Langwierige Angelegenheit

Bahr fordert Konsequenzen aus Organspende-Skandal

+
Skandal an Göttinger Uniklinik: Ein ehemaliger Oberarzt steht im Verdacht, in mehr als 20 Fällen Krankendaten manipuliert zu haben.

Göttingen/Washington/Braunschweig - Konsequenzen aus dem Organspende-Skandal an der Göttinger Uniklinik hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) gefordert. Wenn sich die Vorwürfe bestätigten, „sind Konsequenzen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Verfahrensregeln zu ziehen.

Das muss man in Ruhe betrachten und diskutieren“, sagte Bahr der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Welt-Aidskonferenz in Washington am Sonntag (Ortszeit). Ein 45 Jahre alter Oberarzt der Klinik steht unter Verdacht, Akten gefälscht und so dafür gesorgt zu haben, dass die eigenen Patienten beim Empfang von Spenderlebern bevorzugt wurden. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig stellt sich in dem Fall auf lange Ermittlungen ein. Bei der Uniklinik gibt es nach wie vor keine Hinweise auf weitere Verdächtige, die sich an kriminellen Machenschaften beteiligt haben könnten. „Die Akten werden momentan gesichtet“, sagte ein Sprecher am Montag.

„Ich begrüße, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ich begrüße ausdrücklich, dass jetzt eine Diskussion unter den Transplantationsmedizinern und der Ärzteschaft begonnen hat“, sagte Bahr. „Die Vorwürfe, die im Raum stehen, haben uns alle geschockt“, ergänzte er. „Sie müssen dazu führen, dass wir auch Konsequenzen daraus ziehen und in erster Linie sind hier die Ärzteschaft und unabhängige Institutionen gefordert.“ Der Minister deutete an, dass der Skandal auch Folgen für die Bereitschaft zur Organspende haben könnte. „Ich kann nur alle in der Bevölkerung auffordern, nicht nachzulassen, denn der falsche Schluss wäre, aus diesen Vorwürfen jetzt die Organspendebereitschaft zurückzunehmen.“ Die 25 Fälle, die untersucht werden, stammen nach Angaben der Uniklinik aus den Jahren 2010 und 2011. Der Mediziner war seit 2008 an der Uniklinik beschäftigt. Alle 25 Fälle müssten auf mögliche Straftatbestände hin geprüft werden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Klinikleitung werde in Kürze die von der Bundesärztekammer zusammengestellte Liste mit den Verdachtsfällen übergeben. Gegen den Mediziner läuft ein Verfahren wegen Bestechlichkeit. Der Arzt, der seit November vom Dienst suspendiert ist, hat die Vorwürfe gegenüber der Klinikleitung nach Angaben eines Unisprechers nie zugegeben. dpa

Quelle: kreiszeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare