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Nutrias breiten sich rasant aus – und werden immer häufiger erlegt

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Von: Bjarne Kommnick

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Nutrias breiten sich immer mehr in Deutschland aus. Mittlerweile würden 57-mal so viele von ihnen erlegt werden wie noch vor 20 Jahren.

Hannover – Das aus Südamerika stammende Nutria breiten sich in Niedersachsen und im Rest von Deutschland immer weiter aus. Das geht aus Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (DJV) zu der Biberratte hervor. Das Nagetier gehört in Mitteleuropa zu den sogenannten invasiven Arten, was bedeutet, dass sie nicht heimisch sind. Während sie beispielsweise in den Niederlanden als Ungeziefer klassifiziert sind, fallen sie in Niedersachsen unter das Jagdrecht.

57-fach so viele Nutrias erlegt wie noch vor 20 Jahren

Laut dem Deutschen Jagdverband wurden im vergangenen Jahr in 58 Prozent aller Jagdbezirke in Niedersachsen Nutrias gesichtet. Das entspreche eine Verdopplung gegenüber 2015. Im selben Zeitraum würden demnach in Bremen sogar 89 und in Hamburg 77 Prozent mehr Nutria-Sichtungen gemeldet worden seien, was laut DJV auch ein Indiz dafür sei, dass die Nagetiere sich in urbanen Regionen wohlfühlen würden.

Nutria im Wasser.
Früher waren Nutrias in Niedersachsen nicht zu Hause, doch mittlerweile breiten sie sich immer weiter aus. © Patrick Pleul/dpa

Innerhalb von zwei Jahrzehnten sei das Jagdergebnis des Nutrias sogar um das 57-fache gestiegen. In den Jahren 2020 und 2021 wurden demnach erstmals über 100.000 Nutrias in Deutschland erlegt. Der Jagdverband schreibt: „Laut Monitoring-Daten des Verbandes ist die Nutria inzwischen in allen Bundesländern vertreten – insbesondere entlang Ems, Weser, Elbe und gebietsweise Rhein“.

Nutrias zerstören Wasserschutzdämme und vernichten durch Fraß ganze Schilfgürtel

Das Nagetier würde durch unterirdische Gänge Wasserschutzdämme zerstören, und durch Fraß ganze Schilfgürtel vernichten, so der Verband, wie auch Schäden am Ufer der Hunte in Diepholz gezeigt hatten. „Jäger leisten in Deutschland einen wichtigen Beitrag für den Deich- und Artenschutz, indem sie die Nutria überwachen und bejagen. Das Nagetier aus Südamerika gehört zu den hundert weltweit besonders problematischen invasiven Arten“. Bereits vor rund drei Jahren erlaubte beispielsweise Bremen den Abschuss von Nutrias.

Generell würden sich Nutrias in ganz Deutschland ausbreiten, teilte der Jagdverband weiter mit. Von 2015 bis 2021 sei der Anteil der Jagdreviere mit Vorkommen von 20 auf 44 Prozent gestiegen. Wegen der steigenden Zahlen forderte der Deutsche Jagdverband ein Bekenntnis der Politik zur sogenannten Fangjagd für invasive Arten. Dabei werden die Tiere lebend gefangen.

Nabu kritisiert Nutria-Bejagung: Würde nicht „die aktuelle Ausbreitung verringern“

Die Nutrias würden sich in Deutschland vor allem aufgrund des Klimawandels ausbreiten, weil die Winter milder geworden sind und zudem Menschen die Tiere füttern würden. „Insgesamt über 70 Prozent aller Nutrias werden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen erlegt, danach folgt Sachsen-Anhalt mit 11 Prozent“.

Tierschützer sprechen sich nicht für den Abschuss von Nutrias aus. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schreibt dazu: „Generell setzt sich der Nabu dafür ein, dass nur noch elf Arten überhaupt gejagt werden dürfen. Neozoen, die aus wirtschaftlichen oder artenschutzrechtlichen Gründen lokal bekämpft werden, wie Bisamratte und Nutria, gehören nicht dazu“. Weiter heißt es: „Die Nutria zählt zu den invasiven Neozoen und gilt in Deutschland als etabliert. Eine reguläre Bejagung würde aber weder die aktuelle Ausbreitung noch die bisher erreichte Populationsdichte verringern“, so der Nabu.

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