Organspende-Skandal: Kreis der Beschuldigten deutlich ausgeweitet

Göttingen - Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat die Zahl der Beschuldigten im Göttinger Organspende-Skandal erheblich ausgeweitet.

Es werde inzwischen gegen 26 Mitarbeiter der Universitätsmedizin ermittelt, die an fragwürdigen Leber-Transplantationen beteiligt gewesen sein sollen, sagte Sprecherin Birgit Seel am Montag und bestätigte damit Medienberichte.

Der Hauptbeschuldigte, der frühere Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin, sitzt seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge und versuchter Totschlag in mehreren Fällen vorgeworfen. Er soll medizinische Daten so manipuliert haben, dass seine Patienten bevorzugt Organe erhielten. Andere schwerkranke Menschen rutschten dadurch auf der Liste nach unten und sind möglicherweise gestorben. Die Zahl dieser Fälle könnte rund 60 betragen, sagte Seel.

Es werde nun geprüft, ob andere, die an den Organ-Vergaben beteiligt waren, etwas von den Manipulationen wussten oder ahnten, sagte Seel. Diese wurden vorsorglich als Beschuldigte geführt. Sollten sie etwas von den Machenschaften gewusst haben, hätten sie als Mittäter das Recht zu schweigen. Wenn sie dennoch aussagen, könnten diese Angaben - anders als wenn sie als Zeugen vernommen würden - später auch vor Gericht verwendet werden.

Der Anwalt des inhaftierten Arztes hat unterdessen Haftbeschwerde eingelegt. Darüber habe das zuständige Gericht noch nicht entschieden, hieß es am Montag bei der Staatsanwaltschaft. dpa

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