Corona-Pandemie

Steigende Infektionszahlen: Niedersachsen hält an Abiturprüfungen fest

Abi in der Pandemie: Niedersachsens Landesregierung sieht trotz Corona-Krise nach wie vor keinen Grund, die Abiturprüfungen abzusagen.

Niedersachsens Landesregierung sieht in der Corona-Krise weiterhin keinen Grund, die Abiturprüfungen abzusagen. Einen entsprechenden Vorstoß der Bildungsgewerkschaft GEW wies das Kultusministerium zurück. „Von dem Vorschlag halten wir nichts“, teilte das Ministerium der „Nordwest-Zeitung“ am Mittwoch mit.

Das sei eher ein Beitrag zur Verunsicherung. „Unsere Anstrengungen richten sich darauf aus, den Prüflingen auch in der gegenwärtig schwierigen Gesamtlage hochwertige Abschlüsse zuzusichern.“

BundeslandNiedersachsen
Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler (Stichtag: 29.08.2019)822.058
Schülerinnen und Schüler (gymnasialen Oberstufe)41 Prozent
Anteil der Abiturientinnen und Abiturienten (2018/2019)37,4 Prozent

Bereits Anfang März hatte das Kultusministerium die Abiturtermine in einem Erlass an die rund 450 betroffenen Schulen bestätigt. Der Zeitplan solle auch dann nicht geändert werden, wenn zum Zeitpunkt der Prüfungen einzelne oder alle Schulen im Wechsel- oder sogar im Distanzunterricht sind.

Es werde jedoch nur der Lernstoff abgefragt, der auch tatsächlich behandelt wurde, versicherte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) den Schülern damals: „Wir sichern faire Prüfungen zu, keiner muss Nachteile wegen Corona befürchten.“ Die erste Abiturklausur soll demnach am 19. April im Fach Geschichte geschrieben werden, die letzte am 11. Mai im Fach Physik. Vom 17. Mai bis 9. Juni soll es Nachschreibtermine geben.

Bereits im letzten Jahr für das letztjährige Abitur hatte die GEW diese Forderung erhoben, und es war im Nachhinein gesehen absolut richtig, dass die Bundesländer dieser damals Forderung nicht gefolgt sind.

Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Lehrerverbands

Auch der Deutsche Lehrerverband wandte sich klar gegen einen Ausfall von Abiturprüfungen. „Bereits im letzten Jahr für das letztjährige Abitur hatte die GEW diese Forderung erhoben, und es war im Nachhinein gesehen absolut richtig, dass die Bundesländer dieser damals Forderung nicht gefolgt sind“, sagt Verbandschef Heinz-Peter Meidinger.

Viele Bundesländer hätten dieses Jahr schon auf die steigenden Inzidenzen reagiert und die Abiturprüfungen auf Termine im Mai und Juni verschoben. Auch der Deutsche Philologenverband sprach sich in den Zeitungen der Funke Mediengruppe für reguläre Abiturprüfungen aus.

Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft gegen Prüfungen

Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im DGB, Marlis Tepe, hatte die Länder zu Wochenbeginn aufgefordert, von Prüfungen abzusehen, sollten die Ansteckungen mit dem Coronavirus in der dritten Welle weiter dramatisch zunehmen. Alternativ könnten die Leistungen im Unterricht zur Notengebung herangezogen werden. Sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müssten die Abiture trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

Niedersachsens Landesregierung hält trotz steigender Infektionszahlen an den Abiturprüfungen fest.

Der Kreisschülerrat Diepholz (KSR) hat sich im März für einen Abschluss ohne Klausuren ausgesprochen. Denn die Situation beim digitalen Lernen schaffe eine leistungsmäßige Ungleichheit zwischen den Schulen, faire Wissensstände zu landesweiten Klausuren seien nicht gesichert. Statt zur Prüfungsvorbereitung sollten die kommenden Monate zum Lernen genutzt werden.

Der KSR folgt damit Forderungen des Niedersächsischen Landesschülerrats (LSR), der in einem fünfseitigen Konzeptpapier für „Bildung statt Prüfung“ eintritt. Kernforderung ist die Absage aller Abschlussprüfungen im Schuljahr 2020/21. Stattdessen wollte der LSR Abschlussnoten, die aus den Halbjahresnoten gebildet werden. Die gewonnene Zeit hätte im verlängerten Schuljahr zum Lernen und Lehren genutzt werden sollen.

mit Material der dpa

Rubriklistenbild: © Waltraud Grubitzsch/ dpa

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