Stacheliger Fisch

Petermännchen versetzt Angler und Schwimmer an der Nordsee mit seinem Gift in große Sorge

Der Name ist harmlos, der Fisch aber nicht: Küstenurlauber an der Nordsee machen gelegentlich unliebsame Bekanntschaft mit dem giftigen Petermännchen. Dabei gibt es für Wattwanderer und Angler einen einfachen Schutz.

  • Petermännchen sticht an der Nordsee häufiger zu in diesem Sommer.
  • Petermännchen gehören zu Ordnung der Barsche.
  • Trotz Gift ist ein Petermännchen essbar - und beliebt in Frankreich.

An der Nordseeküste werden in diesem Sommer vermehrt Stiche des giftigen Fisches Petermännchen verzeichnet. Die 15 bis 50 Zentimeter langen Fische mit giftigen Stacheln graben sich im Frühjahr und Sommer zum Laichen im flachen Wasser im Meeresboden ein. Sie zählen zu den giftigsten Tieren in Europa. Petermännchen werden auch gerne als „Kreuzotter des Meeres“ bezeichnet. Ihr Gift verursacht mitunter enorme Schmerzen.

Übergreifende Zahlen zu den Verletzungen an der Küste der Nordsee gibt es nicht. Aber das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen berichtet, dass schon fast 30 Anfragen wegen Stichen des Petermännchens eingegangen seien. Üblich seien etwa 40 Anfragen für ein ganzes Jahr, sagte der Leiter der Einrichtung, Martin Ebbecke.

Fläche Nordsee570.000 Quadratkilometer
Volumen54.000 Kubikkilometer
Maximale Tiefe700 Meter
Mittlere Tiefe95 Meter

Ein Schwerpunkt scheint nach örtlichen Presseberichten die niedersächsische Insel Wangerooge zu sein. „Wir haben eine leichte Häufung gehabt“, bestätigte der Leiter der DRK-Wasserwacht auf der Insel, Jonny Mählmann. Er sprach von fünf bis sechs Fällen, während es sonst auf Wangerooge nur zwei oder drei im Jahr seien. Für die deutschen Küsten seien es üblicherweise 30 bis 40 Stiche von Petermännchen im Jahr.

Petermännchen: Schutz vor Stichen

Martin Ebbecke nannte zwei typische Wege, wie Menschen vom Petermännchen gestochen werden. Wattwanderer oder Schwimmer treten im Flachwasser auf die versteckten Petermännchen. „Dagegen helfen Badeschuhe“, sagte Ebbecke. Manchmal landet der Fisch bei Anglern im Netz oder am Haken. Sie verletzen sich an den Stacheln, wenn sie das Tier anfassen. Angler sollten Handschuhe tragen, wenn sie ein Petermännchen vom Haken nehmen.

Die 15 bis 50 Zentimeter langen Petermännchen haben giftige Stacheln. Werden die Fische gestört, setzen sie sich damit zur Wehr.

Petermännchen sticht zu - stechende Schmerzen sind die Folge

So machte Yannick Schwender aus Heide (Schleswig-Holstein) im Juli beim Angeln an der dänischen Ostseeküste bei Ebeltoft unliebsame Bekanntschaft mit einem Petermännchen. „Ich wollte in der Abenddämmerung vom Strand aus Meerforellen fangen, als plötzlich ein kleiner Fisch am Haken zappelte. Ich dachte es sei ein kleiner Dorsch, und wollte ihn vorsichtig vom Haken abmachen. Plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz im Daumen.“ Wie ein sehr starker Wespenstich fühlte es sich an, der Daumen war zwei Tage lang heiß und dick. „Ich wusste damals nicht, wie gefährlich es sein kann. Glücklicherweise war es bei mir nicht so schlimm“, sagte Schwender

Erste Hilfe beim Stich eines Petermännchens

Der Stich des Petermännchens führt zu einem stechenden Schmerz, starken Gelenkschmerzen und Schwellungen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem allergischen Schock und Herzstillstand kommen. Es seien aber keine Todesfälle durch Petermännchen bekannt, sagte Martin Ebbecke. Doch eine Behandlung durch den Arzt sei notwendig. Denn der Stachel muss entfernt und die Wunde desinfiziert werden. Zur Erstbehandlung kann beispielsweise ein Biteaway eingesetzt werden. Das Gift besteht aus hitzeempfindliche Eiweiße und kann mit Wärme aufgespalten werden.

„Wenn Petermännchen gestört werden, können sie sehr schnell sehr hektisch werden. Sie schwimmen in schlängelnden Bewegungen im Zickzack und stellen sofort die Rückenflossen auf. Das ist ihre Abwehrhaltung, ihr Schutzmechanismus. Den setzen Sie gezielt ein“, sagte der Biologe Timo Kaminski, Aquariumsleiter im Multimar Wattforum in Tönning (Schleswig-Holstein).

Nach Erhebungen zwischen 2000 und 2014 sei der Bestand des Großen Petermännchens in der tieferen Nordsee gewachsen, sagte Gregor Scheiffarth vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Von den Kleinen Petermännchen im Flachwasser, die giftiger seien, seien eher weniger gezählt worden. Aber Scheiffarth sagte: „Es gibt immer wieder Jahre, in denen sie verstärkt an den Stränden auftauchen und dann auch Menschen stechen.“ Zuletzt sei 2014 so ein Jahr gewesen.

Was sind Petermännchen - und warum heißen sie so?

Petermännchen gehören zur Ordnung der Barsche und zählen zu den Stachelflossern, weil sie über einen an der vorderen Rückenflosse mit Giftdrüsen versehenen Knochenstrahl sowie einen giftigen Dorn am Kiemendeckel verfügen. Laut Geo graben Petermännchen ihren schmalen, leuchtend grün-braun-gelben Körper gerne in den Sand ein, sodass nur ihre Augen zu sehen sind. Im Sommer halten sich Petermännchen an der Nordsee und Ostsee zum Laichen in flachen Gewässern auf - im Jahr 2020 sind sie dort besonders häufig anzutreffen.

Laut dem Wörterbuch der Zoologie leitet sich der Name Petermännchen vom niederländischen „pieterman“ ab. Niederländische Fischer hätten demnach gefangene Petermännchen oft wieder ins Meer zurückgeworfen, weil sie um die Gefahr der Stacheln wussten. Dabei weihten sie die Gift-Fische als Opfergabe für ihren Schutzheiligen Petrus.

Petermännchen auf dem Essteller

So gefährlich das Petermännchen ist, gilt es auch als schmackhafter Speisefisch. Vor der Verarbeitung müssen die Giftstacheln auf dem Rücken und an den Kiemen sorgfältig entfernt werden. In Frankreich gelten sie als Delikatesse. In Deutschland wird das Fleisch oft für Fischsuppen verwendet. Alternativ dazu kann das Fischfilet auch gebraten werden. Schon die alten Römer kannten den Fisch und haben ihn gegessen.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Runge

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