Schätze der Kaukasischen Reiterstämme im Schloss Bevern

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Die bis zu 2500 Jahre alten Exponate werden erstmals in Europa gezeigt.

Holzminden - Schon vor 200 Jahren hatten sich Reisende in den Steppen des Kaukasus und Schwarzmeergebietes über die mächtigen Hügel gewundert. Dann begannen einige zu graben und brachten Gold und Silber ans Tageslicht.

Schätze der geheimnisvollen Reitervölker der Sythen, Sarmaten und Hunnen sind seit Samstag in der Ausstellung „Das silberne Pferd“ in Schloss Bevern (Kreis Holzminden) zu sehen. Viele der rund 400 kostbaren, bis zu 2 500 Jahre alten Exponate werden erstmals in Europa gezeigt, berichtete der Holzmindener Kreisarchäologe Christian Leiber zum Auftakt der Schau. Die Stücke stammen aus internationalen Museen und ehemaligen privaten Sammlungen.

Von den russischen Zaren zum Aufbau des Riesenreiches angeworbene Ingenieure, Geologen, Naturforscher und Ärzte, aber auch Abenteurer und Grabräuber waren die ersten, die von den Grabhügeln - den Kurganen - der Skythen und Sarmaten in der Steppe angezogen wurden. Die gefundenen Schätze aus den aus Grassoden aufgeschichteten Gräbern waren häufig aus massiven Edelmetallen. Die Reisenden brachten sie als Souvenirs mit nach Hause. Einige schmücken heute die wichtigsten Museen der Welt. Bis heute spüren Archäologen diesen versunkenen Kulturen aus der Zeit zwischen dem 12. und 4. Jahrhundert vor Chr. in den weitgehend noch unerforschten Gebieten im Süden Russlands nach. „In einigen der gezeigten Tagebüchern der Reisenden kann man nachlesen, was sie bei diesen waghalsigen Forschungsexpeditionen erlebten und wie sie litten“, sagte Leiber.

Erst aus den reichen Grabbeigaben lassen sich Rückschlüsse auf Lebensweise und Gebräuche der kaukasischen Nomadenvölker ziehen, die Herodot im 5. Jahrhundert vor Christus als „unüberwindbar“ bewunderte. Sie führten ihre Häuser mit sich. Die Bogenschützen würden blitzschnell und treffsicher vom Pferd schießen, und in ihren großen runden bis 20 Meter hohen unübersehbar aus der Landschaft herausragenden Fürstengräbern lägen nicht nur Schätze, sondern auch getötete Menschen und Tiere, berichtete er als einer der ersten Historiker der Weltgeschichte. Die Hirtenvölker haben nichts aufgeschrieben.

Vor allem die Kunstfertigkeit der Handwerker und ihr Wissen über die Verarbeitung der Edelmetalle lädt auf der Schau zum Staunen ein. Sie sind den klassischen europäischen Gold- und Silberschmiedearbeiten in ihrer feinen plastischen Ausarbeitung und Verzierung durchaus ebenbürtig, meint Leiber. Vor allem die zahlreichen Pferdedarstellungen zeigten die enge Bindung dieser Völker an ihre Tiere als Statussymbol und Wegbegleiter.

Einige Quellen sprechen davon, dass das Volk der Sarmaten die Skythen um die Zeitwende vom 4. zum 3. vorchristlichen Jahrhundert von Osten kommend bis ans Schwarze Meer verdrängt haben. Eine Reihe von Festungsanlagen weisen jedoch darauf hin, dass sie gemeinsam gegen neue anstürmende Völker, vermutlich der Hunnen, gekämpft haben. Auf der bis zum 24. Oktober geöffneten Ausstellung sind Plastiken, Waffen, Schmuck und auch viele Dinge ihres täglichen Lebens zu sehen. Zu den bisherigen Ausstellungen über die Balten, Ostgoten und Vandalen kamen in den vergangenen Jahren rund 90 000 Besucher in das Weserschloss.

Quelle: kreiszeitung.de

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