Wenn das Politiker-Handy dreimal klingelt

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Niedersachsens Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Johanna Wanka ( CDU) steht in ihrem Ministerium in Hannover und telefoniert. Individuelle Klingeltöne sind in Mode.

Hannover - von Marco Hadem. Individuelle Klingeltöne sind in Mode. Auch Niedersachsens Spitzenpolitiker haben längst Gefallen an der immensen Zahl von Ruftönen gefunden. Doch nicht alle gehen mit der Zeit - einige wissen nicht einmal, dass der Klingelton verändert werden kann.

Kirchenglocken, Filmmusik, Echolot, klassisches Ringen: Individuelle Klingeltöne sind „in“. Nicht nur auf Schulhöfen und in Kinderzimmern spielt die Melodie des Handys eine große Rolle. Auch viele Spitzenpolitiker in Niedersachsen legen einen großen Wert auf ihren ganz persönlichen Handy-Klingelton - regelrechte Rufton-Muffel inklusive.

Die Klingeltöne der Politiker

Klingeltöne der Politiker in Niedersachsen

Bereits eine kurze Umfrage auf der Regierungsbank zeigt, wie unterschiedlich die Minister um Regierungschef David McAllister (CDU) die Klingeltonfrage bewerten. Während Ex-Ministerpräsident Christian Wulff noch ganz patriotisch mit dem „Niedersachsenlied“ und kurz vor seinem Umzug ins Schloss Bellevue angeblich sogar mit Lena Meyer-Landruts Grand-Prix-Hit „Satellite“ durch die Lande reiste, zieht sein Nachfolger McAllister ein klassisches Telefonklingeln vor. Auch Profilgruppen nutzt er nach eigenen Angaben keine - so klingelt sein Handy bei Anrufen von Journalisten genauso wie bei seiner Frau Dunja.

Etwas experimenteller sind da schon Sozialministerin Aygül Özkan und Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (beide CDU). Beide haben gar unterschiedliche Klingeltöne für ihre jeweils beiden Handys gespeichert. So fängt Grotelüschen an, in ihrer Handtasche zu wühlen, wenn die hüftschwingende Shakira ihr „Time for Afrika“, der Titelsong der Fußball-WM in Süd-Afrika, trällert und wenn „Komm mit ins Zukunftsland“, der 2008er-Wahlkampfsong der CDU erschallt.

Da mag es die gebürtige Hamburgerin Özkan lieber etwas dezenter: Privat ertönt bei ihr ein dezentes Xylophon, das Diensthandy macht mit einem klassischen Telefonklingeln auf sich aufmerksam.

Auch an der Spitze der drei Oppositionsfraktionen im Landtag sitzen höchst kreative Klingeltonfreunde. Während Linke-Fraktionschefin Kreszentia Flauger hellhörig wird, sobald ihr „Ring Happy“ immer lauter wird, besteht ihr Kollege Stefan Wenzel von den Grünen auf seinem selbst aufgenommenen „Zimbelton“.

Unangefochtener Spitzenreiter im Landtag ist, zumindest was die Klingeltöne seines Handys angeht, SPD-Fraktionschef Stefan Schostok. Gleich vier unterschiedliche Warnmelodien nennt er derzeit sein eigen. Neben dem Grundton Blues, einer geduldigen Klavierintonation, hat er seine Anrufer noch in mindestens drei weitere Gruppen eingeteilt: Kirchenglocken für all jene, „denen er seine volle Aufmerksamkeit widmen muss“, eine Türklingel für alle, „mit denen er gerne sprechen möchte“. Journalisten und Pressesprecher müssen sich mit einem „ungeduldigen Ton“ begnügen.

Interessant wird es, wenn im Landtag die Melodie „CTU“, bekannt aus der TV-Serie “24“ mit Kiefer Sutherland ertönt. Dann greifen sowohol Wirtschaftsminister Jörg Bode als auch Fraktionschef Christian Dürr (beide FDP) zum kabellosen Kommunikator. Beide sind große Fans der US-Serie und werden bei jedem Anruf Mitglied der fiktiven Anti-Terror-Einheit der US-Regierung.

Auch der neue CDU-Fraktionschef Björn Thümler weiß die Vorteile von unterschiedlichen Tönen zu schätzen. Während sich seine Frau hinter dem geheimnisvoll klingenden „BBGroove-Interlude“ verbirgt, klingt der Rest der Welt im fröhlichen „Tune Calypso“.

Bei Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) ist es der SMS-Klingelton, der im Landtag seinesgleichen sucht. Bei jeder Kurznachricht fühlen sich die Zuhörer dank des Echolot-Klanges in ein U-Boot versetzt; bei Anrufen liebt er es klassisch.

Die kleine Gruppe der Klingelton-Muffel wird angeführt von FDP-Umewltminister Hans-Heinrich Sander gefolgt von seinen CDU-Kollegen Hartmut Möllring (Finanzen), Bernd Busemann (Justiz), Uwe Schünemann (Inneres) und Johanna Wanka (Wissenschaft). Alle nutzen die voreingestellten Töne ihrer mobilen Begleiter und legen keinen gesteigerten Wert auf eine individuelle Alarmierung. Teilweise jedoch auch weil sie gar nicht wussten, dass der Ton überhaupt geändert werden kann.

Im Plenum sind klingelnde Handys ohnehin verpönt. Wer sein Telefon nicht auf Vibrationsalarm geschaltet hat, riskiert nicht nur die verächtlichen Blicke der anderen Parlamentarier, sondern auch eine Rüge des Landtagspräsidenten. In den Ausschüssen kann ein störendes Klingeln sogar mit Geldstrafen von bis zu 10 Euro geahndet werden. So gesehen ist es kein Wunder, dass die Politiker ihre Handys meistens auf lautlos haben.

Quelle: kreiszeitung.de

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