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Nordsee im Spannungsfeld zwischen Umweltschutz und Erdgasförderung

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Von: Andree Wächter

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Wie wichtig ist Umweltschutz? Bei den geplanten Gasbohrungen in der Nordsee ist dies ein Argument. Ein weiteres: Die Industrialisierung auf See.

Borkum - Deutschland will unabhängig werden von Gaslieferungen aus Russland. Der Ukraine-Krieg hat das Dilemma deutlich gemacht. Eine Lösung wäre Flüssiggas (LNG). In Wilhelmshaven soll schnell ein entsprechendes Terminal gebaut werden. Bis dieses fertiggestellt ist, sollen schwimmende LNG-Terminals gechartert werden. Ein weiterer Ansatz ist, Erdgasbohrungen in der Nordsee vor Borkum. Ein Vorhaben, welches aus unterschiedlichen Gründen auf Kritik stößt.

Gründung ONE Dyas1963
DachorganisationONH B.V.
Gas- und Ölproduktion pro Tag35.000 Barrel
SitzAmsterdam

Die geplante Erdgasförderung nahe dem Nationalpark Wattenmeer stößt bei Umweltschutzverbänden auf Kritik – nicht nur wegen möglichen Schäden durch Bohrungen oder Unfälle. Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste sieht noch ein anderes Risiko durch mehr Industrieanlagen auf See. Ende Januar hatten acht niederländische und deutsche Wattenmeerinseln, darunter auch Borkum, gefordert, dass neue Erdgasförderungen nahe dem Wattenmeer nicht mehr erlaubt sein sollten.

Nordsee: Industrialisierung durch Pläne zur Erdgasförderung vor Borkum

Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN) fürchtet angesichts der Pläne zur Erdgasförderung vor Borkum eine zunehmende Industrialisierung auf See. Neben möglichen Folgen für die Natur des Wattenmeeres sieht der Umweltschutzverband durch weitere Industrieanlagen auch eine Gefahr für die Schifffahrt.

Durch Windparks und neuer Förderanlagen würden auch Schifffahrtsstraßen zunehmend eingeengt, teilte die Schutzgemeinschaft mit. Dadurch bestehe die Gefahr von Unfällen, die auch das Wattenmeer treffen könnten. Dass es diese Gefahr gebe, sei erst im Januar deutlich geworden, als der Frachter „Julietta D“ vor der niederländischen Küste bei Ijmuiden nach einer Havarie in einen Offshore-Windpark trieb.

Es ist einfach an der Zeit, nachhaltig umzudenken

Gerd-Christian Wagner, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft

„Es ist einfach an der Zeit, nachhaltig umzudenken und nach wirklichen Lösungen zu suchen“, sagte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft und Bürgermeister von Varel (SPD; Kreis Friesland), Gerd-Christian Wagner. Es ergebe keinen Sinn, trotz Klimaveränderungen weiter auf fossile Energien zu setzen. Laut der SDN sind Konzepte zur Energieeinsparung und einem Ausbau erneuerbarer Energien nötig. In der Schutzgemeinschaft sind eigenen Angaben zufolge rund 200 Mitglieder, etwa Kommunen, Naturschutzvereine und Verbände zusammengeschlossen. Vor Borkum soll auch ein Windpark mit 83 Windrädern entstehen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) und der Vorstandschef des niederländischen Unternehmens One-Dyas, Chris de Ruyter van Steveninck, wollen am Mittwoch (21. April) in Hannover über das Gasförder-Vorhaben in der Nordsee informieren. In den vergangenen Wochen hatten Gespräche dazu zwischen dem Unternehmen und der Landesregierung stattgefunden.

Das Unternehmen One-Dyas will Erdgas in der Nordsee fördern. Das Erdgasfeld liegt vor Borkum, an Grenze zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.
Das Unternehmen One-Dyas will Erdgas in der Nordsee fördern. Das Erdgasfeld liegt vor Borkum, an Grenze zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. © dpa

One-Dyas plant, Erdgas aus einem 2017 entdeckten Feld zwischen den Inseln Schiermonnikoog (Niederlande) und Borkum zu fördern und dafür eine Plattform auf See zu errichten. Das Gebiet liegt nahe dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Und damit rund 500 Meter von den deutschen Hoheitsgewässern entfernt und ungefähr 20 Kilometer vor der Küste Borkums. Das auserkorene Fördergebiet wird zur Hälfte auf deutschem Hoheitsgebiet verortet. Hier werden 60 Milliarden Kubikmeter förderbarer Erdgasreserven geschätzt.

Die rot-schwarze Landesregierung hatte sich im vergangenen Sommer zunächst gegen das Vorhaben positioniert. Angesichts der Unsicherheiten bei der Energieversorgung durch den Krieg in der Ukraine rückte sie von dieser Position ab und sprach sich für eine Neubewertung aus. Umweltverbände, die grüne Landtagsopposition und angrenzende Nordseeinseln fürchten Umweltschäden durch das Vorhaben. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de ist Angebote von IPPEN.MEDIA.

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