Ohne Schrott kein Stahl

Salzgitter - Von Klaus Sievers. Stahl ist ein Musterbeispiel für das Recycling eines Werkstoffs. Fast die Hälfte der deutschen Stahlproduktion entsteht bereits aus Schrott. In Salzgitter gibt es den größten Schrottplatz Deutschlands.

Auf dem Gelände so groß wie 50 Fußballfelder türmt sich Abfall aus Stahl aller Arten, Formen und Qualitäten: Von Autowracks über ausrangierte Waschmaschinen und Weißblechdosen bis zu schweren Bauträgern. Der Schrott wird auf dem größten Schrottplatz Deutschlands in Salzgitter sortiert, gepresst, zerschnitten oder in einer riesigen Schredderanlage mit lautem Getöse zu handtellergroßen Stahlstücken zerschlagen. Er wird so zu einem wichtigen Sekundärrohstoff.

Autowracks, Waschmaschinen, Weißblechdosen...

Ohne Schrott kein Stahl

Ohne Schrott kein Stahl

Jährlich rund 600 000 Tonnen Schrott verarbeitet die Deumu Deutsche Erz- und Metall-Union, eine Tochtergesellschaft des Stahlkonzerns Salzgitter AG.„Wir sind einer der größten Schrotthändler in Deutschland“, sagt Geschäftsführer Detlef Alsleben. In konjunkturell normalen Jahren kauft die Deumu rund 2,2 Millionen Tonnen unsortierten oder bereits aufbereiteten Stahlschrott - davon gehen 80 Prozent in die beiden eigenen Stahlwerke des Konzerns.

Denn ohne Schrott gibt es keinen Stahl. Im Elektrostahlwerk Peine wird ausschließlich Schrott eingesetzt. Und im Konverter-Stahlwerk Salzgitter wird bis zu 30 Prozent Schrott als Kühlmittel zugegeben, wenn das Roheisen bei großer Hitze durch Einblasen von Sauerstoff vom Kohlenstoff gereinigt wird.„Stahl ist ein Musterbeispiel für das echte volle Recycling eines Werkstoffs“, betont Alsleben. Nahezu aller Stahlschrott, der hierzulande anfällt, werde gesammelt, aufbereitet und wieder eingesetzt. Fast die Hälfte der jährlichen deutschen Stahlproduktion entsteht nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl bereits aus Schrott. Der große Vorteil von Stahl: Er kann beliebig oft ohne Qualitätsverluste recycelt werden. Das bringt auch ökologisch viel: Beim Einsatz von Stahlschrott wird, so der Branchenverband, rund die Hälfte an Energie gespart, der Ausstoß von Kohlendioxid noch stärker reduziert und deutlich weniger Erz-Rohstoff benötigt.

„Der Schrottmarkt ist allerdings ein hektischer und kurzfristig organisierter Markt, auf dem es seit der Weltwirtschaftskrise im Vorjahr heftige Preis- und Mengenschwankungen gibt“, erläutert Alsleben. Deshalb sei der eigene Schrottplatz ein guter Puffer, um solche extremen Marktbewegungen aufzufangen. Die Deumu hat rund 250 Schrott-Lieferanten in ganz Europa. Die Kontrakte werden nur auf überschaubarer Monatsbasis abgeschlossen, weil schließlich aller Schrott erst einmal an der Basis gesammelt werden muss.Das erfordert ein großes Logistik-Netzwerk. Alsleben: „Allein ins Elektrostahlwerk Peine müssen bei vollem Betrieb täglich rund 3000 Tonnen Schrott angeliefert werden - vor allem per Bahn, aber auch per Schiff auf dem Mittellandkanal oder per Lkw“.

Künftig wird es noch viel mehr werden. Der Konzern baut in Peine für rund 100 Millionen Euro einen zweiten Elektro-Ofen, mit dem die Produktionskapazität auf 1,9 Millionen Tonnen Stahl jährlich verdoppelt wird. Zugleich werden in Peine und Salzgitter zusätzliche Schrottlager eingerichtet, die Logistik erweitert und die beiden Träger-Walzwerke modernisiert. Insgesamt investiert der Konzern am Standort Peine rund 400 Millionen Euro - sozusagen antizyklisch.Der neue Elektro-Ofen soll im Frühjahr nächsten Jahres in Betrieb gehen. Wann beide Öfen voll ausgelastet sein werden, das hängt von der Entwicklung der Konjunktur und der Stahlnachfrage ab.

Rubriklistenbild: © dpa

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