Auffrischungsimpfung

Omikron-Studie: Booster-Impfung schützt auf Dauer nicht vor Corona-Variante

Ein Mitarbeiter eines Impfzentrums nimmt eine Impfdose vom Impfstoff Astrazeneca vom Tisch. Links im Bild steht eine Impfdose vom Impfstoff Biontech, rechts im Bild steht eine Impfdose vom Impfstoff Moderna.
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Omikron hat Deutschland fest im Griff. Derweil zeigen verschiedene Studien, dass Geboosterte und Genesene auf Dauer nicht Corona-Variante geschützt sind.

Omikron-Studien aus verschiedenen Ländern machen deutlich, dass weder Geboosterte noch Genesene dauerhaft vor der hochansteckenden Corona-Variante geschützt sind.

Hannover – Omikron breitet sich immer schneller aus. In Niedersachsen hat die Landesregierung in Hannover bereits vor Weihnachten mit dem Lockdown light* und der Verlängerung der Weihnachtsruhe* Schritte eingeleitet, um die Ausbreitung der Corona-Variante einzudämmen. Dennoch bleiben die Corona-Zahlen bundesweit undurchsichtig. Da kommen die aktuellen Daten der britischen Gesundheitsbehörde und diverse Omikron-Studien aus verschiedenen Ländern, die vermuten lassen, dass der Schutz einer Booster-Impfung offenbar nicht von Dauer gegen die hochinfektiöse Corona-Mutante ist, eher ungelegen.

Vor allem, wenn man bedenkt, wie viele Bürgerinnen und Bürger sich in Deutschland bei unangenehmem Temperaturen die Beine für die Auffrischungsimpfung in den Bauch stehen.

Booster-Impfung gegen Omikron: Drittimpfung als Schutz vor hochansteckender Corona-Variante wohl nicht von Dauer

Auch, wenn die Booster-Impfung gegen Omikron laut der britischen Gesundheitsbehörde wohl nicht von Dauer ist und der Schutz der Drittimpfung nach Wochen deutlich sinkt*, heißt das aber nicht, dass eine Auffrischungsimpfung gegen eine Infektion mit der hochansteckende Corona-Variante ein sinnloses Unterfangen wäre. Ganz im Gegenteil.

Dennoch bereitet der Bericht der UK Health Security Agency vom 23. Dezember 2021 ein wenig Unbehagen, da die Wirksamkeit einer Booster-Impfung bei Omikron bereits nach zehn Wochen um 15 bis 25 Prozent fällt. Die Werte unterscheiden sich allerdings je nach Corona-Vakzin voneinander.

Omikron-Studie: Booster-Impfung mit Moderna erzielte im Gegensatz zu AstraZeneca und Biontech die besten Werte

Bei der Booster-Impfung erzielte nach der Datenlage der Corona-Impfstoff von Moderna bei der Kreuzimpfung die besten Werte gegen die Corona-Variante Omikron*. Die Ergebnisse der Omikron-Studie* legen offen, dass Personen, die als Grundimmunisierung (die Erst- und Zweitimpfung) zwei Dosen von AstraZeneca gespritzt bekommen hatten, fiel die Effektivität des Vektorimpfstoffes von 60 auf 35 Prozent, wenn in der Folge der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer verabreicht wurde. Gleichzeitig zeigt die Omikron-Studie, dass bei einer Auffrischungsimpfung mit Moderna die Effektivität vergleichsweise nur auf 45 Prozent fiel.

Auf der anderen Seite zeigte die Auswertung der Omikron-Studie aus dem Vereinigten Königreich, dass bei jenen Personen, deren Grundimmunisierung mit dem Impfstoff von Biontech durchgeführt worden war, die Wirksamkeit nach einer dritten Impfung mit dem Vakzin von 70 auf 45 Prozent abflachte. Bekamen die Menschen ihre Booster-Impfung allerdings von dem mRNA-Impfstoff von Moderna, zeigte sich in den Daten, dass bis zu neun Wochen nach der Auffrischungsimpfung der Schutz vor Omikron sich bei 70 bis 75 Prozent bewegte.

Die Datenlage zu Moderna als Erst- und Zweitimpfung war nicht Teil der neuen Omikron-Studie. Denn nur sehr wenige Personen in Großbritannien haben als Grundimmunisierung den Impfstoff von Moderna verabreicht bekommen, sodass die Zahlen nicht aussagekräftig genug waren, um in die statistische Erhebung miteinzufließen. Dennoch werfen die Ergebnisse die Erkenntnis auf, dass die Testpflicht für Geboosterte* vielleicht doch nicht wegfallen sollte, um einer möglichen fünften Welle weiteren Wind aus den Segeln zu nehmen.

Corona-Variante: Datenlage eindeutig – Omikron infiziert neben Geboosterten auch Genesene

In den Daten aus Großbritannien wird zudem die Frage aufgeworfen, ob neben dem Schutz für Geboosterte durch die Impfstoffe ebenfalls die Sicherheit vor einer Ansteckung mit Omikron nach einer bereits überstandenen Corona-Infektion abfallen könnte. Laut der Studie konnte nachgewiesen werden, dass 9,5 Prozent der Omikron-Fälle bereits eine Corona-Infektion überstanden hatten und sich dennoch mit Omikron ansteckten.

Des Weiteren geht die britische Gesundheitsbehörde davon aus, dass die Dunkelziffer dieses Anteils an Infektionen mit Omikron nach bereits überstandener Corona-Erkrankung noch deutlich höher liegt. Ein Umstand, der jene zwei Faktoren für eine mögliche „Superimmunität“ gegen Omikron* zumindest infrage stellt.

Impfdurchbruch mit Omikron: Infektionsrisiko trotz Booster-Impfung weiter vorhanden

Nichtsdestotrotz scheint die Möglichkeit eines Impfdurchbruches mit Omikron bei Menschen mit einer Booster-Impfung* höher zu liegen. Dies scheint jedenfalls ein Omikron-Ausbruch mit symptomatischen Verläufen im Dezember auf den Färöer Inseln zu bestätigten.

Eine bisher nicht verifizierte Omikron-Studie der hiesigen Universität, der Gesundheitsbehörde und des Klinikums, die seit dem 23. Dezember 2021 als preprint auf „medRxiv“ im Umlauf ist, behandelt einen Omikron-Ausbruch bei einem privaten Treffen unter geboosterten und getesteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gesundheitswesens. Laut der Studie von den Färöer Inseln haben sich bei diesem Treffen insgesamt 21 von 32 der geboosterten und getesteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer angesteckt.

Omikron-Infektion trotz kürzlicher Booster-Impfung – für Ungeimpfte und Genesene sind weiter Untersuchungen nötig

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Omikron-Variante starke Immunflucht-Eigenschaften aufweist und dass sogar Personen, die kürzlich geboostert wurden, einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind“, heißt vonseiten der Autorinnen und Autoren in der Studie zum Impfdurchbruch von Omikron.

Es sei aber „wahrscheinlich, dass die Impfung auch bei Omikron* vor schweren Erkrankungen schützt“. Unklar sei hingegen, ob sich die Ergebnisse der Studie auf Menschen übertragen ließen, die weder eine Infektion durchgemacht haben noch geimpft sind. Dazu seien weitere Untersuchungen erforderlich.

Corona-Studie aus Göttingen: „Für die Covid-19-Therapie verfügbare Antikörper wirkungslos“ gegen die Corona-Variante

Diese unternahmen unter anderem ein Expertenteam bestehend aus Forschern am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) Göttingen und mehreren Universitäten, so der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). In der Göttinger Omikron-Studie untersuchten die Forscherinnen und Forscher mit Zellkulturen, wie effizient Antikörper von Genesenen und Geimpften die Omikron-Variante neutralisieren*.

Das Ergebnis der aktuellen Studie lege nahe, „dass die meisten gegenwärtig für die Covid-19-Therapie verfügbaren Antikörper gegen Omikron wirkungslos sein werden“, erklärte Dr. Markus Hoffmann vom DPZ gegenüber der „Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen (HNA)“. „Der Antikörper Sotrovimab aber ist eine Ausnahme, könnte wichtiger Bestandteil der Behandlung von Omikron-Patienten werden.“

Göttinger Corona-Studie: Antikörper von Genesenen neutralisieren und schützen kaum gegen Omikron

Zentraler Teil der Forschung waren ungefährliche virusähnliche Partikeln, die das Omikron-Spike tragen und sich so ausgezeichnet für eine aussagekräftige Analyse eignen. Dabei legten die Experten besonderes Augenmerk darauf, ob Antikörper von Erkrankten aus der ersten Corona-Welle in Deutschland auch vor Omikron schützen.

Das Resultat gestaltete sich nach den Ergebnissen der Studie gegenüber dem Immunschutz vor Omikron von Genesenen eher ernüchternd. „Es ist davon auszugehen, dass diese Personen keinen robusten Immunschutz gegen die Omikron-Variante aufweisen.“ Das Fazit der Forscher fiel daher wie folgt aus: „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Antikörpertherapien für Covid-19 an Omikron angepasst werden müssen. Auch eine Anpassung des Biontech-Pfizer Impfstoffes sollte erwogen werden.“

Omikron-Studie aus Südafrika: Im Mittelpunkt der Forschung steht eine geboosterte deutsche Reisegruppe

Ebenfalls einen Ausbruch mit Omikron unter Geboosterten behandelt eine Studie aus Südafrika, an der der Virologe Wolfgang Preiser von der University of Stellenbosch beteiligt war, der Teil des Forschungskonsortiums ist, das die Corona-Variante im November entdeckt hatte. Im Mittelpunkt der im „Social Science Research Network“ veröffentlichten Omikron-Studie steht eine siebenköpfige geboosterte deutsche Reisegruppe.

Fünf haben alle drei Impfungen mit Biontech/Pfizer bekommen, einer wurde zweimal mit Biontech/Pfizer geimpft und dann mit Moderna geboostert, einer erhielt als erste Dosis Astrazeneca sowie als zweite und dritte Biontech/Pfizer. Die Auffrischung hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Oktober oder November erhalten. Sechs sind jünger als 30 Jahre, einer ist 39, niemand wies relevante Vorerkrankungen auf.

Weitere Corona-Studien: Omikron-Symptome trotz Booster-Impfung bestätigt – Mutante unterwandert Immunschutz

Alle Infizierten entwickelten laut der Studie Symptome der Corona-Variante Omikron*. Die symptomatischen Verläufen verliefen jedoch durch die Bank weg mild. Dennoch ließen sich mehr typische Omikron-Symptome ausmachen, die auf eine Infektion mit der neuen Corona-Variante hinwiesen, als es bisher bei anderen Corona-Infektionen der Fall war. Nach der Auswertung der gesammelten Daten entfielen auf Halsschmerzen 85,7 Prozent, woraufhin Müdigkeit und Kopfschmerzen am häufigsten auftraten. Außerdem kam es zu trockenem Husten, Druck auf Brust und den Nebenhöhlen sowie Schnupfen und Übelkeit. Ein Infizierter litt unter Nachtschweiß, in einem Fall traten Geruchs- und Geschmacksstörungen auf. Von dem neuen Omikron-Symptom Appetitlosigkeit*, war jedoch nicht die Rede.

In zwei weiteren vor Weihnachten erschienenen, allerdings auf Labortests basierenden Studien wird Omikron ebenfalls die Fähigkeit bescheinigt, den Immunschutz unterlaufen zu können. Das Ergebnis eines der Teams, die die Studie in Hongkong erhoben, lautet: Die Omikron-Variante zwinge zur Entwicklung „neuer Interventionen, die die evolutionäre Entwicklung von Sars-CoV-2 vorwegnehmen“.

Infiziert trotz Booster-Impfung: Häufige Symptome bei Omikron sind Müdigkeit, Fieber sowie Muskel- und Gelenkschmerzen sowie kürze Inkubationszeit

Alle Corona-Studien haben eines gemein: Bei allen Infizierten mit der Corona-Variante Omikron seien Symptome aufgetreten. Am häufigsten Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit und Fieber identifiziert. Die symptomatischen Beschwerden hielten bei den meisten zwischen einem Tag und neun Tagen an. Einige wenige Personen klagten auch nach Ablauf der Beobachtungszeit über anhaltende Omikron-Symptome. Festzuhalten ist allerdings, dass niemand der Teilnehmenden aufgrund des Gesundheitszustandes in eine Klinik eingewiesen werden musste.

  • Omikron: Mögliche Symptome der neuen Corona-Variante
  • Halsschmerzen
  • Fieber
  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Erschöpfung
  • Müdigkeit
  • Niesen
  • Schnupfen
  • Übelkeit
  • Trockener Husten
  • Druck auf der Brust
  • Nachtschweiß
  • Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Kürzere Inkubationszeit (drei anstatt sechs Tage)

Besonders auffällig ist jedoch die kürzere Inkubationszeit im Vergleich zu früheren Corona-Varianten wie etwa Delta oder auch Alpha. Diese lag im Durchschnitt bei drei Tagen, was einem deutlichen Unterschied gleichkommt, da die Inkubationszeit sich zuvor bei etwa sechs Tagen eingependelt hatte.

Omikron-Welle: Virologen wie Drosten und Streeck sowie Gesundheitsminister warnen vor Corona-Variante

Während die Corona-Inzidenz in Großbritannien wegen Omikron explodiert* warnen auch in Deutschland Experten wie Christian Drosten oder Hendrik Streeck vor der Omikron-Welle. Drosten erklärte in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“, dass „Omikron die Regeln macht“*. Unterdessen wies der Virologe Streeck eindringlich auf eine leichtsinnige „Durchseuchung mit der Corona-Variante“* hin und stellte gegenüber der dpa eine düstere Prognose in Aussicht, dass sich jeder darauf vorbereiten müsse, „in seinem Leben doch mal positiv auf Corona getestet zu werden“*.

Unlängst hatte sich Christian Drosten noch zu Corona-Studien aus Großbritannien und Südafrika positiv geäußert und die Corona-Erkenntnisse als „wegweisend“* bezeichnet. Zudem teilte der Virologe „erfreuliche“ Corona-Details*. Aktuell meldete sich auch der Bundesgesundheitsminister in der Causa Omikron zu Wort. Nach Einschätzung von Karl Lauterbach sei die Inzidenz in Deutschland zwei bis drei Mal höher*, als angegeben. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de, fr.de, hna.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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