Änderung der Bauordnung

Niedersachsen will mehr barrierefreien Wohnraum schaffen

Hannover - Was bringt der schönste Balkon, wenn man ihn als Gehbehinderter wegen einer Stufe nicht nutzen kann? Eine neue Bauordnung soll Abhilfe schaffen.

In Niedersachsen sollen künftig mehr Wohnungen entstehen, die auch für Menschen mit Behinderungen geeignet sind. Das ist das Ziel einer Änderung der Bauordnung, die am kommenden Donnerstag vom Landtag verabschiedet werden soll. Die Novelle basiert auf Ergebnissen einer Arbeitsgruppe, in der sich Vertreter der Bauwirtschaft und Behindertenverbände gemeinsam mit dem Thema befasst haben. Alle Fraktionen haben bereits signalisiert, dass sie die Novelle mittragen wollen.

Bei Neubauten mit mehr als vier Wohnungen müssen künftig alle Wohnungen barrierefrei sein. Das bedeutet: Auch im Badezimmer und in der Küche muss es genug Bewegungsfläche für Menschen mit Einschränkungen geben. Die Türen müssen so breit sein, dass man auch mit einem Rollator oder Rollstuhl hindurch kommt. Und eine Stufe, die den Balkon von der Wohnung trennt, darf höchstens zwei Zentimeter hoch sein.

„Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, dass man da an den Bedarf von Behinderten denkt. Das bringt Komfort für alle“, sagte Petra Wontorra, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen. So würden beispielsweise Fahrstühle in Bahnhöfe nicht nur von Rollstuhlfahrern genutzt, sondern auch von Müttern mit Kinderwagen und von Fahrradfahrern. „Auch bei dem Erwerb einer Eigentumswohnung haben manche Menschen im Blick, ob das Gebäude für einen späteren Lebensabschnitt barrierefrei ist.“

Bislang müssen in Niedersachsen Gebäude, die mehr als vier Stockwerke haben, mit einem Fahrstuhl ausgestattet werden. Das soll auch künftig so bleiben. Zusätzlich sollen jedoch auch niedrigere mehrstöckige Häuser so geplant werden, dass sie mit einem Aufzug nachgerüstet werden können, falls ein Bewohner dies braucht. Die Novelle der Bauordnung soll für öffentliche und private Neubauten gelten. Auch neue Sportanlagen, Museen, Gaststätten, Parkhäuser und sogar Campingplätze mit mehr als 200 Stellflächen müssen den neuen Vorschriften entsprechen.

„Die Anforderungen, die sich aus der Inklusion ergeben, finden auch Niederschlag in dieser Novelle der Bauordnung“, sagte dazu der wohnungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Martin Bäumer. Man habe in der Arbeitsgruppe einen Kompromiss gefunden, der es der Bauwirtschaft trotz der Auflagen ermögliche, die Kosten für Neubauten möglichst niedrig zu halten, versicherte Dirk Adomat von der SPD-Fraktion. Mehrere andere Bundesländer hätten ihre Bauordnungen schon reformiert. In Niedersachsen hatte sich bereits die rot-grüne Landesregierung mit der Novelle befasst. Wegen der verkürzten Legislaturperiode war der Gesetzentwurf nicht verabschiedet worden.

dpa

Quelle: kreiszeitung.de

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