Von A wie „Asse“ zu Z wie „Zwischenlager“

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Der Schachtkater Plutonium sitzt im Atommülllager Asse bei Remlingen (Landkreis Wolfenbüttel) auf einem ausgedienten Bürostuhl. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) plant nach dpa-Informationen in der Nähe des maroden Atommülllagers Asse ein rund 250000 Quadratmeter großes Zwischenlager für Atommüll.

Remlingen- Von Marco Hadem. Wassereinfluss, Risse in Salz und Gestein, Bewegungen im Berg, verstrahlte Kalisalzlauge und 126 000 radioaktiv verstrahlte Fässer: Das Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel wird eifrig auf die Rückholung vorbereitet. Doch noch immer sind viele Fragen offen.

Weiße Wände, salziger Staub, drückende Hitze: Auf den ersten Blick erscheint das Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel wie ein typisches Salzbergwerk. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich zahlreiche Probleme, die im schlimmsten Fall dafür sorgen könnten, dass die marode Schachtanlage im wahrsten Sinne des Wortes absäuft: 10.000 Liter Wassereinfluss pro Tag, Risse im Salz, tonnenschwere Gesteinsbrocken, Bewegungen im Berg und verstrahlte Kalisalzlauge.

Für das verantwortliche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist es definitiv der falsche Ort, um 126.000 Atommüllfässer langfristig sicher zu lagern. „Nach allem was wir wissen, können wir die im Atomgesetz geforderte Langzeitsicherheit nur gewährleisten, wenn wir die Abfälle zurückholen“, sagte BfS-Sprecher Werner Nording. Doch die Rückholung des zwischen 1967 und 1978 eingelagerten Atommülls ist kompliziert.

Derzeit laufen in 750 Meter Tiefe die Vorbereitungen für das geplante Anbohren der Einlagerungskammer 7 auf Hochtouren. Mitarbeiter verlegen in diesen Tagen vor der Kammer einen Kunststoffboden, der im Bedarfsfall dekontaminiert werden kann. Sobald dieser verlegt und abgenommen ist, sollen die technischen Einrichtungen installiert werden, darunter ein Filter für Staub und ein Unterdruckzelt, um jeglichen Austritt von Radioaktivität zu verhindern.

Das BfS geht bei „optimalem Verlauf“ davon aus, dass Anfang November mit den Arbeiten begonnen werden kann. Ziel sind Informationen über die mögliche Strahlenbelastung im Erdreich. Sicherheit gehe immer vor Schnelligkeit, heißt es. Zudem müssten neue Verfahren entwickelt werden. Später soll dann auch die nur wenige Meter entfernte Kammer 12 angegangen werden.

Davor haben sich jedoch bis zu 80.000 Liter kontaminierte Salzlösung angesammelt, die zunächst entsorgt werden muss. Das Wasser stammt aus den feuchten Rückständen des Kalisalzabbaus, mit denen die Kammern verfüllt wurden. 100 Liter der kontaminierten Salzlösung sollen demnächst in Braunschweig testweise entsorgt werden. In einer Probebohrung vor Kammer 12 war vor kurzem eine Konzentration von radioaktivem Cäsium von 240 000 Becquerel pro Liter gemessen worden - das 24-fache des erlaubten Grenzwerts. Ein weiteres großes Problem ist das radioaktive Inventar in den Fässern.

Experten gehen angesichts der unvollständigen Listen von der Einlagerung davon aus, dass erst bei der Rückholung klar wird, was genau eingelagert wurde. Beim alten Betreiber, dem Helmholtz-Zentrum München/GSF, war anfangs etwa nur von 9,6 Kilogramm Plutonium die Rede. Nach umfangreichen Recherchen wurde die Zahl später auf mehr als 28 Kilogramm korrigiert. Wann die Rückholung des Atommülls abgeschlossen sein wird, steht in den Sternen. Fest steht für das BfS nur, dass in der Nähe des Schachtgeländes ein Zwischenlager für den geborgenen Atommüll errichten will.

 Schätzungen gehen von einem Abfallvolumen von mindestens 100.000 Kubikmetern aus. Bis dato gilt es für die Experten, Zeit zu gewinnen - etwa indem Salzabbaukammern mit Beton verfüllt werden. Das für damals 800.000 D-Mark (rund 409.000 Euro) vermeintliche „Schnäppchen“ Endlager Asse ist nun schon ohne die teure Rückholung der Fässer ein Millionengrab.

Quelle: kreiszeitung.de

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