Hoffnung für Schausteller

Freizeitpark statt Volksfest – diese Märkte sehen im Corona-Jahr 2020 völlig anders aus

Seit Beginn der Corona-Pandemie stehen fast alle Karussells still. In Niedersachsen haben Schausteller Alternativen für mehrere Volksfeste gefunden - für den Brokser Heiratsmarkt, den Stoppelmarkt Vechta, den Augustmarkt Papenburg und den Kramermarkt Oldenburg.

  • Corona-Regeln in Bremen erlauben Alternative zum Freimarkt.
  • Vierzig Fahrgeschäfte und Buden werden auf Stoppelmarkt-Gelände in Vechta aufgebaut.
  • Weitere Freizeitparks öffnen in Bruchhausen-Vilsen, Oldenburg und Papenburg.

Update vom 9. September: Die Meldung aus dem Rathaus Bremen klang am Dienstag verheißungsvoll. Es sollt eine abgespeckte Version des Freimarktes geben, einen temporären Freizeitpark auf der Bürgerweide. Dies forderten auch viele Schausteller. Doch statt ich zu freuen, droht der Schaustellerverband des Landes Bremen nun mit einer Komplettabsage.

Update vom 8. September: Die gute Nachricht vorweg: Der 985. Bremer Freimarkt findet statt. Die nicht ganz so gute Nachricht: Es gibt deutliche Einschränkungen - Corona-Krise sei Dank. Dies hat der Senat der Hansestadt Bremen am Dienstag beschlossen. Das Freimarkt-Gelände wird eingezäunt und es gibt Ein- und Ausgänge. Dort muss der Besucher seine Daten angeben. Wer dies nicht will, bekommt keinen Zutritt, heißt es in der Sitzungsvorlage. Zu den Corona-Einschränkungen des Bremer Freimarkts gehören:

  • Maximal 6.000 Besucher gleichzeitig
  • 150 Fahrgeschäfte und keine Großzelte
  • An den Karussells dürfen sich Ein- und Aussteigende nicht begegnen
  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist an vielen Stellen zu tragen
  • Die Eröffnungsfeier und der Freimarktsumzug finden nicht statt
  • Kein Ausschank von Alkohol
  • Die Öffnungszeit endet um spätestens 22 Uhr.

Den Kleinen Freimarkt auf dem Marktplatz, die Buden vor dem Hauptbahnhof, sowie den historischen Markt rund um den Unser-Lieben-Frauen-Kirchhof soll es aber geben, wenn auch in entzerrter Form.

Meldung vom 27. August: Niedersachsen - In diesem Jahr sind bislang alle Volksfeste ausgefallen, viele weitere werden vermutlich auch nicht stattfinden. Dazu gehören: das Oktoberfest in München, der Stoppelmarkt Vechta, der Kramermarkt Oldenburg oder der Brokser Heiratsmarkt. Der Freimarkt Bremen steht auf der Kippe. Heißt auch: Keine Einnahmen für die Schausteller. Seit Wochen arbeiten die Schausteller an alternativen Lösungen. Unter den geltenden Corona-Abstands- und Hygienebestimmungen starten nun Freizeitparks. Dazu werden Karussells und Buden aufgebaut sowie das Gelände eingezäunt. Planungen dafür laufen in Vechta und Bruchhausen-Vilsen.

Freizeitpark Bruchhausen-Vilsen11. September bis 4. Oktober
La-OL-a-Freizeitspaß Oldenburg17. September bis 11. Oktober
Freizeitpark Papenburg11. September bis 10. Oktober
Freizeitpark Vechta10. September bis 4. Oktober (voraussichtlich)

Die Meldung gingen in den Sozialen Medien steil: Es soll eine Art Jahrmarkt auf dem Stoppelmarkt-Gelände in Vechta geben. Ab Donnerstag, 10. September sollen sich die Karussells drehen, beim Freizeit- und Kirmespark. Organisiert wird das Event vom Verein reisender Schausteller Vechta. „Es ist kein Ersatz für den Stoppelmarkt“, sagt Vereinsvorsitzender Jürgen Meyer. Dafür fehlen beispielsweise die Festzelte.

Freizeitpark in Vechta mit 40 Fahrgeschäften

Die Planungen sehen 40 Fahrgeschäfte und Buden vor. „Das Angebot richtet sich an die ganze Familie“, sagt Jürgen Meyer. Alles wird mit entsprechendem Abstand aufgebaut. Die Besucher müssen sich am Eingang registrieren. Und am Ausgang wird dann die Uhrzeit erfasst, wann sie das Gelände verlassen haben. In der Zwischenzeit können sich Jung und Alt vergnügen. Besucher müssen eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Auf dem Gelände des Freizeitparks werden rund 50 Desinfektionsstellen aufgebaut.

Auf die wilden Runden in den Fahrgeschäften müssen die Brokser-Markt-Besucher in diesem Jahr verzichten.

Geöffnet hat der Freizeitpark in Vechta donnerstags bis sonntags, 14 bis 22 Uhr. Los geht es am Donnerstag, 10. September. Geplant war das Ende für den 4. Oktober. „Wir werden die Länge den Vorgaben des Landes Niedersachsen befolgen“, sagt Jürgen Meyer. Hintergrund: Das Land Niedersachsen verlangt eine Mindestlaufzeit von vier Wochen.

Stoppelmarkt Vechtaca. 800.000 Besucher
Brokser Heiratsmarktca. 400.000 Besucher
Kramermarkt Oldenburgmehr als eine Millionen Besucher
Freimarkt Bremenca. vier Millionen Besucher
Oktoberfestca. 6,3 Millionen Besucher

Eines der Highlights bei den Fahrtgeschäften auf dem Freizeitpark in Vechta wird Daemonium sein. Sie ist Europas größte dreistöckige Geisterbahn. Des Weiteren stehen auf dem Stoppelmarkt-Gelände: Commander, Musikexpress, Wellenflug, Autoscooter, Babyflug oder eine große Rutsche.

Vechtas Bürgermeister Kristian Kater unterstützt Initiative, stellt aber auch den Unterschied zum traditionellen Marktgeschehen der Stadt Vechta heraus. „Ein solcher Freizeitpark ist kein Ersatz für unseren Stoppelmarkt. Es ist auch kein kleiner Stoppelmarkt. Es ist ein Freizeitpark mit einem eigenen Konzept, organisiert und betrieben von den Schaustellern in Eigenregie, nicht von der Stadt Vechta“, unterstreicht Bürgermeister Kristian Kater auf der Seite OM-online.

„Mit einem Freizeitpark helfen wir uns selber“, sagt Vereinsvorsitzender Jürgen Meyer. Natürlich ist das Ziel mit einem Freizeitpark Geld zu verdienen. Aber es geht auch um die Wertigkeit eines jeden Schaustellers, wie Jürgen Meyer es nennt. Denn nach monatelangem Nichtstun wollen die Schausteller ihre Karussells und Buden wieder aufbauen. Dass es in Niedersachsen so lange mit dem Start der ersten Freizeitparks gedauert hat, lag laut Jürgen Meyer am Land. In anderen Bundesländern gibt es solche Freizeitparks schon länger.

Oldenburg: La-OL-a-Freizeitspaß ab dem 17. September

La-OL-a-Freizeitspaß heißt der Freizeitpark an der Weser-Ems-Halle Oldenburg. Vom 17. September bis 11. Oktober, wird der Freizeitpark jeweils donnerstags bis sonntags von 14 bis 22 Uhr geöffnet sein. Laut OZ-Online sei die Besucherzahl begrenzt. Höhepunkte sollen laut Ankündigung eine Achterbahn, eine Wildwasserbahn und ein 33-Meter-Riesenrad sein. Es wird ein kulinarisches Angebot geben.

Freizeitpark Papenburg: „Bliede-Park“ für Karusell-Fans

In Papenburg drehen sich die Karussells vom 11. September bis 10. Oktober. Dann öffnet der Freizeitpark „Bliede-Park“. Geöffnet hat der Freizeitpark ebenfalls von Donnerstag bis Freitag, von 14 bis 21 Uhr.

Unter anderem musste auch der Brokser Heiratsmarkt abgesagt werden. Auf dem Marktplatz Bruchhausen-Vilsen wird es ebenfalls ab September einen Freizeit-Park geben. Vom 11. September bis zum 4. Oktober laden die Schausteller aus der Region ein zu Fahrgeschäften und Kirmes-Buden. Nur Festzelte wird es in Bruchhausen-Vilsen nicht geben.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Jantje Ehlers

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