Corona-Höhepunkt für Februar erwartet

Omikron: So ist die Lage in den Kliniken – „das Personal ist der Engpass“

Drei Pfleger kümmern sich auf einer Intensivstation um einen Corona-Patienten.
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Macht sich die Ausbreitung der Omikron-Variante auch spürbar in Kliniken, Krankenhäusern und auf Intensivstationen bemerkbar? (Symbolbild)

Omikron hat auch den Norden fest im Griff. Doch wie sehr nimmt die Corona-Variante Einfluss auf die Arbeit der Kliniken in Bremen und Hamburg?

Bremen/Hamburg – Bundesweit sehen sich die Menschen mit dem Aufkommen und der rasanten Verbreitung von Omikron konfrontiert. Auch der Norden bleibt von der Corona-Variante nicht verschont. Immerhin: die Kliniken der bereits früh von Omikron getroffenen Städte Bremen und Hamburg kommen bislang ohne größere Probleme durch die Infektionswelle. Frei von Sorgen sind sie aber nicht.

Omikron: Hohes Aufkommen in Bremen und Hamburg – Corona-Variante stellt Bundesländer vor Herausforderungen

Das große Problem der Kliniken in Bremen und Hamburg: immer mehr Patienten sind mit Corona infiziert, obwohl sie nicht wegen einer Covid-19-Infektion, sondern aus anderen Gründen eingeliefert wurden. Dadurch wird die Behandlung auf den Normalstationen deutlich aufwendiger. Und auch der Ausfall von Krankenhauspersonal durch Krankheit oder Quarantäne bereitet Probleme.

Bremen, dem bundesweiten Spitzenreiter hinsichtlich der Inzidenz, sowie Hamburg gehörten zu den ersten Großstädten, in denen die Corona-Fallzahl enorm schnell nach oben schossen. Die Infektionsrate ist hier jeweils deutlich höher als in anderen Regionen Deutschlands. Doch sind Vergleiche nur eingeschränkt möglich. Schließlich gehören beide Bundesländer auch zu den Spitzenreitern bei den Impfquoten.

Corona-Lage in Bremer Kliniken: Trotz Omikron-Variante keine Verschärfung – doch Inzidenz bleibt hoch

Wie die dpa unter Berufung auf die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKD) in Berlin mitteilt, ist die Belegung der Normalstationen in der dritten Januarwoche 2022 bundesweit um 3,5 Prozent gestiegen. In Schleswig-Holstein belaufe sich die Zunahme auf 22 Prozent. Bremen, Hamburg und Berlin liegen zwischen 10 und 15 Prozent.

Belastung ja, Überlastung nein.

Ein Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) äußert sich gegenüber der dpa zur Corona-Lage der Kliniken

In Bremen habe sich die Situation auf den Kliniken trotz des Omikron-Aufkommens nicht verschärft. De facto weist das kleinste Bundesland seit mehreren Wochen aber die höchste Infektionsrate auf. Der bisherige Spitzenwert datiert vom 14. Januar 2022. An diesem Datum lag die Corona-Inzidenz bei einem Wert von 1427,2.

Corona-Lage in Hamburger Kliniken: Lage noch „handhabbar“ – da Omikron bei Geimpften nicht immer zu schweren Verläufen führt

Im Nachbarbundesland Hamburg gestaltet sich die Corona-Lage nicht viel rosiger*. Nach Angaben vom Robert Koch-Institut (RKI) hat der Stadtstaat zum Ende der dritten Januarwoche 2022 die Marke von 1300 überschritten. Dennoch sei die Lage „handhabbar“. So formuliert es Stefan Kluge, Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Was aber stimmt Kluge so optimistisch? „Die gute Nachricht ist, dass aktuelle Daten aus unterschiedlichen Ländern zeigen, dass das Risiko, mit einer Omikron-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, im Vergleich zur Delta-Variante* um mehr als die Hälfte reduziert wird“. Damit spricht der Professor ein altbekanntes Thema an.

Zwar sei Omikron viel leichter übertragbar als beispielsweise die Delta-Variante. Doch führe Omikron vor allem bei Menschen, die bereits ihre Booster-Impfung erhalten haben, über alle Altersgruppen hinweg nicht zu so schweren Verläufen.

Corona-Problem der Kliniken: Nicht alle Patienten an Covid-19 erkrankt – Einlieferung wegen anderer Diagnosen

„Wir beobachten, dass die Patienten, die wir derzeit versorgen, weniger schwer erkrankt sind und die durchschnittliche Verweildauer geringer geworden ist“, heißt es in diesem Kontext von Florian Friedel, dem Geschäftsführer des Delme-Klinikums in Delmenhorst. Dabei seien neun von zehn Covid-Patienten ungeimpft.

Bei den Bremer Krankenhauseinweisungen infizierter Personen wiederum sei nur rund ein Drittel tatsächlich an Covid-19 erkrankt. Laut Lukas Fuhrmann, dem Sprecher des Gesundheitsressorts, kämen zwei Drittel der Patienten wegen anderer Diagnosen – und seien „nur“ zusätzlich mit Corona infiziert.

Unterscheidung zwischen mit Corona infiziert und an Covid-19 erkrankt – Vermischung von Daten

Weniger Arbeit bedeutet das aber nicht. Denn „mit Corona infizierte Patientinnen und Patienten können einen ähnlichen hohen Aufwand verursachen wie tatsächlich an Covid-19 Erkrankte“, sagt DKD-Vorstandsvorsitzender Gerald Saß. Diese Patienten müssten nämlich isoliert untergebracht werden.

Und das Personal, das sie betreue, könne nicht in Bereichen mit Nicht-Infizierten eingesetzt werden. Deshalb fordert die Deutsche Stiftung Patientenschutz, die Belastung von Normalstationen täglich genauso zu erfassen wie die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Kranken. Zudem sollten auch Zahlen von corona-infizierten Patienten mit anderen Diagnosen täglich ermittelt werden. Das fordert Geschäftsführer Eugen Brysch.

Omikron-Lage in den Krankenhäusern spätestens Anfang Februar „sehr eng“

Bleibt die Frage, wie sehr sich ein weiterer Anstieg von Omikron-Fällen, wie von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) prognostiziert, auf die Hospitalisierungsrate auswirkt. Und, wie sehr Krankenhäuser und Kliniken, im Speziellen die Intensivstationen, mit dem „Omikron-Höhepunkt“ zu kämpfen haben werden.

Die Ärzteorganisation Marburger Bund sieht die Kliniken aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen schon zeitnah an ihrer Belastungsgrenze angekommen. „Spätestens Anfang Februar wird es in den Krankenhäusern deutschlandweit sehr eng werden, wenn die Infektionszahlen weiterhin in diesem Tempo steigen“, wird die Vorsitzende Susanne Johna von der Funke-Mediengruppe zitiert.

„Das Personal ist der Engpass“: Wie ungehen mit Omikron bedingten Ausfällen in Kliniken?

Dabei würde es jedoch nicht nur um steigende Patientenzahlen gehen. „Wir erwarten, dass in den kommenden Wochen sehr viele Beschäftigte des ärztlichen und pflegerischen Personals ausfallen werden, weil sie sich infiziert haben und in Isolation müssen“, sagt Johna. Das würde sowohl für den ambulanten als auch den stationären Versorgungsbereich gelten.

Zudem befürchtet die Vorsitzende vom Marburger Bund, „dass die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr dem üblichen Standard entsprechen wird“ – wenn die Infektionszahlen weiterhin rapide ansteigen sollten. Anders als in der ersten Phase der Pandemie würde es jetzt auch nicht mehr um zu wenig Technik oder zu wenige Beatmungsgeräte gehen. „Das Personal ist der Engpass“. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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