„Der Wolf kann schon morgen kommen“

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Experten rechnen damit, dass schon in naher Zukunft Wölfe in den Harz zurückkehren.

St. Andreasberg - Die Luchse im Harz werden nach Ansicht von Nationalpark-Experten schon bald Konkurrenz durch ein zweites großes Raubtier erhalten.

Er gehe davon aus, dass Wölfe den Raum schon in naher Zukunft besiedeln werden, sagte der Biologe Walter Wimmer der Nachrichtenagentur dpa. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die ersten aus dem Osten kommenden Tiere in der Region auftauchen. Nahrung für Wölfe gebe es in der Region jedenfalls genug, sagte Wimmer vor Beginn einer Tagung in St. Andreasberg, mit der die Nationalparkverwaltung Jäger, Naturschützer, Förster, Schäfer und Nutztierhalter auf die Entwicklung vorbereiten will.

„Der letzte Wolf im Harz wurde 1798 unterhalb des Brockens erschossen“, so der Biologe. Seither galt das Raubtier in der Region als ausgestorben. Obwohl er überzeugt ist, dass die Rückkehr der Wölfe bevorsteht, will Wimmer sich auf einen genauen Zeitpunkt nicht festlegen. „Er kann schon hier sein. Er kann morgen kommen. Es kann aber auch noch Jahre dauern“. Vereinzelte Meldungen über Wölfe in der Region hätten sich bislang - anders als in der Lüneburger Heide oder im nordhessischen Reinhardswald - nicht als stichhaltig erwiesen. Wenn Wölfe im Harz auftauchen, werden es nach Wimmers Worten vermutlich Tiere sein aus den Rudeln, die seit mehr als zehn Jahren wieder in Sachsen leben. „Das werden dann Jungtiere sein, die von ihren Eltern aus dem Rudel vertrieben wurden.“ Es sei zudem mit Wölfen zu rechnen, „die aus Osteuropa zu uns kommen“. Vor allem der Harzrand und das Mittelgebirge böten dem Wolf - anders als der dicht und dunkel bewaldete Oberharz - geeigneten Lebensraum, sagte Wimmer. Dies hänge auch mit der Wilddichte zusammen, die in der Region, wie fast überall in Deutschland, sehr hoch sei. „Da gibt es genug zu fressen für den Wolf: Rehe, Hirsche und Wildschweine, aber auch kleinere Tiere.“

Zu dicht besiedelt ist der Harz nach Wimmers Einschätzung nicht. „Der Wolf braucht keine einsame Wildnis. Er braucht Nahrung und gewisse ungestörte Bereiche für die Jungen-Aufzucht.“ Beides gebe es im Harz. Allerdings könnte es zu Konflikten mit dem vor zehn Jahren wieder angesiedelten Luchs kommen. „Aber das ist nichts, was dramatisiert werden sollte“, sagte Wimmer. „Im Zweifelsfall ist der Wolf der Überlegene. Dafür kann der Luchs ja auf den Baum.“ Für wie viele Wölfe Platz wäre im Harz, sei schwer zu bestimmen, sagte Wimmer. Grundsätzlich ist er sich jedoch sicher: „Wir werden es erleben, dass es wieder Wölfe im und am Harz gibt.“

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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