„Frau“ statt „Zigeunerin“

Rassistisch: Schon 143 Kunstwerke umbenannt

  • VonUlrike Hagen
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Die politische Korrektheit hat die Kunst erreicht. Staatliche Museen in Dresden benennen 143 Kunstwerke wegen Diskriminierung und Rassismus um.

Dresden – Die „Staatlichen Kunstsammlungen Dresden“ (SKD), ein Museumsverbund von insgesamt 15 Museen, locken jährlich fast 2,5 Millionen Besucher aus der ganzen Welt an. Nun kommen die SKD mit ihren Ausstellungsorten wie dem Zwinger samt Gemäldegalerie „Alte Meister“, dem Grüne Gewölbe, Albertinum und Co. Rassismus-Vorwürfen gegen ihre sagenhaften Kunstschätze zuvor und durchkämmen ihren Fundus nach zweifelhaften Titeln.

Die Konsequenz: 143 Exponate wurden bereits umbenannt. Forderungen nach Umbenennung aufgrund von Rassismus-Verdacht gab es in jüngster Vergangenheit einige: Bereits über 1000 Vögel bekamen in Deutschland von Wissenschaftlern neue Namen verpasst. Und auch Produkte von Bahlsen, Knorr und Nestlé wurden wegen „Rassismus“ -Vorwürfen umbenannt.

Ausstellungshaus: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SDK)
Gründung:1560
Anzahl der dazugehörigen Museen:15
Leitung:Marion Ackermann
Besucher:2,4 Millionen (2019)

Auf einen offenen Brief der Initiative „Dresden Dekolonisieren“ antwortete Marion Ackermann, die Generaldirektorin der „Staatlichen Kunstsammlungen Dresden“: „Um Rassismus und Diskriminierung im Sprachgebrauch zu unterbinden, prüfen die SKD deshalb die Werktitel in ihrer Museumsdatenbank Daphne und in der Online Collection auf ihrer Website. Wird ein rassistischer oder diskriminierender Titel gefunden, wird er durch einen angemessenen ersetzt.“ Schon bereits seit Anfang des vergangenen Jahres durchforsten Kuratoren und Mitarbeiter der SKD die riesige Titel-Datenbank der knapp 1,5 Millionen Kunstschätze auf „rassistische oder anderweitig diskriminierende Begriffe oder Inhalte“.

Rassismus: Sammlungen ändern diskriminierende Titel von Kunstschätzen

Inzwischen wurden bereits 143 Kunstwerktitel politisch korrekt umbenannt, weil sie „rassistische“ oder „diskriminierende“ Bezeichnungen trugen. Beispiel: Der „Mohr mit Smaragdstufe“, eine funkelnde 63 Zentimeter hohe geschnitzte Figur eines Farbigen aus Birnbaumholz mit Edelsteinen und Schildpatt in der Schatzkammer Grünes Gewölbe. Die althergebrachte, diskriminierende Bezeichnung für „People of Color“ hatten voran bereits die Grünen moniert, die das Dorf Negernbötel umbenennen möchten, sowie eine Initiative, die die Umbenennung aller Mohren-Apotheken fordert.

Wegen Rassismus umbenannt: Das Kunstwerk „Mohr mit Smaragden“ im Juwelenzimmer des Grünen Gewölbes im Dresdner Residenzschloss.

Schluss mit Zwerg, Mohr, Afrikaner und Zigeuner wegen Diskriminierung

Auch andere Begriffe wurden als diskriminierend auf der Titel-Liste identifiziert – und durch neue ersetzt. Der Titel eines niederländischen Gemäldes etwa aus dem 17. Jahrhundert wurde etwa vom „Hund, Zwerg und Knabe“ zum „Hund, kleinwüchsiger Mann und Junge“. Auch der Begriff „Zigeuner“, der schon vorher in den Fokus der Political Correctness geriet – zuletzt gab es dafür einen Shitstorm für RTL-Moderatorin Katja Burkhard – wurde nun konsequenterweise aus der Titelliste des SKD entfernt. Das Werk „Die Zigeunerin“ wurde „Frau mit Kopftuch“ betitelt; die „Zigeunermadonna“ heißt nun „Madonna mit stehendem Kind“.

Namensänderung wegen Rassismus: AfD-Politiker pöbelt gegen „Bilderstürmerei“

Der Sächsische Kultusministerium reagierte mit der Veröffentlichung der Liste der geänderten Titel auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Thomas Kirsten. Kirste kritisierte die Umbenennungen der diskriminierenden Kunsttitel und diffamierte sie als „linke Bilderstürmerei“.

Dass die Sensibilität für rassistische Sprache im Spannungsfeld von unterschiedlichen Kulturen und kolonialistischen, nicht mehr zeitgemäßen Klischees zu sehen ist, beweist auch die beispielsweise auf den ersten Blick absurde Diskussion um den Begriff „Curry“, dessen Umbenennung nun von Food-Experten und Bloggern gefordert wird. Unumstrittener ist wohl aber, dass in einer demokratischen Kultur gelebter Rassismus, wie er an einer Schule passierte, an der eine Klasse nur aus Kindern mit Migrationshintergrund gebildet wurde, einfach ebenso kurz und schmerzlos wie diskriminierende Namen aus dem Repertoire gestrichen werden sollte...

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Rubriklistenbild: ©  momentphoto/Bonss/IMAGO

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