Inhaber misstrauen Impfstoffen

„Nur Nicht-Geimpfte willkommen“: Trachtenladen sorgt für mächtig Ärger

Ein Trachtenladen in Bayern will nur Menschen reinlassen, die nicht geimpft sind. Weil sie den Corona-Impfstoffen nicht trauen. Die Aktion sorgt für riesigen Wirbel.

Hof – Der Trachtenlod‘n Wolperdingar im bayrischen Hof hat seit Kurzem einen Aushang im Schaufenster, der stutzig macht. „Bitte haben Sie Verständnis - Zutritt nur für Nicht-Geimpfte“ steht auf einem gelbem Zettel.

Stadt Hof
BundeslandBayern
Bevölkerung45.930 (2019)
Vorwahl09281

Trachtenladen-Besitzer fühlen sich unter Geimpften unwohl

Doch warum sind gegen das Coronavirus geimpfte Menschen unerwünscht? Das Ehepaar Norbert und Manuela Schuler, das den Trachtenlod‘n Wolperdingar seit 2015 führt, wolle sich so nach eigener Aussage „schützen“. Denn sie fühlen sich unter Geimpften unwohl, erzählen die Ladeninhaber dem Portal inFranken.de. Ein anderer Trachtenladen in Bayern musste ein Lederhosen-Modell für Damen zurückrufen – hier hat man offfenbar ganz andere Sorgen.

Auf Facebook hatte das ungewöhnliche Willkommensschild vor dem Trachtenlod‘n Wolperdingar für Wirbel gesorgt. Doch die Schulers lassen sich nicht beirren: „Wir stehen zu unserer Meinung, egal was andere davon halten“, sagen sie, und sind sich sicher, dass sie mit ihrer Meinung auch nicht alleine seien. Eigentlich haben Geimpfte mittlerweile mehr Freiheiten und Rechte.

Der Trachtenlod‘n Wolperdingar im bayrischen Hof will nur noch nicht-geimpfte Kunden.

Kein Zuritt für Geimpfte im Trachtenladen: Ehepaar vertraut Impfstoffen nicht

Viele Menschen fragen sich ja gerade: AstraZeneca, Biontech, Moderna – welches Vakzin ist eigentlich das beste? Die Antwort des Ehepaars Schuler lautet wahrscheinlich „Gar keins“ – denn offenbar haben sie ein Vertrauensproblem mit den Corona-Impfstoffen. Obwohl diese vom Paul-Ehrlich-Institut auf ihre Sicherheit überprüft sind.

Selbst die Bundesregierung betont, dass der Entwicklungsprozess der Impfstoffe schneller ging als gewöhnlich, aber dennoch genauso sorgfältig war. Schon bald könntemit „Novovax“ sogar noch ein neues Corona-Vakzin an den Start gehen.

Die Schulers beharren aber auf ihre Meinung. „Dieser Impfstoff ist nicht getestet“, behauptet Trachtenhändler Norbert Schuler. „Alle anderen Impfstoffe wurden immer getestet, das ist gar kein Problem. Aber diesem Mittel vertrauen wir nicht.“ Problem: Mittlerweile ist jeder Zweite der deutschen Bevölkerung mindestens einmal geimpft.*

Trachtenlod‘n Wolperdingar muss ordentlich Umsatz einbüßen

Das Ehepaar hat die Corona-Pandemie, die sich langsam entspannt, laut eigenen Angaben ohne Infektion überstanden. „Wir waren jetzt eineinhalb Jahre gesund und wollen es bleiben“, so Schuler. Gelitten hat aber ihr Geschäft. Der Trachtenlod‘n Wolperdingar musste rund 90 Prozent Umsatz einbüßen, weil er vor allem auf Saisonkunden wie Wiesn-Besucher angewiesen ist. Und das traditionelle Oktboberfest in München wurde erneut abgesagt.

Nur die Nicht-Geimpften sind willkommen.

Norbert Schuler

Nun, wo die Öffnung des Trachtenladens wieder möglich ist, wollen die Ladeninhaber klarmachen, wo sie mit ihrer Haltung gerade stehen. Die Kunden werden am Eingang gefragt, ob sie geimpft seien, so Norbert Schuler, „und nur die Nicht-Geimpften sind willkommen.“ 

Trachtenladen: Wie kontrolliert man eine Nicht-Impfung?

Wie man eine Nicht-Impfung überhaupt kontrollieren will und ob der Ausschluss von geimpften Menschen im Einzelhandel tatsächlich zulässig ist, ist eine ganz andere Frage. Steigern werden die Schulers ihren Umsatz mit diesem fragwürdigen Konzept allerdings nicht. Auch auf St. Peter-Ording hatte das eigenwillige Gastro-Konzept eines Gastronomen für Corona-Zoff gesorgt.

Auf der Facebook-Seite des Trachtenladens fragen sich die User in den Kommentaren, wie sich die Schulers das überhaupt vorstellen. „Oh, na da will ich mal sehen wie ihr überprüft ob jemand geimpft ist oder nicht. Kann jeder behaupten. Wenn denn überhaupt noch jemand kommt“, schreibt ein Nutzer.

Kein Zuritt im Trachtenladen: Facebook-User hinterfragen Konzept der Schulers

„Also - stellen wir uns mal vor - wir machen einen Einkauf für mehrere Tausend Euro - bei Trachten ja nicht schwer - und an der Kasse stellen wir fest, ich bin GEIMPFT  - Dann verzichtet man sicher gerne auf den Umsatz, ja? Als Kaufmann habe ich das mal anders gelernt, aber was weiß ich schon..........“, hinterfragt eine weitere Facebook-Nutzerin das Prinzip.

Einige stellen sich aber auch auf die Seite von Norbert und Manuela Schuler und pflichten ihnen bei, den Impfstoffen genauso wenig zu vertrauen. In Niedersachsen dagegen hat ein renitenter Maskenverweigerer eine Ansage vom Bäckerei-Chef* bekommen – die dürfte sich mit der Haltung des Ehepaar Schuler nicht gerade decken. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Facebook/Trachtenlod‘n Wolperdingar

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