Landesweite Familienberatung

Sorgentelefon hilft gestressten bäuerlichen Familien

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Ludger Rolfes von der Ländlichen Familienberatung Oesede. Seit 20 Jahren gibt es in Niedersachsen für Landwirts-Familien das Landwirtschaftliche Sorgentelefon.

Georgsmarienhütte - Von Elmar Stephan. Seit 20 Jahren gibt es in Niedersachsen für Landwirts-Familien eine Nummer zum Aussprechen: Im Juli 1993 wurde bei der Katholischen Landvolkshochschule Oesede bei Osnabrück erstmals das Landwirtschaftliche Sorgentelefon freigeschaltet.

Weitere Beratungsstellen gibt es in Rastede und Barendorf, sagt Ludger Rolfes von der Ländlichen Familienberatung Oesede im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Gut 4000 Mal hatten die Berater ein Ohr für die Probleme der bäuerlichen Familie. Sorgen um die Zukunft der Betriebe oder auch innerfamiliäre Konflikte kommen zur Sprache. Inzwischen gibt es auch eine landesweite Familienberatung, um bei Problemen zu helfen.

Frage: Was war der Grund dafür, ein Landwirtschaftliches Sorgentelefon einzurichten?

Antwort: Normale Familienberatungsstellen verstehen oft nicht, was es heißt, einen landwirtschaftlichen Betrieb im Hintergrund zu haben. In vielen Familien steht der Hof absolut im Vordergrund. Alle familiären oder persönlichen Probleme haben zurückzustehen, alles wird dem Betrieb untergeordnet.

Frage: Welche Probleme haben Landwirts-Familien denn?

Antwort: Etwa: Jemand muss investieren, weil er sonst den Hof aufgeben muss, in eine Biogasanlage oder einen Hähnchenstall zum Beispiel. Wenn er investiert, macht er Riesenschulden und weiß nicht, ob er das Geld wieder hereinbekommt. Dazu kommt, dass sich in der Nachbarschaft Bürgerinitiativen organisieren, das soziale Ansehen im Dorf lässt also nach. Wenn man dann noch einen Konflikt mit der Frau oder jemanden anderen in der Familie hat und ein Rückenleiden kommt hinzu, dann fühlen sich viele am Ende.

Frage: Die Anrufe am Sorgentelefon sind anonym. Gehen die Gespräche sehr in die Tiefe?

Antwort: Das Sorgentelefon geht sehr in die Tiefe. Da ruft zum Beispiel eine junge Frau an, weil sie ein Problem mit ihrer Schwiegermutter oder ihrem Mann hat und ahnt gar nicht, dass es um sie selber geht. Dann stellt sich heraus, dass ihr Mann eine sehr enge Bindung an seine Mutter hat und deshalb bei Konflikten nicht zu seiner Frau hält. Das ist wie ein Mobile, das aus dem Gleichgewicht geraten ist, weil jemand Neues in die Familie gekommen ist. In einer gesunden Familie pendelt es sich schnell wieder ein. Wenn nicht, herrscht ein Ungleichgewicht, und das ist eine krankmachende Situation. Oft sind es einfache Alltagsvorschläge, die einem helfen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Etwa mal zusammen spazieren oder essen gehen. Auf die kommt man oft selber nicht oder traut sich nicht.

Frage: Neben dem Sorgentelefon gibt es auch die Familienberatung?

Antwort: Ja, drei Jahre nach dem Sorgentelefon haben wir in Oesede auch die Familienberatung aufgenommen. Seit einem Jahr bietet das auch die Evangelische Kirche in Hannover an. Zwei Berater fahren zu den Höfen. Eine Grundvoraussetzung ist, dass alle unsere Berater auch vom Hof kommen, damit sie die Situation kennen.

Frage: Wie groß ist die Nachfrage nach den Angeboten?

Antwort: In Oesede haben wir in den vergangenen 20 Jahren rund 2000 Gespräche geführt, landesweit waren es mit den Telefonen in Rastede und Barendorf 4000 Gespräche. Bei der Familienberatung haben wir vor kurzem die 500. Familie beraten. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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