Infektionszahlen steigen

RS-Virus befällt Kinder – Ärzte geben Alarm: „Wir machen uns Sorgen“

Die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus haben zu einem Rückgang des RS-Virus bei Kindern geführt. Das rächt sich nun, insbesondere bei Kindern. Ärzte warnen.

Berlin – Lockdown, Schulschließungen, Mund-Nase-Masken, häufiges Desinfizieren. Schutzmaßnahmen, die zur Eindämmung des Coronavirus ausgerufen wurden, hatten unweigerlich auch Auswirkungen auf andere Erreger. So blieb zum Beispiel vergangenes Jahr die Grippewelle aus. Mit immer weiteren Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen steigt auch die Gefahr, sich mit allerlei Viren anzustecken. Vor allem Kinder sind aktuell stärker von Atemwegsinfektionen betroffen, als in den ersten Wintermonaten zu erwarten wäre.

RS-Virus bei Kindern: Doppelt so viele schwere Atemwegsinfektionen als üblich im September – Ärzte sind in Sorge

Das Robert-Koch-Institut (RKI) vermeldet einen starken Anstieg der Krankenhaus-Einweisungen bei Ein- bis Vierjährigen. Der Grund: das Respiratorischen Synzytial-Virus, kurz RSV. Laut dem Institut würden aktuell doppelt so viele schwere Atemwegsinfektionen bei Kindern diagnostiziert als üblicherweise im Monat September. Von derzeit rund 140 Fällen die Woche spricht das RKI und rechnet damit, dass die Zahlen in den kommenden Wochen noch steigen.

Ärzte erwarten diesen Winter wesentlich mehr Fälle von Atemwegserkrankungen bei Kindern als gewöhnlich für diese Jahreszeit.

„Es gibt leider im Moment eine Zuspitzung“, bestätigt Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage in den Kinderkrankenhäusern ist angespannt. Aufgrund der vielen Erkrankungen werden die Betten knapp, was auch daran liegt, dass Personal fehlt. Kinder stationär unterzubringen sei derzeit ebenfalls schwierig, da ein Mangel an ausgebildeten Kinderkrankenpflegern herrsche.

„Seit September verzeichnen wir wieder deutlich mehr Kinder mit Infektionen des Magen-Darm-Trakts und der Atemwege, darunter vereinzelt auch mit RSV“, bestätigt auch Dr. Christof Kluthe, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. „Wir erleben in der Kinderheilkunde in diesem Jahr einen ‚vorgezogenen Winter‘.“

Steigende Zahl von RSV-Infekten bei Kindern: Besonders für Frühchen gefährlich

Das RS-Virus befällt die oberen Lungenwege und kann insbesondere für Frühgeborene sowie vorerkrankte Kinder im ersten Lebensjahr gefährlich werden. Ungewöhnlich ist eine Infektion nicht, ganz im Gegenteil. „In der Regel begegnen Kinder jedes Jahr RSV und bauen dabei einen gewissen Immunschutz auf“, erklären RKI-Experten der dpa. Doch die natürliche Abwehr gegen den Erreger fehle nun wegen der Corona-Maßnahmen aus dem vergangenen Jahr.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Größere RSV-Ausbrüche unter Kindern wurden bereits im Mai aus Israel und in den Sommermonaten in den USA, Australien und Japan gemeldet. Nun werden auch in Deutschland steigende Infektionszahlen befürchtet. Sorge bereitete den Medizinern auch der Ausbruch einer Grippewelle, was die Situation noch verschärfen könnte. „Wir machen uns zudem Sorgen, dass es eine Grippewelle gibt“, sagt der Kinderarzt Thomas Buck der dpa.

Was können Eltern tun, um einer Erkrankung ihres Kinder durch das RS-Virus vorzubeugen?

Die Ärzte raten, Kindern und Jugendlichen wieder ein normales Leben zu ermöglichen. Spielplatz, Sportplatz, Schule. Zwar dürfe man Corona nicht vergessen oder übersehen, aber das Immunsystem von Kindern könne am besten durch Aktivitäten an der frischen Luft und mit anderen Kindern aufgebaut werden.

„Man muss kluge Risikoabwägungen treffen“, so Buck. „Wir wollen, dass die Kinder endlich wieder konstant in Kindergarten und Schule gehen und unnötige Krankmeldungen vermeiden.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare