Für die Linien RE1, RE8 und RE9

Moderner, leiser, flexibler: Niedersachsen kauft 34 neue Regio-Züge

Die Außenansicht eines Zuges.
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So sollen die neuen Züge, die ab 2024 in Niedersachsen rollen, aussehen. Nur wie sie designt werden ist, noch offen. Wer die Züge ab 2024 betreiben wird, muss in einer Ausschreibung geklärt werden.

Das Land Niedersachsen investiert in moderne Mobilität und Klimaschutz: In drei Jahren sollen die 34 neuen Züge einsatzbereit sein.

Hannover - Niedersachsen soll insgesamt 34 neue elektrische Doppelstocktriebzüge für das Expresskreuz Bremen/Niedersachsen (EBN) erhalten. Das Verkehrskreuz verbindet Bremen, Hannover, Oldenburg, Wilhelmshaven, Norddeich-Mole, Osnabrück und Bremerhaven miteinander. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) beabsichtigt, den insgesamt rund 760 Millionen Euro umfassenden Auftrag an den Konzern Alstom zu vergeben. Ab Dezember 2024 sollen die Züge im RE-Netz rund um Bremen zum Einsatz kommen.

Finanziert wird der Kauf der Züge mit 420 Millionen Euro aus Fördermitteln des Wirtschaftsministeriums für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Niedersachsens Verkehrsminister Dr. Bernd Althusmann: „So viele neue Züge hat Niedersachsen noch nie auf einen Schlag bestellt. Diese Investition aus Mitteln des Landes setzt ein deutliches Zeichen: Wir wollen den Bahnverkehr weiter stärken. Wir setzen auf moderne barrierefreie Mobilität und Klimaschutz.“

Für die Wartung der Züge über einen Zeitraum von 30 Jahren wird mit Alstom ein weiterer Vertrag im Volumen von 340 Millionen Euro geschlossen. Auch die Nordwestbahn erhöht ihre Investitionen rund um Bremen und kündigte bereits vor zwei Jahren an, mit mehr Zügen in der Region unterwegs sein zu wollen.

„Wir setzen auf moderne barrierefreie Mobilität und Klimaschutz.“

Dr. Bernd Althusmann, Niedersachsens Verkehrsminister

Niedersachsen hat seit 1997 einen landeseigenen Pool für den Schienennahverkehr mit inzwischen 385 Fahrzeugen aufgebaut. Mit einem Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro ist es der größte Pool unter den Bundesländern. „Damit stärken wir den Wettbewerb und sorgen für qualitativ hochwertige Verkehrsangebote auf Niedersachsens Schienen“, sagt Bernd Althusmann.

Die 34 neuartigen Doppelstockzüge bestehen aus vier Fahrzeugeinheiten – jeweils zwei Steuerwagen und zwei Mittelwagen. Zusätzlich werden 18 weitere Mittelwagen bestellt, um die Züge je nach Fahrgastaufkommen auf bis zu sechs Einheiten zu verlängern. Insgesamt werden somit 154 Fahrzeugeinheiten beschafft.

Leiseste Züge Deutschlands fahren bald auch in Niedersachsen

Erstmals in Niedersachsen und Bremen werden Doppelstocktriebzüge stufenfreie Einstiege haben und barrierefrei zu betreten sein. Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG-Geschäftsführung, nennt eine weitere Neuerung: „Wir haben von Alstom verlangt, die leisesten Regionalzüge Deutschlands für uns zu entwickeln. Die geringen Geräusche der Fahrzeuge werden neue Maßstäbe setzen.“ Der Stromverbrauch betrage nur die Hälfte der bislang eingesetzten Züge.

Erstmals in Niedersachsen und Bremen werden Doppelstocktriebzüge stufenfreie Einstiege haben und barrierefrei zu betreten sein.

Um diese Linien geht es

  • Das Expresskreuz Bremen/Niedersachsen umfasst die zweistündlich fahrenden Linien RE 1 Hannover-Bremen-Oldenburg-Norddeich Mole, RE 1 Hannover-Bremen-Oldenburg-Wilhelmshaven und RE 8 Bremerhaven-Bremen-Hannover.
  • Die Linien RE 1 und RE 8 ergänzen sich zwischen Hannover und Bremen zum Stundentakt. Die Linie RE 9 Bremerhaven-Bremen-Osnabrück fährt zwischen Osnabrück und Bremen im Stundentakt und wird zweistündlich nach Bremerhaven verlängert. Hier ergänzt sie sich mit der Linie RE 8 zum Stundentakt. Ergänzend verkehren einzelne Verstärkerleistungen zwischen Hannover und Bremen. 
  • Alle Linien werden aktuell von der Deutschen Bahn betrieben.

LNVG-Geschäftsführerin Schwabl: „Die neuen Züge können sehr schnell gekuppelt und entkuppelt werden. Deshalb können wir den RE 1 aus Hannover künftig in Oldenburg teilen. Ein Teil fährt weiter nach Norddeich-Mole, ein Teil nach Wilhelmshaven.“ In der Gegenrichtung werden beide Zugteile in Oldenburg zusammengekuppelt. Schwabl: „Nach langer Zeit entsteht so wieder eine regelmäßige Direktverbindung im Zweistundentakt zwischen Wilhelmshaven und Hannover.“

Echtzeit-Informationen per App und an Displays am Zug

Bereiche für mobilitätseingeschränkte Menschen, komfortable Sitzabstände, großzügige Mehrzweckbereiche und Fahrradbereiche, die je nach Jahreszeit vergrößert oder verkleinert werden können sowie hohe Kapazitäten für Gepäck sollen in den Zügen vorhanden sein.

Die Fahrzeuge verfügen über WLAN und Videoüberwachung. Auf die Fahrgastinformation wird großer Wert gelegt. So werden Displays außen am Zug anzeigen, wie viele freie Sitzplätze es in den jeweiligen Wagen gibt. Reisende werden diese Daten vor Reiseantritt auch über eine App abrufen können. Außerdem gibt es innen dynamische Anzeigen für die Fahrgastinformation mit Zuglauf, Echtzeitinformation und Anschlussverbindungen auf den Unterwegsbahnhöfen. 

2024 gehen zunächst 33 neue Triebzüge an den Start. Auf den Linien RE 8 und RE 9 wird es dann mehr Sitzplätze geben.

2024 gehen zunächst 33 neue Triebzüge an den Start. Auf den Linien RE 8 und RE 9 wird es dann 15 bis 20 Prozent mehr Sitzplätze geben. Acht-Wagen-Zug hat 810 Sitzplätze, bei einer ab 2028 geplanten Verlängerung auf zehn Wagen sind es 1050 Plätze.

Welches Bahnunternehmen die neuen Züge auf dem Expresskreuz betreiben wird, wird in einer weiteren europaweiten Ausschreibung geklärt. Aktuell werden alle betroffenen Linien von der Deutschen Bahn mit eigenen Zügen betrieben.

Finanzierung erfolgt mithilfe von erwirtschafteten Überschüssen

Betrieb und Instandhaltung der Züge zu trennen, werde Vorteile bringen, betont Schwabl: „Der Hersteller kennt die Züge am besten. Er ist für die kompletten 30 Jahre Lebensdauer für die Technik verantwortlich. Das Bahnunternehmen, das fährt, kann sich auf die Fahrgäste und den Betrieb konzentrieren.“ Der Zuschlag an Alstom wird wirksam, wenn bis zum 8. März 2021 kein unterlegener Bieter gegen die Entscheidung vorgeht.

Finanziert werden die Züge aus Überschüssen, die Niedersachsen in den Vorjahren beim Einsatz der Bundesschüsse für den regionalen Bahnverkehr erwirtschaftet hat. Der vom Land bereits vor Jahren eingeleitete Wettbewerb im regionalen Bahnverkehr habe zu Geldeinsparungen im Betrieb und einem Finanzpolster geführt, das nun in neue Züge investiert wird, sagte Bernd Althusmann. - (Mit Material der dpa)

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