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Regenbogenbänke sollen für Toleranz sorgen – stattdessen gibt es Zoff

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Von: Anika Zuschke

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In Greifswald sollen Regenbogenbänke aufgestellt werden – für mehr Toleranz und Vielfalt. Stattdessen hagelt es Kritik – auch aus der queeren Community.

Greifswald – Die Regenbogenfarben gelten in vielen Kulturen und Ländern, so auch in Deutschland, als Zeichen für Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen. Mit dem zur Schau stellen einer Regenbogenfahne soll besonders Angehörigen der LGBTQIA+-Bewegung Verständnis und Offenheit entgegengebracht werden. Im Zuge dessen wurden beispielsweise bereits Regenbogen-Parkplätz eingeweiht, die queeren Menschen mehr Sicherheit gewähren sollen. Doch in Greifswald sorgt eine solche Aktion viel mehr für Zoff, als für Toleranz: Die Idee der Grünen, Regenbogenbänke in der Stadt aufzubauen, polarisiert – auch in der queeren Community.

Kreisstadt in Mecklenburg-Vorpommern:Greifswald
Fläche:50,5 km²
Höhe:7 Meter
Vorwahl:03834

Regenbogenbänke in Greifswald: Zoff statt Toleranz

Um ein Zeichen der Toleranz für Menschen mit unterschiedlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen zu setzen, möchte die Partei der Grünen in der mecklenburgischen Stadt Greifwald Sitzbänke in Regenbogenfarben aufstellen. Christoph Oberst, grünes Mitglied im Bildungsausschuss der Greifswalder Bürgerschaft, setzt sich unter anderen für diese Idee ein.

In seinen Augen sollten die Bänke „den toleranten und wertschätzenden Umgang der Menschen in Greifswald“ demonstrieren, äußert der Politiker der „Ostsee-Zeitung“ zufolge und fügt hinzu: „Von der Symbolik abgesehen, heitern bunte Bänke zudem das Stadtbild auf.“ Ob das Gefängnis „Santa Fu“ in Hamburg* den gleichen Gedanken hatte? Denn dieses hat zum CSD-Tag 2021 mit einer Regenbogenfahne ebenfalls Farbe bekannt*.

Regenbogenbänke in Greifswald sollen Zeichen für Diversität sein – Parteien sind sich uneinig

Ruth Terodde, Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsbeauftragte der Universität Greifswald, ist ähnlicher Meinung und findet ebenfalls unterstützende Worte für das Projekt: „Ich befürworte jedes Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit, das Greifswald setzt“, äußert sie gegenüber der „Ostsee-Zeitung“. Ein Zeichen für Toleranz und Diversität setzte sogar schon die Deutsche Bahn mit einem Regenbogen-ICE – von dem sich ein heterosexueller Mann aber wiederum diskriminiert fühlte. Auch auf die niveaulose Kritik eines regenbogenfarbenen Autos musste Ford bereits genial kontern.

Eine Sitzbank mit Regenbogenfarben steht in einem Park.
Regenbogenbänke sollen in Greifswald als Zeichen für Toleranz aufgestellt werden – doch die Idee findet nicht überall Anklang. (Symbolbild) © Chromorange/imago

Dass es sehr schwierig ist, es in diesen Zeiten allen recht zu machen, zeigt nun einmal mehr die Debatte um Regenbogenbänke in Greifswald. Denn vonseiten der Linken und der CDU steht bei einer bunten Bank die Sorge um Vandalismus im Vordergrund. „Nur weil Bänke in Regenbogenfarben angemalt werden, schaffen wir nicht mehr Toleranz. So eine politische Botschaft könnte auch genau das Gegenteil, nämlich zusätzlichen Vandalismus, auslösen“, kritisiert CDU-Finanzpolitiker Gerd-Martin Rappen laut „Ostsee-Zeitung“. Seiner Ansicht nach sei gegen eine schöne Gestaltung der Stadt nichts einzuwenden, doch diese müsse nicht mit politischen Botschaften in Verbindung gesetzt werden.

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Sorge vor Vandalismus und „reiner Symbolpolitik“ – Regenbogenbänke polarisieren

Bürgerschaftsvizepräsidentin Birgit Socher von den Linken sieht die Idee aus dem gleichen Grund kritisch: „Ich habe Sorge, dass es die Gegner dieser Sache sind, die die Bänke dann sehr schnell beschmieren“, gibt sie zu Bedenken. Dabei scheinen Regenbogen inzwischen allgegenwärtig zu sein: Sogar Lego feiert Diversität und Vielfalt mit einem Regenbogen-Set*.

Ebenfalls nicht uneingeschränkte Begeisterung zeigt das „Aktionsbündnis Queer“ – doch in diesem Fall mit anderem Hintergrund: „Regenbogenbänke sind grundsätzlich sinnvoll, da sie Aufmerksamkeit für das Thema schaffen. Denn es gibt eben noch immer nicht die volle Gleichberechtigung. Meist handelt es sich bei solchen Vorschlägen aber nur um reine Symbolpolitik“, lenkt der Vorsitzende des Aktionsbündnisses, Thomas Jager, gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ ein.

Er sei deswegen der Meinung, dass der zweite Teil des Antrags von den Grünen mehr Relevanz habe. Dieser beinhaltet nämlich einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung, die wiederum checken soll, ob eine solche Bemalung der Bänke auch im Zuge eines Schulprojektes stattfinden kann. Ebenfalls im Sinne der Gender-Gerechtigkeit soll es in Hamburger Schulen in Zukunft nur noch Unisex-Klos geben*.

Regenbogenbänke in Greifswald lösen auch auf Facebook Debatte aus

Und wie es immer so ist, haben die Regenbogenbänke aus Greifswald längst hitzige Debatten im Facebook-Universum ausgelöst. „Ganz schlimm“, findet es ein Kommentator – eine andere Userin pflichtet bei: „Sieht kitschig aus, fehlen nur noch die Einhörner und etwas Glitzer.“ Andere können den bunten Farben durchaus etwas abgewinnen und einige wenige beziehen tatsächlich Stellung zur eigentlichen Kernfrage: „Wir brauchen nicht Toleranz. Wir brauchen Akzeptanz“, heißt es in Kommentaren und „Toleranz kommt nicht von bunten Bänken alleine“. Viele sehen das Ganze wohl auch als Symbolpolitik. Außer einem Facebook-Nutzer – der sieht es praktisch: „Einen Vorteil haben diese Bänke allerdings. DIE sehe ich auch ohne Brille.“ Na, das ist doch schon mal was, oder? * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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