Hilfe für Opfer von häuslicher Gewalt

Gewaltopfer in Niedersachsen bekommen Unterstützung durch eine neue Anlaufstelle. Sie können sich nach einem Übergriff in Beweisambulanzen von Rechtsmedizinern untersuchen lassen, ohne sofort bei der Polizei Anzeige erstatten zu müssen. n Foto: dpa

Hannover - Am Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) startet am 1. Juni das Projekt „Netzwerk ProBeweis“.

Opfer häuslicher Gewalt oder einer Sexualstraftat erhalten dort die Möglichkeit, für eine eventuelle spätere Beweisführung Verletzungen dokumentieren und Spuren sichern zu lassen – ohne unmittelbar nach der Tat eine Strafanzeige erstatten zu müssen.

„Die Opfer sind oftmals so stark traumatisiert, dass sie erst Monate oder Jahre danach Anzeige erstatten können. Je mehr Zeit verstreicht, desto schwieriger wird allerdings die Beweislage. Mit dem Projekt wollen wir den Mädchen und Frauen die Chance geben, wichtige Beweise auch ohne Strafantrag zu sichern“, sagte Sozial- und Frauenministerin Aygül Özkan gestern bei der Vorstellung des Projektes in Hannover. In der Rechtsmedizin der MHH und in der Außenstelle des Instituts in Oldenburg wird es Opferambulanzen ab dem 1. Juni geben, weitere sollen folgen. Das Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration finanziert das Projekt über drei Jahre mit jeweils 270 000 Euro.

Die im Rahmen des Projekts gewonnenen Spuren können, nach Freigabe durch die Betroffenen, in Ermittlungsverfahren eingebracht werden. „Für die Justiz zeichnet sich dadurch eine Möglichkeit ab, die Beweissituation in einer Reihe von Strafverfahren entscheidend zu verbessern, in denen derzeit noch die Situation Aussage gegen Aussage besteht“, lobt Justizminister Bernd Busemann. Kollisionen mit dem Legalitätsprinzip, das das Verfolgen jeder Straftat gebietet, die Behörden bekannt wird, seien nicht zu befürchten. Häusliche Gewalt ist meist keine einmalige Tat. Die Betroffenen werden oft immer wieder Opfer von körperlichen oder sexuellen Übergriffen. Trotzdem ist es für sie schwierig die Gewaltspirale zu durchbrechen. Sie befinden sich nicht selten in einer akuten Belastungssituation, leiden an psychischen und physischen Tatfolgen, schämen sich, machen sich Selbstvorwürfe – und scheuen den Weg zur Polizei. Damit unterbleibt vielfach auch eine sofortige Strafanzeige. „Bisher gibt es in Niedersachsen keine entsprechenden Anlaufstellen für Opfer von Gewaltstraftaten“, erklärt Professor Dr. Michael Klintschar, Leiter des MHH-Instituts für Rechtsmedizin.

Netzwerk ProBeweis, Telefon 0511-532-5533, ProBeweis@mh-hannover.de Oldenburg: 0176-15324572, preiss.ulrich@mh-hannover.de.

Quelle: kreiszeitung.de

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