Hameed Hamza kümmert sich seit 35 Jahren um die Tiere im Serengeti-Park Hodenhagen

Gestrandet in deutscher Wildnis

Hameed Hamza und Giraffen-Zuchtbulle „Werner“: Begegnung in Hodenhagen.

Niedersachsen - HODENHAGEN (mk) Angst haben sie alle vor Hameed Hamza. Die Tiger gucken skeptisch, die Bisonherde flüchtet in einer großen Staubwolke, und die sonst rotzfrechen Paviane stürmen mit lautem Gekreische so weit weg, wie es eben geht. Doch gefährdet ist gerade niemand. Denn Tierinspektor Hamza hat heute keine Spritzen für Impfungen oder ähnlich Unangenehmes dabei. Er dreht nur eine von seinen täglich dutzenden Kontrollrunden durch den Serengeti-Park Hodenhagen.

Aus seiner Sicht: Alles in Ordnung. Elf Kilometer lang ist die Fahrt durch Hamzas Wohnzimmer, in dem er sich auskennt wie niemand anderes. 35 Jahre alt ist der Tierpark in diesem Jahr geworden, seit 35 Jahren kümmert sich der heute 56-Jährige ums Wohlergehen seiner Bewohner. „Ich lebe hier meinen Traum“, sagt er.

Dabei endete die Fahrt für Hamza zunächst deutlich weiter südlich: in Österreich. 1972 strandete er dort mit einem Freund in einem VW Bus. Tausende Kilometer fern der Heimat Sri Lanka, eigentlich sollte es weiter bis in die USA gehen. Doch das Geld war knapp und das Münchener Oktoberfest nah.

Also blieben die beiden Weltenbummler aus Fernost, zunächst ein paar Tage, dann für immer. Hamza fand eine Annonce in einer englischen Zeitung, dass Tierpfleger gesucht werden – der Beginn seiner Zusammenarbeit mit Paolo Sepe und den damaligen amerikanischen Investoren für das Tierpark-Projekt. Nur wenig später fand er auch Regina. Die Liebe zu den Tieren verband sie bei der Arbeit, bis heute zudem die Ehe ganz privat.

Hamza kümmerte sich in den Anfangstagen vor allem um die acht Elefanten. „Wir hatten zu Hause in Sri Lanka einen Arbeitselefanten“, erzählt er bei der Kontrollfahrt durch die vier Erlebniswelten des Parks. Also lag es nahe, dass sich der junge Mann aus Asien mit den Indischen Elefanten beschäftigt. „Vor morgens bis abends spazieren gehen“, bedeutete das. Denn Zäune gab es damals noch nicht für die Herde der Dickhäuter.

Pfleger und Elefanten wanderten stattdessen stundenlang durch den Wald. „Langweilig“, stöhnt Hamza noch heute. Abwechslung gab es nur, wenn mal wieder ein Bewohner abgehauen war: Affen auf dem Rathausdach, ein Nashorn im Vorgarten oder ein Strauß auf der Autobahn – in den Anfangsjahren mussten die Menschen rund um den Park noch mit so mancher Überraschung rechnen. Wenn es heute trotz der ausgeklügelten Sicherheitskonzepte doch noch mal jemand nach draußen schafft, ist das schon eine Sensation: Wie im vergangenen Frühjahr, als Känguru „Toto“ drei Wochen lang durch die Gegend um Hodenhagen und die Schlagzeilen der Nation hüpfte.

Mit den Jahren ist Hamza immer mehr in die Rolle des Wächters über alle Tiere geschlüpft. „Er hat mir alles, was man über Tiere wissen muss, beigebracht“, sagt Parkleiter Fabrizio Sepe heute. Für Vater Paolo hat sich Hamza nämlich nicht nur um die Tiere, sondern auch um den Nachwuchs der Chefetage gekümmert.

Tierbaby-Boom im Tierpark

Tierbaby-Boom im Serengeti-Park in Hodenhagen

Viele Tiere im Park hat Hamza bereits überlebt („Das ist das Leben“), einige – wie die Elefanten – begleiten ihn seit Beginn an. So auch Nashorn „Charly“, mittlerweile 48 Jahre alt, fast blind und Erzeuger von 45 Nashorn-Babys. Schon dafür zollt der dreifache Vater Hamza ihm Respekt, doch seit dem Sommer 1976 weiß er auch um die Gefahr der wilden Tiere: „Er hat mich damals drei Meter durch die Luft geschleudert.“ Es sei sein Fehler gewesen, eine Unachtsamkeit beim Reinigen des Stalls, aber seitdem wisse er, dass jedem Tier Respekt entgegengebracht werden muss. „Nur Angst darf man nicht haben. Das spüren sie“, sagt er. Dass die Tiere allerdings selbst mächtig Respekt haben vor dem Tierinspektor mit den pieksenden Impfungen, nimmt er mit einem Lächeln zur Kenntnis. Wie sie ihn in dem Safari-Auto, das jeder Wächter fährt, erkennen, ist ihm heute noch ein Rätsel.

Die Liebe zu den Tieren ruht bei Hamza nur selten. Hin und wieder fliege er zurück nach Sri Lanka, um mit alten Freunden alte Geschichten aufzuwärmen. Dann gebe es keinen Funk, kein Telefon, keine Arbeit. Der Rest des Lebens spielt sich für ihn inmitten der Tierwelt ab – auch daheim. Känguru, Affe, Schildkröten und allerlei übliche Haustiere sowie gelegentlich Baby-Gäste wie Tiger oder gar Hyänen wohnen bei ihm und Frau Regina. Und wenn er sich entscheiden müsste, wer seine Lieblinge sind? Hamza überlegt kurz, lächelt dann: „Früher die Frau, jetzt die Elefanten.“

Menschen in blechernen Kisten

Der Serengeti-Park ist zwischen März und Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

www.serengeti-park.de

1974 wurde mitten in der Lüneburger Heide ein einzigartiges Konzept durch Paolo Sepe und seine Familie umgesetzt: exotische Tiere auf einem riesigen Freigelände kombiniert mit einer Vergnügungswelt inklusive Fahrgeschäften. Der Serengeti-Park Hodenhagen entstand als einer von sieben Safari-Parks einer amerikanischen Gesellschaft weltweit, heute existieren neben dem Park in Hodenhagen noch vier davon in den Niederlanden, Großbritannien, USA und Kanada. Beratend zur Seite stand dem Park in der Gründerzeit der Fernseh-Zoologe Bernhard Grzimek. 2004 erhielt der Park die unbefristete EU-Genehmigung als Zoologischer Garten. Rund 30 Millionen Besucher besuchten in den vergangenen 35 Jahren den Park, der heute auf einer Fläche von 200 Hektar rund 1 500 Tiere aus 100 Arten vereint. Der Park kann in Teilbereichen zu Fuß, in anderen mit dem eigenen Auto wie auch mit Bussen und Jeeps durchquert werden – was eine besondere Perspektive auf die Tiere ermöglicht. Es gibt vier Bereiche: das Tierland, das Wasserland, das Affenland und das Freizeitland. Zudem sind Übernachtungen in Lodges möglich.

Quelle: kreiszeitung.de

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