozent. Bei einer Kläranlage fielen die Werte mit mehr als 13 000 Partikeln je Kubikmeter völlig aus dem Rahmen. Hier sei eine weitere Untersuchung nötig, sagte der Mikrobiologe des AWI, Gunnar Gerdts.

Je nach Anlagengröße gelangen pro Jahr zwischen 93 Millionen und 8,2 Milliarden Partikeln in die Vorfluter und damit in die Flüsse. Auch im Klärschlamm wurden große Mengen Mikroplastik gefunden. Je Kilogramm Trockenmasse waren es zwischen gut 1000 und mehr als 24 000 Teilchen. Für jede Kläranlage ergibt das hochgerechnet Werte zwischen 1,2 und 5,7 Milliarden Partikeln. Wenn Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird, gelangen die Teilchen abermals in die Umwelt.

Die Studie ist nach Gerdts Angaben einmalig, weil Mikroplastik erstmals nicht nur optisch erfasst wurde. Mit Spektroskopieverfahren konnten verschiedene Kunststoffe wie Polyamid, Polyethylen oder Polystyrol identifiziert und von natürlichen Materialien abgegrenzt werden. Eine ähnliche Studie zur Rückhaltefähigkeit von Kläranlagen gab es bisher aus dem russischen St. Petersburg.

Gerdts regte an, auch in Flüssen nach Mikroplastik zu suchen. Mikroplastik sei auch im Meeressediment und -wasser nachgewiesen worden - „allerdings in geringen Mengen“. Welche Auswirkungen dies auf Lebewesen habe, sei noch weitgehend unerforscht. Nach einer Studie der englischen University of Exeter lösen aufgenommene Hart-PVC-Teilchen Entzündungsreaktionen bei Wattwürmern aus.

Laut einer noch unveröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion sind mehr als 250 marine Arten bekannt, die Plastik mit der Nahrung aufnehmen. Umweltbelastungen durch in Kosmetikprodukten verwendete Mikrokunststoffpartikel können nach Einschätzung der Bundesregierung nicht ausgeschlossen werden: „Dem Vorsorgeprinzip folgend wirkt sie daher unter anderem in einem Dialog mit der Kosmetikindustrie auf einen freiwilligen Ausstieg aus der Nutzung von Mikrokunststoffpartikeln in Kosmetikprodukten hin.“

OOWV-Bereichsleiter Andreas Körner verwies auf den Erfolg der Schlussfiltration im Oldenburger Klärwerk, forderte aber: „Der Eintrag von Mikropartikeln muss viel früher, schon bei der Herstellung von Produkten, vermieden werden.“ Ähnliche Forderungen erheben Umweltschutzverbände wie Greenpeace oder der BUND.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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