Samstag zurück in Osnabrück

Professor radelt rund um den Globus

30.000 Kilometer ist Wolfgang Lenzen in einem Jahr geradelt

Osnabrück. 30.000 Kilometer ist Wolfgang Lenzen in einem Jahr geradelt, einmal rund um die Welt. Jetzt neigt sich die Mammut-Tour dem Ende entgegen. Der trainierte Philosophie-Professor wird am Samstag nach aus Osnabrück zurückkehren - und freut sich auf die Zeit ohne Rad.

Als Wolfgang Lenzen in den Ruhestand ging, hat er erstmal wie viele Rentner seine Koffer gepackt. Doch mit Ruhe und Entspannung hatte das nicht viel zu tun. Mehr als 30 000 Kilometer rund um die Welt hat der Osnabrücker Philosophie-Professor mit dem Fahrrad zurücklegt. Acht bis zehn Stunden saß er täglich im Sattel, ein Jahr lang. Jetzt befindet er sich auf der letzten Etappe quer durch Niedersachsen - und ist froh, wenn er am Samstagabend endlich wieder zu Hause sein wird.

„Es war ein langes Jahr“, sagt Lenzen. Im vergangenen Oktober ging es los: In acht Etappen radelte der fitte Geisteswissenschaftler durch Europa, Afrika, Australien, Neuseeland, Amerika und Asien. Mit Gegenwind hatte er zu kämpfen, und steile Berge musste er bezwingen. Im Endspurt setzte ihm vor allem das norddeutsche Schietwetter zu. Nach Monaten in der Ferne war er den vielen Regen und die Kälte nicht mehr gewohnt. „Ich freu mich auf die Sauna“, sagt er kurz vorm Ziel.

Dort wird dann erstmal wird ordentlich gefeiert. Am Samstag soll nach einem Empfang vor dem Osnabrücker Rathaus eine Willkommensparty bei den Lenzens steigen. Seine Tochter Barbara Holtermann freut sich schon darauf, ihren Vater in die Arme zu schließen. Wie ihre vier Geschwister hat sie von zu Hause bei seiner Marathon-Radtour mitgefiebert. Per E-Mail oder Handy hielt er sie regelmäßig auf dem Laufenden.

„Es gab einige Strecken, wo mein Vater ganz schön gestöhnt hat“, erzählt die 31-Jährige. Wenn er in abgelegenen Regionen abends kein Quartier fand, musste er mitten in der Pampa sein Zelt aufschlagen. Auch hungrig ins Bett ging er hin und wieder. „Es war schon ein bisschen schwieriger, als ich gedacht hatte. Aber es hat sich gelohnt“, meint der 66-Jährige. Überall hätten ihn die Menschen freundlich empfangen. „Probleme hatte ich nur mit den Hunden - die stehen auf Radfahrer.“

Abenteurer, die zu Fuß, mit dem Boot oder per Rad die Welt umrunden, gibt es zahlreiche. Bei jahrelangem Ausdauertraining hat sich Lenzen gestählt, doch bei seiner Weltumrundung ging es ihm nicht nur um sportliche Extreme. Auf seiner Tour sammelte er auch Spenden für die Aidshilfe in Uganda und ein Schulprojekt in Ecuador. Für jeden zurückgelegten Kilometer einen Euro, lautete sein Ziel.

In der nächsten Zeit wird der durchtrainierte Professor sein Fahrrad jedoch erstmal in der Ecke stehen lassen. Er hat jetzt Besseres zu tun: Während seinem Rad-Abenteuer kamen mit Bennet und Jonas Enkel Nummer fünf und sechs zur Welt. Allein auf seine Opa-Rolle wird sich Lenzen aber nicht konzentrieren. In einem Buch will er von seinen Erlebnissen berichten.

Auch fürs Radfahren schmiedet er schon wieder Pläne. „So ein paar kleine Ziele schweben mir schon noch vor“, gesteht Lenzen. Rund um den Globus soll es aber nicht mehr gehen. „Einmal im Leben reicht.“

Von Irena Güttel

Quelle: kreiszeitung.de

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