Tödliche Schüsse auf Räuber - Rentner: „Das habe ich nicht gewollt“

Stade - Der Rentner, der nach einem Überfall auf sein Haus in Sittensen einen 16-jährigen flüchtenden Räuber erschossen hat, ist nach Ansicht eines Gutachters eingeschränkt verhandlungsfähig.

Eine tägliche Verhandlungsdauer von bis zu vier Stunden sei ihm trotz einer posttraumatischen Belastungsstörung zuzumuten, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch in der Hauptverhandlung. Diese soll klären, ob der 80-jährige Angeklagte in Notwehr gehandelt hat. Das Gericht folgte dem Gutachten eines Psychiaters, der den Mann untersucht hatte und lehnte zugleich den Antrag der Verteidigung ab, den Prozess auszusetzen.

Die inzwischen verlesene Anklage legt dem Rentner zur Last, den Jugendlichen im Dezember 2010 erschossen zu haben, als dieser ihn gemeinsam mit drei anderen Männern in seinem Haus im Kreis Rotenburg/Wümme überfallen hat. Als die vier Männer nach Auslösen der Alarmanlage in Panik flüchteten, schoss der Angeklagte ihnen mit einer Pistole mehrfach hinterher. Dabei wurde der 16-Jährige aus Neumünster tödlich verletzt. Die drei Komplizen wurden später zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb Jahren und vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Eine 21 Jahre alte Frau bekam wegen Anstiftung zu der Tat 21 Monate Haft auf Bewährung.

In einer Erklärung, die sein Verteidiger verlas, wandte sich der Angeklagte an die Angehörigen des getöteten Jugendlichen, die als Nebenkläger am Prozess teilnehmen. „Es tut mir sehr leid, dass Sie einen geliebten Menschen verloren haben und ich ursächlich an seinem Tod beteiligt bin. Das habe ich nicht gewollt“, sagte der Rentner. Er hat nach eigenen Worten Todesängste gehabt und sein Ende kommen sehen, weil er fürchtete, dass die Täter nach ihrer Flucht zurückkehren könnten. Darum habe er geschossen.

Während der Verteidiger seine Erklärung vortrug, brach der 80-Jährige in Tränen aus. Die Mutter des getöteten 16-Jährigen begann ebenfalls, zu weinen. Die Verteidigung bestand bis zuletzt darauf, dass der Angeklagte nicht verhandlungsfähig ist. Demgegenüber war das Gericht der Ansicht, dass der Rentner nach seinen Weinkrämpfen in der Lage sei, sich wieder zu beruhigen und zu sammeln. Außerdem werde man ihn mit belastenden Aussagen von Zeugen nicht konfrontieren. Der Prozess wird am 7. Mai mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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