Lauterbach warnt vor schweren Wochen

Omikron wütet in Niedersachsen: Inzidenz in Delmenhorst erreicht 1248

  • VonFelix Busjaeger
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Die Coronazahlen in Niedersachsen steigen durch die Ausbreitung des Omikronvirus wieder. Als erster Kreis in Niedersachsen überschreitet Delmenhorst die 1000er-Schwelle.

Hannover/Berlin – Die Omikron-Virusvariante bestimmt weiter das Leben in Deutschland: Nachdem im Herbst 2021 die Deltavariante bundesweit dominant war, hat inzwischen die Mutation aus Südafrika übernommen und treibt vielerorts die Inzidenzen in die Höhe – trotz örtlich hoher Impfquoten oder verabreichten Booster-Impfungen. Auch vor Niedersachsen macht Omikron trotz neuer Corona-Verordnung nicht Halt. Bremen hat zwar bundesweit die beste Impfquote, allerdings schlug die Variante hier besonders hart zu und vierstellige Inzidenzen waren die Folge. Ein Stadtkreis aus Niedersachsen zog nun nach: In Delmenhorst betrug die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag, 16. Januar, 1.248. Auch in anderen Kreisen steigt die Zahl der Corona-Erkrankungen deutlich an.

Corona-Inzidenz in Niedersachsen: Lauterbach warnt vor schweren Wochen

Deutsches Land:Niedersachsen
Fläche:47.614 km²
Bevölkerung:7,982 Millionen (2019)
Hauptstadt:Hannover

Dem Bundestrend folgend erreicht die Inzidenz in Niedersachsen ebenfalls neue Höhen und beträgt nach Informationen des Robert Koch-Instituts nun 417,1 Fälle pro 100.000 Einwohner (Vortag: 402,5). Währenddessen hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz einen neuen Höchstwert erreicht und beträgt am Sonntagmorgen 515,7 – erstmals wurde damit die Schwelle von 500 überschritten. Angesichts der steigenden Infektionszahlen und der Patientenzahlen in den Krankenhäusern malt Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) für die kommenden Wochen ein düsteres Bild und stimmt auf schwere Wochen ein. Das Ende von Corona ist noch nicht erreicht.

Die Inzidenzen im Niedersachsen steigen. Delmenhorst führt mit einer Inzidenz von 1248 die Liste an.

Gegenüber der Bild am Sonntag sagte der Politiker: „Wir dürfen uns mit Blick auf die aktuell sinkenden Krankenhauszahlen insbesondere auf den Intensivstationen nicht in Sicherheit wiegen.“ Er erklärte, dass sich die Situation in den Kliniken wieder verschärfen werde. Momentan würden vor allem Jüngere erkranken. Wenn sich die Älteren infizierten, werde die Zahl der Klinikeinweisungen wieder steigen. „Da kann es, je nach Entwicklung, nicht nur bei den Intensivstationen knapp werden, sondern auch auf den normalen Stationen. Es droht die Schließung ganzer Abteilungen“, so Lauterbach.

Omikron-Welle in Deutschland: Erste Krankenhäuser spüren Anstieg der Patientenzahlen

Während die Situationen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser derzeit noch keine dramatischen Züge erreicht, spüren die Kliniken laut Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) allerdings bereits erste Auswirkungen durch die Omikron-Welle in Deutschland. Auf den Normalstationen in besonders stark betroffenen Region – insbesondere in Bremen, Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein – ist ein Anstieg der Patientenzahlen spürbar. „Im Unterschied zu vorangegangenen Wellen werden Patienten in den kommenden Wochen aber wohl vermehrt in den Normalstationen ankommen, da die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlauf zu haben, bei Omikron geringer ist“, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, der Augsburger Allgemeinen.

Ministerpräsidentenkonferenz: Entscheidung über schärfere Corona-Regeln am 24. Januar

Angesichts der zunehmenden Omikron-Fälle in Deutschland könnte in den kommenden Tagen über eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen diskutiert werden. Der Bild am Sonntag sagte Lauterbach allerdings: „Wir wollen keinen Lockdown verhängen oder die Schulen schließen.“ Ob die derzeit geltenden Corona-Regeln ausreichen, werde bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 24. Januar entschieden. Er verdeutlichte aber die große Wirkung der Booster-Impfung: „Ich halte aus medizinischen Gründen viel davon, bei den Booster-Anreizen nachzulegen. Also, dass es einen noch größeren Unterschied macht, ob ich die dritte Impfung habe oder nicht“, so Lauterbach.

Booster-Impfung: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wirbt für Auffrischungsimpfung

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erklärte in dem Zusammenhang mit der Auffrischimpfung, dass eine mögliche Impfpflicht in Deutschland gegen das Coronavirus drei Spritzen umfassen sollte. „Eine vollständige Impfung besteht aus drei Dosen. Vollständig Geimpfte sind gegen alle Corona-Varianten – zumindest vor schwerer Krankheit und Tod – geschützt. Daran muss sich die Impfpflicht orientieren“, sagte er der Bild am Sonntag. Eine mögliche Impfpflicht in Deutschland sorgt seit Wochen für politischen Sprengstoff. Auch die Ampelregierung von Olaf Scholz (SPD) ist sich in ihren Reihen uneins über ein allgemeingültiges Gesetz. Weil auf mehreren Kreuzfahrtschiffen Corona ausgesprochen ist, wird auf den Schiffen im großen Stil Booster-Impfungen verabreicht.

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„Das Varianten-Alphabet wird nicht mit Omikron enden.“ Lauterbach hält es für möglich, dass man im Herbst mit einem mutierten Delta-Typ umgehen müsse. Einige Experten halten deshalb eine vierte Impfung gegen Corona für notwendig. Wer jetzt als Ungeimpfter an Omikron erkranke, hätte im Herbst gegen eine neue Delta-Variante wahrscheinlich einen Infektionsschutz von deutlich unter 50 Prozent, so Lauterbach. „Ohne zusätzliche Impfungen wären diese Menschen dann stark gefährdet. Es führt daher kein Weg an der Impfung vorbei.“ Währenddessen können einige Arbeitnehmer in Deutschland auf einen Corona-Bonus hoffen.

Corona in Niedersachsen: Mehrere Kreise über 600er-Inzidenz – Winterruhe weiter in Kraft

Auch trotz hoher Impfquote macht das mutierte Coronavirus dennoch nicht vor den nördlichen Bundesländern Halt. Neben Delmenhorst haben die Kreise Verden (830), Osterholz (685), Harburg (672), Vechta (649), Oldenburg (603) und Salzgitter (602) Inzidenzen, die über der Schwelle von 600 liegen. Als einziger Kreis in Niedersachsen liegt Wittmund (150) weiter unter der 200er-Grenze. Laut RKI gibt es zudem vier weitere Todesfälle durch oder mit Corona in Niedersachsen. Damit stieg die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind, auf 6994. 

Während die Landesregierung von Stephan Weil (SPD) die Winterruhe in Niedersachsen verlängert hat, stagniert die Hospitalisierungsrate in Niedersachsen bei 4,7 (Stand: 15. Januar). Der Wert gibt an, wie viele Neuaufnahmen von Corona-Erkrankten in Krankenhäuser es in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner gab. Die Auslastung der Intensivstationen betrug am 15. Januar 6,3 Prozent und liegt damit leicht unter den Werten von Anfang der Woche. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: ©  Peter Kneffel/dpa

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