Christian Wulff auf Sommerreise

Wulff genießt Bad in der Menge und Blitzlichtgewitter

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So mag es der Politiker Christian Wulff am liebsten: Er steht mitten im Blitzlichtgewitter am Steuer und kann die Richtung vorgeben.

Niedersachsen - So mag es der Politiker Christian Wulff am liebsten: Er steht mitten im Blitzlichtgewitter am Steuer und kann die Richtung vorgeben. Man spürt, dass der CDU-Ministerpräsident am Ruder des einstigen Frachtseglers „Emma“ im Schifffahrtsmuseum Unterweser in Elsfleth in seinem Element ist, sich wohl fühlt. Weit weg scheinen Stress und Gedanken an die Bundespräsidentenwahl.

Hier auf der vielleicht letzten Sommerreise durch „sein“ Niedersachsen will Wulff „nur“ Ministerpräsident und nahe an den Menschen sein.Seit drei Tagen tourt Wulff in einem klimatisierten Reisebus mit überdimensionalem Niedersachsenpferd auf der Seite durch die Lande. 688 Kilometer hat er schon hinter sich, 411 liegen noch vor ihm. Von den dunklen Wolken, die sich über der bundespolitischen Bühne Berlin immer mal wieder zusammenziehen, ist im beschaulichen Elsfleth nichts zu spüren.

Stationen der Sommerreise

Christian Wulff auf Sommerreise

Während sich Wulff und sein Reise-Tross den Weg durch die kleinen Räume des Museums bewegt, findet vor den Türen weitgehend das normale Leben statt. Gegenüber des Eingangs verputzt ein Handwerker die Hausfassade, Senioren sitzen auf Bänken und Touristen machen Fotos von der Idylle an der Weser. Nur hinter dem Gebäude deuten ein Festzelt mit Kinderchor und eine kleine Shanty-Gruppe auf den Besuch des Präsidentschaftskandidaten aus dem fernen Hannover.Nachdem Wulff das Museum durch den Hinterausgang verlassen hat, erwarten ihn inmitten der bis auf die letzte Minute durchgeplanten Reise kurz auch die Sorgen der Menschen. Etwa 30 Mitarbeiter eines örtlichen Modehauses nutzen den besuch des Ministerpräsidenten, um auf ihre Zukunftsängste und drohende Arbeitslosigkeit hinzuweisen.Ohne eine Erweiterung der Geschäftsfläche seien 45 Arbeitsplätze in Gefahr, sagen die Männer und Frauen und Wulff hört zu. Helfen kann er ihnen zwar nicht, aber er verspricht, dem zuständigen Landrat eine SMSzu senden. „Wir müssen Respekt vor der kommunalen Ebene haben“, sagt der Medien-Profi Wulff. Aber ein Kompromiss sei sicherlich möglich, meint er und nickt zuversichtlich.Viel Zeit zur Sorge bleibt jetzt ohnehin nicht - der nächste Termin wartet schon: Strandbesuch im Nordseebad Horumersiel-Schillig und kurze Rede zu dessen 150-jährigen Jubiläum. Und schon beim Ausstieg aus dem Reisebus wird es wieder eng. Hunderte Strandgäste umringen das Gefährt, hoffen auf freien Blick und Erinnerungsfoto.Für Wulff wird es an diesem Tag das erste Bad in der Menge. Und eines wird schnell klar:Der Landeschef ist beliebt. Männer wollen Autogramme, Frauen in den Arm genommen werden. Wieder ist Wulff ganz in seinem Element. Beantwortet geduldig alle Fragen zur Fußball-WM - für das Englandspiel tippt er auf einen knappen 2:1 Sieg nach Verlängerung, Chancen auf den WM-Titel sieht er dagegen kaum.Neben Fußball, Strandbad-Fest und dem ersten Jahrestag des Weltnaturerbes Niedersächsisches Wattenmeer gibt es auch hier an der Küste nur ein Thema, das die Menschen interessiert: Wie fühlt sich Christian Wulff vor der Präsidentenwahl? „Die Aufregung steigt“, gibt Wulff zu. Durch die Medien verspüre er zudem einen „zusätzlichen Druck“, glücklicherweise sei das Warten in einer Woche vorbei.Für den Fall seiner Wahl würde er Niedersachsen zwar vermissen, in Berlin gebe es aber „bei neuer Funktion neue Aufgaben, neue Ideen und neue Anregungen“. Außerdem wisse er das Land in guten Händen. „Das Haus ist gut bestellt“, erklärt er immer wieder. Umgekehrt wäre es bei allem Wehmut aber auch ein gutes Gefühl, wenn er von Menschen höre, dass sie ihn auch vermissen würden. „Das Gegenteil wäre eine schlichte Katastrophe“, betont Wulff. Im übrigen bleibe er dem Land ja erhalten. „Manche haben den Eindruck, sie würden einen Bundespräsidenten nie wieder sehen, das ist ja nicht der Fall.“

Quelle: kreiszeitung.de

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