DLRG warnt vor dramatischer Lage

Corona: Schwimmen in Krisenzeiten – wer geht noch baden?

  • Bjarne Kommnick
    VonBjarne Kommnick
    schließen

Die DLRG kämpft gegen ein möglicherweise gravierendes Problem: Haben wir durch Corona bald eine Nichtschwimmer-Generation? Pandemie verhindert Schwimm-Ausbildung.

Hannover – Angesichts fehlenden Schwimmunterrichts für Tausende Schüler ruft die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) die niedersächsische Landesregierung zum Handeln auf. In der Corona-Pandemie hätten seit März 2020 keine Schwimmkurse mehr angeboten werden können, sagte der Präsident des DLRG-Landesverbandes Niedersachsen, Oliver Liersch. Zwei Jahrgänge, rund 150.000 Kinder, hätten so durch den Ausfall bislang nicht Schwimmen gelernt. Auch Schwimm- und Freibäder befinden sich weiterhin im Lockdown.

OrganisationDLRG Landesverband Niedersachsen
Mitglieder92.000
Bezirke18
Ortsgruppen268

„Die Lage ist dramatisch“, so Liersch. Dem Bericht zufolge wandte sich der Verbandspräsident in einem Schreiben unter anderem an Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD). Um Kinder ohne Schwimmunterricht nachzuschulen, fehle es laut DLRG an Kapazitäten. Die Bäder sollten daher geöffnet werden, um mehr Lehrer dafür auszubilden. Zudem müssten auch Rettungsschwimmer trainieren dürfen. Liersch appellierte demnach an die Landesregierung, „kurzfristig“ die Initiative zu ergreifen.

DLRG über Umgang mit Hilfsorganisationen enttäuscht

Dem Bericht zufolge zeigte sich Oliver Liersch auch enttäuscht über den Umgang des Landes mit Hilfsorganisationen. Da Schwimm- und Erste-Hilfe-Kurse nicht stattfinden konnten, hätten Verbände Mindereinnahmen in Millionenhöhe. Eine Richtlinie des Innenministeriums in Hannover, nach der Hilfsorganisationen Hilfsgelder erhalten sollten, liegt demnach seit Herbst auf Eis.

Mehr als 150.000 Kindern fehle laut DRLG seit Beginn der Coronakrise eine Schwimmausbildung.

In den konkreten Forderungen der DLRG heißt es, dass Schwimmbäder anderen Sportstätten gegenüber in der Öffnungsstrategie nicht nachrangig behandelt werden dürfen. Dies sei nach allen Erkenntnissen auch nach dem Infektionsgeschehen nicht gerechtfertigt. Viele Badbetreiber würden gute Hygienekonzepte besitzen.

Laut DLRG gehen vereinzelt bereits einzelne Kommunen und Badbetreiber voran und öffnen, um im Rahmen beruflicher Fortbildung Lehrkräfte auszubilden und um die Rettungsfähigkeit für den zukünftigen Schulschwimmunterricht zu gewährleisten.
Es müsse selbstverständlich sein, dass Rettungsschwimmer trainieren dürfen, um die Einsatzfähigkeit zu erhalten. Doch auch dies sei bislang die Ausnahme.

DLRG: Schwimmausbildung hat höchste Priorität

Das Land müsse Anreize schaffen, die entgegenwirken, dass Kommunen ihre Bäder geschlossen halten. „Sobald eine Öffnung von Bädern allgemein möglich ist, müssen bevorzugt Hallenkapazitäten bereitstehen, um Ausbildungsaktivitäten für Schwimmschüler zu ermöglichen, dies muss gegebenenfalls auch zulasten des sonstigen Wettkampfgeschehens, des Schwimmsports und der privaten Nutzung der Bäder erfolgen“, heißt es auf der Internetseite der DLRG Niedersachsen.

Unter dem Motto „Vorfahrt für Schwimmanfänger“ fordert die DLRG Niedersachsen, die Schwimmausbildung von Schulkindern in der Coronakrise zu sichern.

Zum Schuljahr 2021/2022 fordert die DLRG, dass der Schulschwimmunterricht wieder starten müsse. Das sei nur möglich, wenn bereits jetzt Sportlehrkräfte ausgebildet werden würden. Pro Schuljahrgang würden laut DLRG 75.000 Kinder zu Nichtschwimmern werden. DLRG-Präsident Oliver Liersch fordert die Aufmerksamkeit auf eben diese Kinder zu richten – auf diejenigen, „die nicht laut schreien, die seit über einem Jahr keine Chance haben, schwimmen zu lernen, aber still ertrinken“.

Wann öffnen Freibäder in der Corona-Pandemie?

Auch in der Freizeit ist es vielen Kindern derzeit erschwert, das Schwimmen in der Coronakrise zu lernen. Denn auch die meisten Frei- und Schwimmbäder sind weiterhin im Lockdown, einige Betreiber vermieten derzeit immerhin ihre Becken an einzelne Haushalte, ein coronagerechtes Angebot für die Masse bleibt bisher angesichts des Pandemieverlaufs jedoch aus.

Aufnahmen wie diese aus dem Freibad Ricklinger Bad sind seit Beginn der Coronakrise nicht mehr möglich.

Konkret werden Bäder im Bund-Länder-Beschluss nicht erwähnt. Deshalb sei entscheidend, ob Schwimmbäder als Einrichtungen zur Freizeitgestaltung oder als Sportanlage kategorisiert werden. Im vergangenen Lockdown habe der Gesetzesgeber Schwimmbäder Einrichtungen wie Theater oder Kinos gleichgestellt. Wenn Schwimmbäder jedoch als Sportanlage definiert werden würden, würden Öffnungsschritte wie für andere Sportarten gelten. Dann könnten Schwimmbäder bei einer 7-Tage-Inzidenz von weniger als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bereits wieder öffnen.

Rubriklistenbild: © dpa/Rolf Vennenbernd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare