Samuel Koch trifft Schüler

„Mir geht's ganz gut. Und selber?“

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Samuel Koch (M) engagiert sich gegen Ausgrenzung.

Hannover - Von Christina Sticht. Damit Inklusion gelingt, muss sich in Deutschland noch einiges ändern, findet Samuel Koch. Deshalb engagiert sich der 26-Jährige, der nach seinem Unfall bei „Wetten, dass...?“ im Rollstuhl sitzt, für einen Filmwettbewerb gegen Ausgrenzung.

Seit dem Tag, der sein Leben für immer verändert hat, ist Samuel Koch ein Prominenter. Im Dezember 2010 stürzte der Student vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern als „Wetten, dass...?“-Kandidat so schwer, dass er querschnittsgelähmt blieb. Wie er ins Leben zurückfand, erzählt er in seinem Anfang 2012 erschienenen Buch „Zwei Leben“. Derzeit studiert der 26-Jährige in Hannover Schauspiel, dreht Filme für die Hochschule und ist auf Lesereise. „Ich versuche so zu leben, dass die Behinderung mich nicht beherrscht, sondern ich sie beherrsche“, sagt Samuel Koch am Montag in der hannoverschen Humboldtschule.

Der junge Mann steuert seinen Elektrorollstuhl mit der Hand und tippt auf einem Smartphone, das auf der Armlehne befestigt ist. Ein Wasserglas kann er nicht selbst zum Mund führen. Koch wirbt als Schirmherr für den niedersächsischen Schüler-Kurzfilmwettbewerb mit dem Motto „Ganz schön anders. Für Inklusion gegen Ausgrenzung“. Das Thema liege ihm am Herzen, betont der frühere Leistungsturner. „Ich merke im Alltag, wie man an Barrieren stößt, auch an Barrieren in den Köpfen der Menschen.“

So habe er schon ältere Damen erlebt, die sich zu ihm runterbeugten, ihn in die Wange kniffen und bedauerten. Manche Menschen sprechen langsam mit ihm. „Es gibt Leute, die von einer körperlichen Behinderung ganz schnell auf eine geistige Behinderung schließen.“ Als eine Journalistin fragt: „Wie geht es Ihnen?“, folgt Kochs Antwort prompt: „Mir geht's ganz gut. Und selber?“

Mit den Schülern einer zehnten Klasse, die am Filmwettbewerb teilnehmen, findet der Schauspielstudent schnell eine gemeinsame Ebene. Die Jugendlichen sind fast alle Leistungssportler. In ihrem Sportinternat sind auch Schüler mit Handicap, darunter eine Weltmeisterin im Rollstuhlbasketball. „Wir wollen zeigen, dass die behinderten Internatler ihren Alltag gut meistern und Spaß haben“, erklärt Joshua. Samuel Koch erzählt vom Rollstuhl-Rugby, das sei auch ein tolles Filmthema. „Es sollte weniger Poker und Billard und mehr Rollstuhl-Rugby im Fernsehen geben.“

Noch bis Ende des Jahres können niedersächsische Schüler aus 9. und 10. Klassen einen Kurzfilm zum Thema Anderssein einreichen. Dabei geht es nicht nur um Handicaps, sondern auch um unterschiedliche Kulturen oder sexuelle Orientierung. „Für mich ist Inklusion erreicht, wenn sie kein Thema mehr ist“, sagt Samuel Koch. „Was dem Leben die Würze gibt, sind besondere, andere Dinge. Das macht das Leben spannend.“ dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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