Betreiber und Leiterin in U-Haft

Razzia in Seniorenheim: Vorwürfe in Goslar sind unfassbar - Betrieb kann aber weiterlaufen

Polizei und Staatsanwaltschaft haben ein Senioren- und Pflegeheim sowie eine Privatwohnung im Kreis Goslar durchsucht. Es besteht Verdacht auf Betrug, auf die Misshandlung Schutzbefohlener und auf gefährliche Körperverletzung. Drei Verdächtige sind in Untersuchungshaft.

  • Polizei verdächtigt drei Personen wegen Misshandlung Schutzbefohlener.
  • Betreiber und Heimleiterin bei Goslar (Harz) festgenommen.
  • Betrieb des Seniorenheims kann weiterlaufen, Bewohner seien nicht ausquartiert worden.

Update, 11. August: Die drei festgenommenen Personen haben sich zunächst nicht zu dem Vorwurf des schweren Betrugs sowie des Verdachts auf Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung geäußert, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Dienstag mitteilt. Die Staatsanwaltschaft bestätigt zudem die Informationen des NDR nicht, nach denen die Verdächtigen Heimbewohner mit Medikamenten ruhig gestellt haben sollen. Die Ermittlungen werden fortgeführt und sichergestellte Unterlagen ausgewertet. Der Betrieb in dem Seniorenheim mit 68 Plätzen kann weiterlaufen, wie ein Sprecher des Landkreises sagt. Bewohner seien nicht ausquartiert worden.

Staatsanwaltschaft und Polizei haben am Montag ein Senioren- und Pflegeheim im Langelsheimer Ortsteil Wolfshagen (Landkreis Goslar) sowie zwei Privatwohnungen durchsucht. Das Betreiber-Ehepaar und die Heimleiterin wurden festgenommen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig dem Evangelischen Pressedienst (epd) bestätigte. Dem 55-jährigen Mann und den 54 und 46 Jahre alten Frauen werde Betrug in einem besonders schweren Fall, die Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie schwere und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Fläche Landkreis Goslar:965,29 Quadratkilometer
Einwohner:136.292
Kreisgliederung:10 Gemeinden

Einzelheiten zu den Anschuldigungen nannte der Sprecher nicht. Gegen die drei verdächtigen Personen verhängte das Amtsgericht Braunschweig wegen Verdunkelungsgefahr Untersuchungshaft. Der gegen 6 Uhr hatte die Razzia begonnen und dauerte bis zum Mittag. Neben dem Senioren- und Pflegeheim wurden auch die Wohnungen des Betreiber-Ehepaars sowie der Heimleiterin nach möglichen Beweisen durchsucht. An der Razzia waren Beamte aus Goslar und Braunschweig beteiligt. Nach Angaben des Landkreises Goslar hatten Polizei und Staatsanwaltschaft Anfang dieses Jahres gezielte Ermittlungen gegen die Betreiber und die Heimleiterin des Senioren- und Pflegeheimes aufgenommen. Zuvor habe die zuständige Heimaufsicht des Landkreises Goslar Unregelmäßigkeiten in dem Betrieb festgestellt und zur Anzeige gebracht.

In einem Seniorenheim im Landkreis Goslar ist es offenbar zu Misshhandlungen und Betrug gekommen.

Nach Informationen des NDR sollen die Verdächtigen in dem Senioren- und Pflegeheim lebende Bewohner systematisch mit Medikamenten ruhig gestellt haben - offenbar, um mehr Geld von der Pflegekasse zu kassieren. Laut NDR Info wurden bei den Bewohnern am Montag Blutproben entnommen. Ziel sei es, einen mutmaßlichen Medikamentenmissbrauch festzustellen.

Senioren- und Pflegeheim in Goslar soll reibungslos weiterlaufen

Um einen reibungslosen Weiterbetrieb des Senioren- und Pflegeheimes zu ermöglichen, hat die Kreisverwaltung einen 29-köpfigen Sonderstab eingesetzt. Das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung habe erste Priorität, sagte Erste Kreisrätin Regine Breyther. „Wir werden alles dafür tun, um den Betrieb des Senioren- und Pflegeheimes sicherzustellen und dafür Sorge zu tragen, dass es den Bewohnerinnen und Bewohnern an nichts mangelt. Schließlich geht es für die dort lebenden Menschen um ihr Zuhause.“ Außerdem hat der Landkreis Goslar ein Infotelefon eingerichtet.

Unter der Telefonnummer 05321/76711 können sich Bewohner, Angehörige und Betreuungspersonen über die aktuelle Entwicklung informieren, sich beraten lassen oder auch einen Termin für ein persönliches Gespräch vereinbaren. „Selbstverständlich gibt es jetzt viele Fragen und Unsicherheiten bei den betroffenen Menschen“, sagte Kreisrätin Regine Breyther. „Wir werden die hilfebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen nicht allein lassen und sie auch in den kommenden Wochen unterstützen und begleiten. Das gilt im Übrigen auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Senioren- und Pflegeheimes in dieser ungewohnten neuen Situation.“

Rubriklistenbild: © Frank Neuendorf/dpa

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