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Nach Sendung mit Faisal Kawusi: RBB stellt Chez Krömer ein

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Von: Maria Sandig

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Die beliebte RBB-Talkshow „Chez Krömer“ wird eingestellt. „Mein Bedarf an Arschlöchern ist damit gedeckt“, sagt der Künstler. Kritiker meinen: Gut, dass die halbstündige Dauerbeleidigung ein Ende hat.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender RBB hat die Show „Chez Krömer“ zur Überraschung vieler Fans eingestellt. Die neueste Folge mit dem vielseitig kritisierten Comedian Faisal Kawusi, die vorzeitig von Krömer abgebrochen wurde, soll die letzte der Reihe sein. Das verkündete der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Montag.

Der RBB sagte nach der Entscheidung: „Die Beziehung zwischen dem RBB und Kurt Krömer ist auch abseits der vier Verhörwände geklärt – sie sind und bleiben Freunde.“ Die Sendung endet somit nach 41 Folgen. Gastgeber der Sendung war die Kunstfigur Kurt Krömer, gespielt von Alexander Bojcan (48).

Nach Eklat mit Faisal Kawusi: Chez Krömer wird abgesetzt

Dieser äußert sich wie folgt zum abrupten Ende der Sendung: „Mir war klar, dass ‚Chez Krömer‘ kein Format ist, das ewig laufen wird. Dass es am Ende dann doch 41 Folgen geworden sind, hat mich selbst überrascht. Mein Bedarf an Arschlöchern ist damit gedeckt.“ Die Show sorgte für viel Aufmerksamkeit und konnte viele Fans für die ARD-Mediathek gewinnen.

Comedian Kurt Krömer im „Chez Krömer Studio“ und Faisal Kawusi
Nach einem Eklat mit dem Gast Faisal Kawusi wird die Erfolgsshow „Chez Krömer“ vom rbb eingestellt. (Symbolbild) © Daniel Porsdorf/Henning Kaiser/dpa/Montage

Für alle, die „Chez Krömer“ nicht kennen: In verstaubter Amts-Kulisse und mit einer Akte über seine Gäste führt Alexander Bojcan alias Kurt Krömer durch Interviews. Die Gespräche erinnern dabei (gewollt) mehr an Verhöre, als an Interviews.

Gemeinsam mit Produzent Friedrich Küppersbusch und dessen Firma probono.tv entwickelte Alexander Bojan 2019 die Idee eines Verhörs auf kleinstem Raum zum Showkonzept „Chez Krömer“. In der Reihe stellten sich Prominente und Politiker wie die ehemalige AFD-Parteisprecherin Frauke Petry, der ehemalige Chefredakteur der Bild Julian Reichelt, CDU-Politiker Philipp Amthor und Harald Glööckler seinen Fragen.

Kurt Krömer und Faisal Kawusi: War das Ende von „Chez Krömer“ inszeniert?

In der letzten Show mit Faisal Kawusi ist die Gesprächssituation aufgeheizt. „Das wird ja eine richtige Kacksendung heute“, sagt er bereits zu Beginn der Show. Krömer bricht das Gespräch mehrere Minuten vor Ende vorzeitig ab und verlässt den Verhörraum.

Als sich die Sendung dem Ende neigt, sagt er vor den Kameras: „Heute ist der Tag, wo ich glaube (...), dass ich nach Hause gehe und mal gucke, ob ich das Konzept vielleicht noch mal überdenke.“ Danach verlässt er die Sendung. Ob dieser Abgang mit dem Ende der Talkshow zusammenhängt, bleibt unklar. Auch, ob das Ende gekonnt inszeniert ist.

Wie heißt Kurt Krömer in echt?

Kurt Krömer ist der Künstlername von Alexander Bojcan, einem deutschen Komiker, Schauspieler und Autor. 

Aus für „Chez Krömer“: RBB beendet Sendung nach Folge mit Faisal Kawusi

In dem Interview mit dem umstrittenen Comedian und Influencer Faisal Kawusi, geht es etwa um einen Instagram-Kommentar des Gastes zum Thema K.-o.-Tropfen, eine rassistische Äußerung über die „Let‘s Dance“-Jurorin Motsi Mabuse und ein Tourplakat des Comedians, das an die tödliche Festnahme von George Floyd 2020 erinnert.

Faisal Kawusi erklärte in der letzten Sendung von „Chez Krömer“, er sei nicht rassistisch und auch sonst niemandem gegenüber feindlich eingestellt. Die Eltern des 31-Jährigen stammen aus Afghanistan und kamen 1989 als politische Flüchtlinge nach Deutschland. Kawusi wurde 1991 in Hessen geboren.

Faisal Kawusi zu Gast bei Krömer: Alexander Bojcan erhielt 2020 Grimme-Preis

In einem Twitch-Stream nach der Sendung wirft Faisal Kawusi Krömer vor, dass dieser ihn ungerecht behandelt habe. Das Verhalten des Moderators sei „respektlos“, „schamlos“ und „selbstgerecht“ gewesen. Zuvor sei er sogar Fan von Krömer gewesen, das sei nun vorbei. Sein Auftritt sei überhaupt erst zustande gekommen, weil er die Produktion von sich aus kontaktiert und Interesse signalisiert habe.

2020 erhielt Alexander Bojcan für die Sendung erstmals den Grimme-Preis. 2022 erhielt darüber hinaus mit Torsten Sträter je einen Grimme-Preis für ihr Gespräch bei „Chez Krömer“ über Depressionen. Im selben Jahr hat Bojcan ein Buch über seine Depression veröffentlicht.

Kritiker über Chez Krömer: Halbstündige Dauerbeleidigung

Die Stimmen in den Kommentarspalten von Instagram und bei Twitter sind unterschiedlich. Einige sind enttäuscht über das Ende der Sendung, andere finden es richtig und kritisieren Krömer. Oft habe er seine Gäste nicht aussprechen lassen und sie häufig beleidigt. Das Magazin Übermedien schreibt: „Krömer entlockt seinen Gegenübern nichts Unerwartetes – er macht es ihnen sogar bequem. Wer sich von Krömer nicht provozieren lässt, was gar nicht so schwer ist, weil Krömer die „Arschlöcher“ gar nicht erst groß zu Wort kommen lässt, ist am Ende fast unweigerlich das Opfer einer halbstündigen Dauerbeleidigung.“

Beim „Spiegel“ ordnet Redakteur Christian Buß „Chez Krömer“ als die „gefährlichste Talkshow im deutschen Fernsehen“ ein, kommt trotzdem zu dem Schluss, dass Krömers Format zwar die aggressivste Arena im TV sei, aber an Julian Reichelt habe Krömer sich vergeblich abgearbeitet – so das Urteil aus Hamburg. „Chez Krömer ist das wohl beste Kurt-Krömer-Format, das bislang zu sehen war. Das liegt an der großen Bandbreite der Gäste, vor allem aber am Moderator, der immer häufiger aus der Rolle fällt - im positiven Sinne“, schreibt das Magazin DWDL.de.

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