Polizei Niedersachsen will verstärkt online Verbrecher jagen

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Wie sich die niedersächsische Polizei künftig bei Facebook präsentiert, will der niedersächsische Innenminister am Montag in Hannover erläutern. In Zusammenhang mit dem sozialen Netzwerk war zuletzt die Polizei Hannover in die Kritik geraten.

Hannover - Die Polizei Niedersachsen will ihre Fahndungen nach Verbrechern bei Facebook verstärken. „Wir planen, zeitnah einen zentralen Auftritt für alle Polizeidirektionen im Land beim Landeskriminalamt aufzunehmen“, sagte Innenminister Uwe Schünemann am Montag in Hannover.

In den vergangenen zwölf Monaten habe das Pilotprojekt der Polizei Hannover bei dem sozialen Netzwerk „nur positive Erfahrungen“ ergeben. Angesichts der „hervorragenden Möglichkeiten“ werde er das Thema auch bei der Innenministerkonferenz ansprechen - Ziel sei ein auf den niedersächsischen Erfahrungen basierender Beschluss zur bundesweiten Nutzung. „Bisher hatten wir acht Erfolge bei der Fahndung und Vermisstensuche“, betonte der CDU-Politiker.

Aktuell hat die Polizei Hannover rund 98.000 Freunde bei Facebook. „Wir erreichen so mehr junge Menschen als über Aufrufe in Zeitungen. Darauf dürfen wir nicht verzichten.“ Um die Internetfahndung rund um die Uhr bedienen und auswerten zu können, werde ein spezielles Team dazu bereitgestellt. Details hierzu seien aber noch unklar. Ungeachtet der Ermittlungserfolge hatte Schünemann die Fahndungen Anfang Februar zunächst ausgesetzt.

Anlass dafür seien rechtliche Unklarheiten gewesen, welche nun aber beseitigt seien. So habe der Datenschutzbeauftragte des Landes moniert, dass die veröffentlichten Informationen nicht mehr gelöscht werden könnten und die Internetfahndung eine „Prangerwirkung“ habe. „Dies ist aber kein Problem und durch die Strafprozessordnung abgesichert.“ Ferner hatte das Justizministerium erklärt, dass die hiesige Polizei bei einer Fahndung über die in den USA stehenden Facebook-Hauptrechner ein völkerrechtliches Abkommen benötige. „Um dieses Problem zu lösen, werden die Daten jetzt beim Landeskriminalamt hinterlegt und nur über Facebook verlinkt.“

Abgesehen von der aktiven Polizeiarbeit nutzt die Polizei das soziale Netzwerk auch zur Nachwuchsgewinnung. „Fast 55 Prozent der Bewerber sind über die Fanpage auf die Polizei aufmerksam geworden“, sagte Schünemann. In Deutschland habe Facebook rund 22 Millionen Nutzer, „da ist es klar, dass es sinnvoll ist, hier tätig zu werden“. dpa

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