2005 abgeschobene Kurdin Salame kehrt zurück nach Niedersachsen

Am Sonntag enden acht Jahre Familien-Tragödie

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Die Kurdin Gazale Salame im Jahr 2008. ·

Niedersachsen - Von Michael Evers undCharlotte MorgenthalHILDESHEIM · Das Schicksal der abgeschobenen Kurdin Gazale Salame galt lange als Beispiel einer inhumanen Flüchtlingspolitik. Die zerrissene Familie wird am Sonntag wieder vereint. Für den Anfang aber sind getrennte Wohnungen vorgesehen. Lassen sich die Wunden der Trennung heilen?

Acht Jahre nach ihrer umstrittenen Abschiebung in die Türkei kehrt die Kurdin Gazale Salame am Wochenende mit zwei ihrer Kinder nach Niedersachsen zurück. Die Abschiebung der Frau hatte bundesweit für Empörung gesorgt und galt Kritikern der niedersächsischen Flüchtlingspolitik jahrelang als mahnendes Beispiel. Nach einem zähen Tauziehen hatte der Landtag im Dezember grünes Licht für eine Rückkehr von Salame gegeben.

Die schwangere Kurdin war 2005 mit ihrer einjährigen Tochter abgeschoben worden, als der Vater die beiden älteren Töchter zur Schule brachte. Die Begründung war, dass ihre Eltern bei der Einreise in Deutschland 17 Jahre zuvor falsche Angaben über ihre Herkunft gemacht hatten. Die Familien der Eheleute waren in den 1980er Jahren vor dem Bürgerkrieg im Libanon geflohen. Die in Hildesheim verbliebene Familie hatte bisher ebenfalls keine gesicherte Aufenthaltserlaubnis. Hätte sie die Mutter in Izmir besucht, hätte sie nicht nach Deutschland zurückkehren können.

In der Nacht zum Sonntag werden die drei nun zurück zum Rest der Familie kehren, der bei Hildesheim lebt. Der niedersächsische Flüchtlingsrat teilte gestern mit, die Kurdin habe vom deutschen Konsulat in Izmir das Visum für die Rückkehr nach Deutschland erhalten. Nach der Landung am Flughafen Hannover ist eine Willkommensfeier am Sonntagnachmittag in Hildesheim geplant.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) wird die Kurdin mit ihren Kindern in der Nacht im Namen der Landesregierung auf dem Flughafen willkommen heißen. Sein als Hardliner kritisierter Vorgänger Uwe Schünemann (CDU) hatte der Familie nach jahrelangen Protesten im vergangenen Sommer neue Chancen für eine Zusammenführung in Aussicht gestellt.

„Das ist super, das ist ganz großartig, dass das geklappt hatte“, reagierte Familienvater Ahmed Siala. „Es war einfach falsch, eine schwangere Frau mit Kind abzuschieben“, sagte er. Die Entscheidung jetzt zeige, „dass die Menschenrechte in diesem Land nicht mit Füßen getreten werden“. In den vergangenen Jahren hatte die Familie mit einem Unterstützerkreis vor deutschen Gerichten, der niedersächsischen Härtefallkommission und Appellen an Politiker erfolglos für ein gemeinsames Leben in Deutschland gekämpft. „Wir wurden so oft enttäuscht“, sagte Siala. Nach den Jahren der Trennung hat der Flüchtlingsrat für die Frau zunächst eine eigene Wohnung angemietet. Ob die beiden wieder zusammenfinden, müsse sich zeigen. „Wir freuen uns sehr und werden Gazale und die Kinder Schams und Gazi auch zu dieser nachtschlafenden Zeit am Flughafen Willkommen heißen“, sagte Flüchtlingsratssprecher Kai Weber. Es sei auch eine einjährige Unterhaltserklärung für die Familie abgegeben worden.

Salame lebte zuletzt mit ihrer heute neunjährigen Tochter und dem sieben Jahre alten Sohn in einem Armenviertel im westtürkischen Izmir. Der Sohn hat seinen Vater und die 13 und 15 Jahre alten Schwestern noch nie gesehen. Siala weiß noch nicht, wie es für sie alle weitergeht. Salame sei enttäuscht von ihm und fühle sich im Stich gelassen. „Wir haben uns versprochen, dass wir uns Zeit geben.“ Es könnte aber auch sein, dass diese Zeit nicht reicht, um die Lücke von acht Jahren zu schließen. „Das ist eigentlich das größte Verbrechen, das man uns angetan hat.“ · dpa/epd

Quelle: kreiszeitung.de

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