Staatsanwalt fordert Höchststrafe

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Einige Geheimnisse des „Maskenmanns“ sind aufgedeckt. Allerdings bleibt auch zum Ende des Prozesses Ungewissheit: Was verbirgt sich zum Beispiel noch auf dem Computer des dreifachen Kindermörders? Weitere Taten? Mitwisser? Bislang konnten Computerexperten das Geheimnis nicht lüften.

Stade - Von Michael Krüger - Der Staatsanwalt fordert die Höchststrafe. Es gebe keine Entschuldigungen, nichts, was für den Angeklagten spreche, nicht einmal Worte, um die grausamen Taten zu beschreiben. Der „Maskenmann“ soll lebenslang ins Gefängnis.

Drei heimtückische Morde an kleinen Jungen, mindestens zwölf Missbräuche: Für Martin N. sei auch eine anschließende Sicherungsverwahrung anzuordnen, sagte Staatsanwalt Johannes Kiers gestern in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Stade. Und das Gericht müsse die besondere Schwere der Schuld feststellen – mehr gibt das deutsche Rechtssystem für Schwerverbrecher nicht her. Sollten dem gebürtigen Bremer die Gerichte in frühestens 22 Jahren keine positive Sozialprognose ausstellen, müsste der heute 41-Jährige für den Rest seines Lebens hinter Gitter.

Der zehnte Verhandlungstag führte den Prozess gegen den als „Maskenmann“ bekannt gewordenen Kinderschänder auf die Zielgerade. Nach der Anklagebehörde werden noch die Rechtsanwälte der Opfer-Familien sowie die Verteidiger ihre Schlussplädoyers halten, möglicherweise fällt am 27. Februar das Urteil.

Dass N. zwischen 1992 und 2001 Stefan Jahr, Dennis Rostel und Dennis Klein umgebracht sowie vermutlich bis zu 50 weitere Jungen missbraucht hat, ist dabei allen Seiten klar. Selbst seine Verteidiger bestreiten dies nicht. Nach der Festnahme im April hat N. ein umfangreiches Geständnis abgelegt, im Laufe des Prozesses sagten zahlreiche Missbrauchsopfer aus. „Es ging ihm darum, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, und dafür mussten die Jungen herhalten“, sagte Staatsanwalt Kiers. Um die Taten zu verdecken, habe er gemordet. Und es sei nicht auszuschließen, dass N. weiter seinen pädophilen Neigungen nachgeht: Das Gutachten des Psychologen Norbert Nedopil deutet auf eine latente Rückfallgefahr hin – wenn auch in geringerem Ausmaß.

Nedopil, der gestern im Schwurgerichtssaal noch einmal ausführlich Stellung bezog, spricht von einer Tag- und Nachtseite des Täters. Zwar stehe er zu der These, dass N. die Jungen nicht zur sexuellen Befriedigung umgebracht habe, sondern um den Schein seines bürgerlichen Lebens zu wahren, allerdings könnte es „dunkle Seiten“ geben. Was sich noch hinter der „schizoiden Persönlichkeit“ verberge, die sich einerseits liebevoll um Kinder kümmerte, andererseits emotional distanziert als kaltblütiger Mörder agierte, sei nicht zu ergründen. Eine größere Störung, eine seelische Abartigkeit, habe er nicht feststellen können. N. sei voll schuldfähig.

Seine Vorliebe für kleine Jungen werde N. auch bei einer Behandlung nicht los, sagte Nedopil: „Pädophilie ist keine heilbare Krankheit, sondern Schicksal.“ Rund 12000 Pädophile gebe es in Deutschland, sie könnten einzig lernen, mit ihrer Neigung umzugehen und keine Straftaten zu begehen. Das gelte auch für einen Täter wie Martin N.

Doch damit wird sich die Nebenklage nicht zufrieden geben. Gestern wurde erneut deutlich, dass den Angehörigen das Mordmotiv „Verdeckungsabsicht eines geheimen Pädophilen“ nicht weit genug geht. Besonders Ulrich Jahr, Vater des 1992 in Scheeßel (Kreis Rotenburg) getöteten, damals 13-jährigen Stefan, beharrt auf sadistischen Neigungen des Täters, wirft N. vor, sich auch an den Leichen vergangen und im Geständnis „Lügen“ zu den Tatverläufen aufgetischt zu haben. Weder Gutachter Nedopil noch Staatsanwalt Kiers wollten sich dieser Meinung jedoch anschließen – zumal es letztlich an der Strafzumessung für den Kindermörder wohl nichts ändern würde.

„Man vermisst Reue und Erklärungen“, warf Kiers N. in seinem Plädoyer vor. Es blieben Unklarheiten. Und die könnten bei der Frage, wie lange der „Maskenmann“ letztlich wirklich in Haft bleiben muss, entscheidend sein. Bis heute haben die Ermittler den PC des Angeklagten nicht geknackt, möglicherweise gibt es in den Dateien Hinweise auf weitere Taten oder Mitwisser. „Was passiert ist, weiß nur der Täter“, so Gutachter Nedopil gestern. Bis der im Prozess schweigsame N. nicht von sich aus zu mehr Klarheit diesbezüglich beitrage, werde auch keine positive Prognose möglich sein – und damit bliebe der Weg in die Freiheit nach einer entsprechenden Verurteilung versperrt.

Quelle: kreiszeitung.de

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