Abwertung und Racial Profiling

Rassistisch: „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ soll man nicht mehr singen

  • Bjarne Kommnick
    VonBjarne Kommnick
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Einige Kinderlieder transportieren rassistisches Gedankengut und zeigen Abwertung. Dazu forscht Musik-Ethnologe Nepomuk Riva – und hat klare Empfehlungen.

Die deutsche Sprache ist im ständigen Wandel. Deshalb wird heute immer wieder über zeitgemäße Formulierungen diskutiert. Was sollte ich sagen, worauf sollte ich verzichten? Darum werden nicht nur zahlreiche Begriffe und Produkte wegen rassistischer Anklang umbenannt – auch Kinderlieder sind betroffen. Auch Kinderbüchern wie Jim Knopf oder Pipi Langstrumpf wird schon längst rassistische Diskriminierung vorgeworfen. Der hannoversche Musikethnologe Nepomuk Riva empfiehlt deshalb, auf Lieder wie „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ zu verzichten.

Musikwissenschaftler Nepomuk Riva
Geboren1974
StudiengangMusikwissenschaft und evangelische Theologie
StudienorteHeidelberg und Berlin.

Die deutsche Gesellschaft habe sich verändert, sagte Riva in einem Interview mit der HAZ. „Einige Kinderlieder haben ihre Unschuld verloren“, so Riva. Das Lied gelte als heiteres und harmloses Kinderlied. Aber das sei es nicht mehr, denn es erzähle von drei Chinesen, die lediglich mit einem Musikinstrument auf der Straße unterwegs seien – was für einen Polizisten bereits Anlass genug sei, einzuschreiten. Dies sei ein Fall von Polizei-Willkür und „Racial Profiling“ in einem Kinderlied.

Singen gehört zum für viele Schülerinnen und Schüler zum Schulalltag.

Rassistisch und abwertend: „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“sollte nicht mehr gesungen werden

„Ich habe mit Asiatinnen gesprochen, die das Lied als diskriminierend empfinden.“ Aber es gehe Riva auch darum, den historischen Kontext zu sehen. Ursprünglich sei in dem Lied von „Japanesen“ die Rede. Der Wechsel zu „drei Chinesen“ entstand erst unter Nazi-Deutschland als das Hitler-Regime ein Bündnis mit Japan geschlossen hatte: „Das zeigt deutlich, dass man sich schon damals bewusst war, dass mit dem Lied eine Abwertung verbunden ist.“ Der Musik-Ethnologe empfiehlt, das Lied überhaupt nicht mehr zu singen.

Und auch die lautmalerischen Abwandlungen wie „Dri Chinesen mit die Kintribiss“ seien nicht mehr zeitgemäß, denn es sei ein Versuch die chinesische Sprache nachzuahmen. Das würde eine negative Wirkung auf Kinder haben: „Die Kinder merken, dass sich hier in sinnfreier Art über ihre Sprache lustig gemacht wird.“

Rassismus in Kinderliedern umgehen: Riva empfiehlt, Text-Passagen zu ändern

Riva schlägt einen sensiblen Umgang mit rassistischen Passagen in Kinderliedern vor – denn: „Vielen Menschen ist nicht bewusst, was das Singen solcher Lieder bei Menschen mit migrantischem Hintergrund auslöst.“ Einige Lieder könnte man jedoch anpassen. Beim sogenannten „C-A-F-F-E“-Kanon könnte man beispielsweise den „Muselmann“ durch die Worte „dummer Mann ersetzte“, so Riva. Damit würde das Lied sein antimuslimisches Ressentiment verlieren. Auf einige Lieder sollte man jedoch ganz verzichten: „So wird ja auch das Lied von den zehn kleinen N., das in hohem Maße rassistisch ist, in keinem Buch mehr abgedruckt“, erklärt Riva.

Musikethnologe Riva am 19. September mit spannendem Vortrag in Hannover: „Racial Profiling“ in Kinderliedern

Am 16. September, um 20.30 Uhr, ist Riva im Schloss Herrenhaus in Hannover zu Gast. In der Reihe „Herrenhausen Late“ spricht er in einem Vortrag über das Thema „Racial Profiling“ in Kinderliedern. „Racial Profiling“ beschreibt ein Phänomen, bei dem Polizei oder andere Sicherheitskräfte häufig aufgrund eines bestimmten äußerlichen Stereotypen agieren.

Umbenennung wegen Rassismusvorwürfen: Zahlreiche Begriffe und sogar Tiernamen betroffen

Doch einige Kinderlieder sind nicht das einzige, auf das man besser verzichten sollte. Auch die Hawaii-Pizza könnte schon bald anders heißen. Nach Einschätzung von Food-Experten gilt auch der Begriff „Curry“ gilt inzwischen rassistisch. Auch in der Tierwelt gibt es Rassismusvorwürfe: zahlreiche Vogelarten wurden schon umbenannt. Der Hamburger Verkehrsbund hatte zudem das Wort „Schwarzfahren“ gestrichen. Eine Initiative fordert außerdem die Umbenennung aller „Mohren“-Apotheken. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Angelika Warmuth

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